Eine Lücke in der Porträt-Galerie der Fuldaer Oberbürgermeister im Stadtschloss ist geschlossen: Erich Schmidt, der in der unmittelbaren Nachkriegszeit das Amt des Oberbürgermeisters ausübte, wurde nun posthum porträtiert. Der Künstler Peter Hendryk Blum schuf das Gemälde und übergab es in dieser Woche im Rahmen einer Magistratssitzung feierlich an den Magistrat.
Erich Schmidt war von Juni 1945 bis Juli 1946 Oberbürgermeister der Stadt Fulda. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er von der amerikanischen Militärregierung in das Amt eingesetzt und übernahm Verantwortung in einer Zeit des politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Neubeginns. Seine kurze Amtszeit fiel in eine Phase großer Herausforderungen für die Stadt. Wiederaufbau, die Neuordnung der Verwaltung und die Rückkehr zu demokratischen Strukturen prägten die Monate unmittelbar nach Kriegsende.
Mit der Anfertigung des Porträts hatte der Magistrat den in Fulda aufgewachsenen Maler Peter Hendryk Blum beauftragt, der bereits das Porträt des ehemaligen Oberbürgermeisters Gerhard Möller geschaffen hatte. Die Arbeit an dem Bild stellte den Künstler jedoch vor besondere Schwierigkeiten. Zunächst stand lediglich eine stark verpixelte historische Zeitungsfotografie als Vorlage zur Verfügung. Auf dieser Grundlage entwickelte Blum gemeinsam mit seinem Kollegen Wolfgang Mihm zunächst ein KI-gestütztes Porträt, das als Vorlage für das spätere Öl-Gemälde diente. Als Hintergrund des Bildes wählte der Künstler einen schematischen Stadtplan aus der Amtszeit Schmidts. Darüber hinaus schuf er eine weitere Porträtvariante auf Basis einer erst später entdeckten anderen Bildvorlage.
Am Rande einer Magistratssitzung stellte Blum seine Arbeit vor und übergab das Gemälde offiziell an den Magistrat. Begleitet wurde die Präsentation der Porträts durch den früheren Leiter des Kulturamts, Dr. Thomas Heiler, der die historische Einordnung der Person Erich Schmidt erläuterte. Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld dankte dem Künstler im Namen des Magistrats und würdigte dessen Arbeit unter den besonderen Umständen sowie angesichts der mangelhaften Quellenlage.
Mit der Ergänzung der Galerie wird zugleich eine weitere Lücke in der Darstellung der Fuldaer Stadtgeschichte geschlossen. Die Oberbürgermeister-Galerie im Stadtschloss dokumentiert die Reihe der Stadtoberhäupter von Franz Rang (Amtszeit 1862 bis 1893) über Georg Antoni (1894 bis 1930), Dr. Franz Danzebrink (1930 bis 1945), Dr. Cuno Raabe (1946 bis 1956), Dr. Alfred Dregger (1956 bis 1970), Dr. Wolfgang Hamberger (1970 bis 1998) und Dr. Alois Rhiel (1998 bis 2003) bis zu Gerhard Möller (2003 bis 2015). Sie macht damit zugleich politische Entwicklungen, historische Umbrüche und persönliche Verantwortung in unterschiedlichen Epochen sichtbar. Die besondere Rolle Dr. Danzebrinks in der NS-Zeit wird durch eine Zusatztafel an dessen Porträt erläutert.
Das Porträt Erich Schmidts erinnert nun an die unmittelbare Nachkriegszeit und an einen Oberbürgermeister, der Fulda in einer außergewöhnlich schwierigen Übergangsphase führte. Künftig soll das Gemälde seinen endgültigen Platz in der Galerie im nördlichen Ehrenhofflügel des Stadtschlosses finden.
Erich Schmidt wurde am 1. Dezember 1882 als Sohn eines Eisenbahnobersekretärs in Ratibor in Schlesien geboren. Nach dem Abitur am Kopernikus-Gymnasium in Kattowitz absolvierte er eine Banklehre im Kattowitzer Bankhaus Landsberger & Co. und arbeitete ab 1908 als Bankangestellter in Breslau. Von 1911 an leitete er die Filiale der Dresdner Bank in Kattowitz. Nach seiner Militärzeit von 1914 bis 1918 kehrte er zunächst dorthin zurück, bevor er 1923 nach Fulda kam und die Leitung der Filiale der Dresdner Bank am heutigen Universitätsplatz übernahm.
Da Schmidt als politisch unbelastet galt, bestellte ihn die amerikanische Militärregierung am 26. Juni 1945 zum Oberbürgermeister der Stadt Fulda, obwohl er über keinerlei kommunalpolitische Erfahrung verfügte. Neben der Wiederherstellung der zerstörten Infrastruktur galt seine Sorge insbesondere der Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen und Vertriebenen sowie der Sicherstellung der Lebensmittelversorgung. Unter dem Motto „Alles für unser liebes Fulda sei die Parole“ appellierte der neue Oberbürgermeister im Juli 1945 an den Aufbauwillen und die Spendenbereitschaft der Fuldaer Bevölkerung. Trotz Spannungen mit der Militärregierung gelang es Schmidt, ein Vertrauensverhältnis zu den US-Offizieren aufzubauen und damit die Grundlage für einen geordneten Wiederaufbau zu schaffen.
Bis zum 31. Juli 1946 blieb Schmidt im Amt, ehe ihn Dr. Cuno Raabe ablöste. Anschließend kehrte er in seinen angestammten Beruf zurück und zog später aus Fulda fort. Er starb am 22. August 1965 in Konstanz. +++
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