Woide: „Jetzt ist die Zeit, Verantwortung zu übernehmen“

Landrat Bernd Woide

Aufgrund der gegenwärtigen Entwicklung der Infektionszahlen im Landkreis Fulda wendet sich Landrat Bernd Woide an die Bürgerinnen und Bürger: „Die Lage hat sich in den vergangenen Tagen gänzlich verändert. Wir gehen gegenwärtig davon aus, dass wir mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Ende der Woche den Inzidenzwert von 50 erreichen oder sogar überschreiten. Das erfordert entsprechende Maßnahmen, die wir vorbereiten und den ganzen Landkreis betreffen werden.

Die Verbreitung des Virus lässt sich nicht mehr auf lokale Spots reduzieren, wie es sich noch im März/April dargestellt hat. Im Gegenteil. Aktuell ist das Infektionsgeschehen im Landkreis Fulda – wie auch in Hessen und deutschlandweit – diffus: Die heute erfassten 21 neuen Infektionsfälle sind über den Kreis verteilt. Darunter sind verschiedene Einrichtungen, Reiserückkehrer, Familien und Fälle, die auf private Feiern zurückgehen. Die Konsequenz aus dieser Erkenntnis ist, dass wir die Maßnahmen, die wir treffen müssen, ebenfalls nicht mehr lokal oder auf den individuellen Fall ausrichten können. Es ist nun unmittelbar erforderlich, das Infektionsgeschehen im gesamten Landkreis zu beeinflussen. Deswegen wird der Landkreis eine Allgemeinverfügung auf der Basis des Präventions- und Eskalationskonzeptes der Hessischen Landesregierung vorbereiten, die mit dem Krisenstab abgestimmt wird. Darüber hinaus bleibt es in der derzeitigen Lage wichtiger denn je, dass jede und jeder Einzelne aufgerufen ist, ein Höchstmaß an Eigenverantwortung zu zeigen. Jeder Kontakt, der nicht notwendig ist, im privaten Bereich, in Vereinen und in Verbänden, sollte unterbleiben. Jetzt ist nicht die Zeit für Egoismus. Jetzt ist die Zeit, um zusammenzuhalten.“

Main-Kinzig-Kreis – weitere 69 Covid-19-Fälle

Die Infektionszahlen steigen im Main-Kinzig-Kreis weiter an. Am Mittwoch musste das Kreisgesundheitsamt 69 neue bestätigte Covid-19-Fälle melden. Damit erhöht sich auch noch einmal der Inzidenzwert deutlich auf jetzt 67,5. Inzwischen ist keine Region im Main-Kinzig-Kreis mehr von dieser Entwicklung ausgenommen. Die neuen Fälle kommen aus Hanau (24), Maintal (9), Rodenbach (7), Wächtersbach (7), Gelnhausen (3), Bad Soden-Salmünster (3), Schlüchtern (3), Gründau (2), Schöneck (2), Langenselbold, Großkrotzenburg, Freigericht, Sinntal, Hammersbach, Birstein, Bad Orb, Bruchköbel und Erlensee. Bisher haben sich im Main-Kinzig-Kreis insgesamt 1902 Menschen seit Beginn der Pandemie mit dem SarsCoV-2-Virus infiziert. Die Zahl der „aktiven“ Fälle beträgt jetzt 544. Eine Schülerin der Kaufmännischen Schulen Hanau wurde am Montag (19.10.) positiv getestet, die erforderlichen Absonderungen sind organisiert. Neben der Kita Rödelberg in Langenselbold ist nun auch die Kinderburg Hammersbach von einem positiven Fall betroffen. Hier hat das Gesundheitsamt ebenfalls die notwendigen Maßnahmen eingeleitet. Parallel zu den steigenden Infektionszahlen ist auch die Zahl der stationären Aufnahmen im Zusammenhang mit Covid-19 gestiegen. Es werden 18 Personen aus dem Kreisgebiet zurzeit in den Krankenhäusern betreut.

Wie das Kreisgesundheitsamt dazu aktuell mitteilt, finden sich darunter „überwiegend Personen mittleren Alters“. Das deckt sich auch mit den Fallschilderungen von Betroffenen aus diesen Altersgruppen, die zum Beispiel von „starken Symptomen einer hartnäckigen Krankheit“ sprechen. Auch gibt es immer wieder Aussagen über Spätfolgen wie „Druck auf der Lunge“, „Müdigkeit und Schwindel“. Das Robert Koch-Institut veröffentlicht dazu auf seiner Homepage die Einschätzung, dass etwa 81 Prozent der diagnostizierten Personen einen milden, etwa 14 Prozent einen schwereren und etwa 5 Prozent einen kritischen Krankheitsverlauf zeigen. Zudem könne sich COVID-19 in vielfältiger Weise nicht nur in der Lunge, sondern auch in anderen Organsystemen manifestieren. Auch lassen sich aufgrund der Neuartigkeit des Krankheitsbildes „keine zuverlässigen Aussagen zu Langzeitauswirkungen und (irreversiblen) Folgeschäden durch die Erkrankung“ treffen. Die weiterhin sehr hohen Fallzahlen stellen das Gesundheitsamt vor große Herausforderungen. „Wir müssen derzeit den Fokus darauf legen, so schnell wie möglich alle positiv Getesteten und im Anschluss daran die Kontaktpersonen zu informieren“, berichtet Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler. Angesichts der vielen Infektionen und der entsprechend vielen Kontaktpersonen nehme dies jedoch viel Zeit in Anspruch. „Wir arbeiten hier mit Hochdruck und werden auch noch einmal zusätzliches Personal einsetzen, doch wir können die Leistung nicht beliebig steigern“, macht die Gesundheitsdezernentin deutlich. Sie bittet angesichts des hohen Arbeitsaufkommens um etwas Geduld bei den Betroffenen und rät von Anrufen im Gesundheitsamt und am Bürgertelefon ab, da nur die jeweils zuständigen Fallbetreuer und Betreuerinnen die entscheidenden Sachverhalte kennen. +++ nh|pm


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