Es sind Nachrichten wie diese, die innehalten lassen. Die den Blick schärfen für eine Realität, die sich schleichend verändert hat – und deren Folgen nun unübersehbar geworden sind. Nach einem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in Kaiserslautern fordern Politik und Gewerkschaften Konsequenzen für die Sicherheit von Beschäftigten im Bahnverkehr. In Fulda trafen sich Vertreter des SPD-Unterbezirks Fulda gemeinsam mit Staatssekretär Umut Sönmez aus dem Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum sowie Vertreter der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zu einem intensiven Austausch über die wachsenden Risiken im Arbeitsalltag von Zugbegleiterinnen und Zugbegleitern.
Das Gespräch fand im Café Törtchen in Fulda statt. Für die EVG nahmen Andreas Güth, Geschäftsstellenleiter für Kassel und Frankfurt, sowie Albert Wiegand, Vorsitzender des Ortsverbands Fulda, teil. Seitens des SPD-Unterbezirks beteiligten sich der Unterbezirksvorsitzende Andreas Maraun, sein Stellvertreter Michael Busold, Birgit Kömpel, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD im Kreistag, sowie Hans-Joachim Tritschler, Co-Vorsitzender des SPD-Stadtverbands Fulda.
Ausgangspunkt des Treffens war ein tragischer Vorfall in Kaiserslautern: Ein 36-jähriger Zugbegleiter war dort nach einer gewalttätigen Auseinandersetzung mit einem Fahrgast so schwer verletzt worden, dass er wenig später an den Folgen starb. Der Mann war während einer Fahrscheinkontrolle angegriffen und tödlich verletzt worden. Der Fall hat bundesweit Bestürzung ausgelöst und die Diskussion über den Schutz von Bahnmitarbeitenden erneut verschärft.
Die Vertreter der EVG schilderten eindringlich die große Betroffenheit unter den Beschäftigten der Bahn. Besonders bei den Zugbegleitern herrsche seit dem Vorfall eine erhebliche Verunsicherung. Zugleich verwiesen sie auf eine Entwicklung, die nicht erst seit gestern zu beobachten sei. Bereits seit rund zehn Jahren nehme die Verrohung im Umgang mit dem Zugpersonal spürbar zu. Das Spektrum der Übergriffe reiche von verbalen Beleidigungen und Bedrohungen über Anspucken bis hin zu tätlichen Angriffen. Was früher als Ausnahme galt, sei heute für viele Beschäftigte bittere Realität. „Was wir erleben, ist keine Ausnahme mehr, sondern für viele Kolleginnen und Kollegen trauriger Alltag“, erklärten die Gewerkschaftsvertreter.
Auch Staatssekretär Sönmez sowie die Vertreterinnen und Vertreter des SPD-Unterbezirks zeigten sich tief betroffen über die geschilderten Zustände und die tödliche Eskalation in Kaiserslautern. Einigkeit bestand darin, dass die von der Deutschen Bahn angekündigten Maßnahmen – darunter der verstärkte Einsatz von Bodycams und zusätzliches Sicherheitspersonal – zwar richtige Schritte seien, jedoch lediglich einen Anfang darstellen könnten.
Sönmez sprach sich darüber hinaus für weitergehende strukturelle Veränderungen aus. „Aus meiner Sicht sollten Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter künftig grundsätzlich nur noch im Zweierteam eingesetzt werden, um ihre Sicherheit deutlich zu erhöhen. Wir dürfen nicht zulassen, dass Menschen, die täglich für einen funktionierenden öffentlichen Verkehr sorgen, um ihre körperliche Unversehrtheit fürchten müssen.“, erklärte er. Der Schutz der Beschäftigten müsse oberste Priorität haben, betonte der Staatssekretär.
Kritisch diskutiert wurden im Gespräch auch datenschutzrechtliche Bedenken beim Einsatz von Bodycams. Die Teilnehmenden machten deutlich, dass bei aller berechtigten Sensibilität für Fragen des Datenschutzes die Dimension der Bedrohung nicht aus dem Blick geraten dürfe. Es gehe letztlich um den Schutz von Menschenleben. „Jeder muss verstehen, dass ein Mensch gestorben ist. Der Schutz der Beschäftigten hat oberste Priorität“, hieß es aus der Runde.
Die Vertreter der EVG bedankten sich ausdrücklich für den offenen und konstruktiven Austausch. Man sei dankbar, dass Politik und Landesregierung die Sorgen der Beschäftigten ernst nähmen und bereit seien, über konkrete Verbesserungen zu sprechen. Am Ende des Treffens stand die Vereinbarung, den Dialog fortzusetzen und sich gemeinsam für eine spürbare Verbesserung der Sicherheitslage im Bahnverkehr einzusetzen.
Die Ereignisse von Kaiserslautern haben eine Debatte neu entfacht, die weit über einzelne Maßnahmen hinausweist. Es geht um Respekt, um Schutz und um die Frage, wie eine Gesellschaft mit denjenigen umgeht, die täglich für das Funktionieren ihrer öffentlichen Infrastruktur sorgen. Der Austausch in Fulda macht deutlich: Die Forderung nach mehr Sicherheit für Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter ist nicht nur eine politische Aufgabe – sie ist Ausdruck eines gesellschaftlichen Anspruchs.

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