Waldbrände in Hessen – Brandschützer rückten bereits zu 180 Einsätzen aus

Rekordinvestitionen in den Brandschutz

Die hessischen Feuerwehren rückten in diesem Sommer bereits zu 180 Waldbränden aus. Die abgebrannte Fläche betrug dabei bereits rund 125 Hektar, wie Innenstaatssekretär Stefan Sauer am Dienstag in Wiesbaden als Zwischenbilanz bekannt gab. Auch wenn die Waldbrandsaison noch nicht vorbei ist, stellen die Zahlen bereits jetzt einen neuen Negativrekord für Hessen dar. Im vergangenen Jahrzehnt kam es insbesondere in den trockenen Sommermonaten 2015 (124 Waldbrände, 12,3 Hektar) und 2018 (139 Waldbrände, 16,2 Hektar) zu einer sehr hohen Anzahl von Waldbränden. Die aktuellen Waldbrandzahlen übersteigen diese bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt bei weitem.

„Während unsere Brandschützer 2020 noch zu 102 und im vergangenen Jahr 29 Waldbrände bekämpfen mussten, führte die außergewöhnliche Trockenheit der vergangenen Tage und Wochen zu einer Rekordanzahl von Bränden, die allesamt durch den professionellen Einsatz unserer Einsatzkräfte bewältigt wurden oder aktuell noch werden. Auch wenn die Waldbrandsaison noch nicht vorüber ist, gilt unser Dank bereits jetzt den tüchtigen Brandschützern in Hessen, die mit ihrem beherzten Eingreifen dafür Sorge tragen, dass die zahlreichen Waldbrände in Hessen schnell und erfolgreich eingedämmt werden. Durch ihren Einsatz konnten stets größere Schäden verhindert werden. Wir sind uns der außerordentlichen Belastung bewusst und bitten alle Bürgerinnen und Bürger weiterhin um umsichtiges Verhalten und hoffen natürlich für die kommenden Tage auf flächendeckende Regenschauer, die zu einer Entspannung der Lage in Hessen führen“, so Staatssekretär Stefan Sauer.

Aufgrund der anhaltenden Trockenheit und der fast durchgängig hohen Temperaturen ist die Waldbrandsaison in Hessen bisher deutlich stärker ausgefallen als in den Vorjahren. Laut Angaben des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) kam es in Hessen zu insgesamt 180 Waldbränden. Statistisch erfasst werden unter dem Begriff „Waldbrand“ alle Einsätze, bei denen die Feuerwehr aufgrund eines „Brandes eines Waldes, Feldes oder einer Wiese mit der Gefahr der weiteren Ausdehnung“ alarmiert wurden.

Das vergangene Wochenende war mit den erheblichen Waldbränden in Mittel- und Südhessen das bislang einsatzintensivste. Im Bereich Haiger / Dillenburg standen rund 30 Hektar Waldfläche in Flammen. Das Feuer konnte bereits unter Kontrolle, aber noch nicht vollständig gelöscht werden. Weiterhin sind hier noch rund 400 Einsatzkräfte mit der Brandbekämpfung beschäftigt, die noch einige Tage in Anspruch nehmen wird. Ebenso verhält es sich in Münster bei Dieburg, wo seit Samstag (13. August) 30 bis 40 Hektar Waldfläche brennen. Die Löscharbeiten dauern dort bis voraussichtlich Freitag an und weiterhin befinden sich rund 300 Einsatzkräfte im Einsatz. Zusätzlich zu diesen beiden Großschadenslagen kam es in Hessen zu sechs weiteren Bränden von Wald- und Wiesenflächen, bei denen insgesamt mehr als 17 Hektar Schadfläche entstanden. Zu den vom HMUKLV bereits gemeldeten Waldbrandflächen im Umfang rund 45 Hektar kommen nach dem vergangenen Wochenende nochmals rund 80 Hektar Schadfläche, was eine Gesamtschadensfläche von rund 125 Hektar in Hessen seit Beginn der diesjährigen Waldbrandsaison bedeutet.

Sondereinsatzmittel zur Waldbrandbekämpfung des Landes Hessen

Bereits vor den trockenen Sommermonaten 2018 hatte das Land 426 Waldbrandlöschsets angeschafft und alle hessischen Katastrophenschutz-Löschzüge ausgestattet. Sie bestehen unter anderem jeweils aus einer Rucksackspritze mit 19 Litern Löschwasserinhalt mit Handpumpe, drei D-Strahlrohren, drei Längen (20 Meter) D-Druckschlauch und einem Kugelhahnverteiler. Damit wurde die Ausstattung der Katastrophenschutz-Löschzüge sinnvoll ergänzt, die durch die Sets Glutnester gezielter bekämpfen konnten. Zusätzlich hatte das Land vier Abrollbehälter Waldbrand sowie Hytrans-Hochleistungspumpsysteme, mit denen eine äußerst effektive Wasserversorgung im unwegsamen Gelände hergestellt werden kann im Gesamtwert von mehr als einer Million Euro beschafft. Der faltbare Löschwasserbehälter (35.000 Liter), die Außenlastbehälter für Hubschrauber (2.000 Liter), sowie das Schlauchmaterial können durch das Abrollbehältersystem schnell an den jeweiligen Einsatzort gebracht werden. Diese vier Sondereinsatzmittel sind bundesweit einmalig. Insbesondere die Katastrophenschutzausstattung des Landes, die mit Spezialgeräten auf die Waldbrandbekämpfung abgestimmt ist, kam in den beiden Großschadenslagen (Haiger/Dillenburg und Münster) am vergangenen Wochenende erfolgreich zum Einsatz.

Polizeifliegerstaffel übernimmt Luftbeobachtung

Bei einer Waldbrandgefahrenlage, zu der es in den vergangenen Jahren häufiger kam, erfolgt durch den Forstbereich eine ständige Überwachung der Waldgebiete, die bei Bedarf durch eine Luftbeobachtung ergänzt wird. Das Hessische Umweltministerium hat bereits am 18. Juli die erste von zwei Alarmstufen, Alarmstufe A (hohe Waldbrandgefahr), für die Forstverwaltung in Hessen ausgelöst. Damit einhergehend wurde die Polizeifliegerstaffel informiert, die mit einem Flugzeug die Luftbeobachtung besonders gefährdete Gebiete vornimmt. Tritt ein großflächiger Waldbrand auf, stehen die Hubschrauber der hessischen Polizeifliegerstaffel in Egelsbach mit Löschwasser-Außenlastbehältern des Hessischen Katastrophenschutzes, sogenannten Bambi-Buckets (Fassungsvermögen 800 Liter), zur Verfügung. Je nach Waldbrandlage kann zusätzlich die Bundespolizei-Fliegerstaffel Fuldatal mit Bambi-Buckets (Fassungsvermögen 2.000 Liter) in Einsatz gebracht werden. Bei den Ereignissen in Haiger / Dillenburg und Münster waren täglich bis zu vier Hubschrauber mit Löschwasser-Außenbehälter im Einsatz wodurch eine ebenso schnelle wie effektive Eindämmung der Brände gewährleistet werden konnte. In Münster bei Dieburg kam außerdem ein Hubschrauber der Bundeswehr zum Einsatz. Auch in diesem Fall haben sich die etablierten Verfahren der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit sehr bewährt.

Rekordinvestitionen in den Brandschutz

Schließlich stehen auch moderne Feuerwehrfahrzeuge zur Verfügung. Die hessische Landesregierung investiert bereits seit vielen Jahren mit Rekordmitteln in die Ausstattung seiner Wehren, um die wichtige Arbeit vor Ort zu unterstützen. Der Jahresetat für alle hessischen Feuerwehren erreicht 2022 einen neuen, historischen Höchststand. Die Hessische Landesregierung wird mit mehr als 43 Millionen Euro so viel wie noch nie binnen eines Haushaltsjahres in die Förderung von unter anderem Feuerwehrfahrzeugen und -häusern sowie für die Förderung des Ehrenamtes im Bereich des Brandschutzes investieren. Der Ausbau der Garantiesumme für den Brandschutz ist eine wichtige Investition in die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger. Mit der finanziellen Förderung auf Rekordniveau werden bestmögliche Rahmenbedingungen für die wertvolle Arbeit der Feuerwehren geschaffen und gleichzeitig die Wertschätzung der Hessischen Landesregierung für die wichtige Arbeit der ehrenamtlichen Einsatzkräfte ausgedrückt. +++ pm

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Letzte Aktualisierung: 06.10.2022, 05:22 Uhr
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