Wählergemeinschaft FGG: Stadt greift zu – und steht nun in der Pflicht

Mit dem Beschluss vom 23. März 2026, das Vorkaufsrecht für das rund 16,2 Hektar große ehemalige Goodyear-Gelände auszuüben, hat die Stadt Fulda eine Entscheidung von erheblicher Tragweite getroffen. Der Ankauf für etwa 16,2 Millionen Euro inklusive Nebenkosten ist mehr als ein formaler Akt – er ist ein politisches Signal. Die Botschaft: Diese Fläche soll nicht dem Zufall oder allein wirtschaftlichen Einzelinteressen überlassen werden, sondern bewusst und strategisch entwickelt werden.

Dr. Mamajanyan, künftige Stadtverordnete der Wählergemeinschaft FGG (Fulda Gemeinsam Gestalten), begrüßt diesen Schritt ausdrücklich. Doch ihr Zuspruch ist an klare Erwartungen geknüpft. Entscheidend sei nun, dass die Entwicklung nicht hinter verschlossenen Türen stattfinde, sondern auf Grundlage eines schlüssigen Gesamtkonzepts und unter frühzeitiger Beteiligung der Bürgerschaft.

Im Zentrum ihrer Argumentation steht die Größe des Areals. 16,2 Hektar seien kein Raum für Stückwerk. Wer eine solche Fläche erwerbe, müsse sie als Einheit denken – städtebaulich, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Einzelne Projekte oder Zwischennutzungen, so sinnvoll sie im Einzelfall erscheinen mögen, dürften nicht darüber hinwegtäuschen, dass es am Ende eines klaren Gesamtbildes bedarf. Als warnendes Beispiel nennt sie das Haus Karl, das sich ebenfalls im Besitz der Stadt befindet und aus ihrer Sicht zeigt, wie schnell gute Einzelideen verpuffen können, wenn ihnen eine übergeordnete Linie fehlt.

Die Stadt selbst hat mit dem Ankauf ein klares Ziel formuliert: Der Standort soll als Arbeits- und Produktionsfläche erhalten bleiben und neue Perspektiven für Beschäftigung eröffnen. An diesem Anspruch, so die Forderung, müsse sich jede weitere Planung messen lassen. Gleichzeitig liege in der Fläche die seltene Chance, grundsätzliche Fragen zur Zukunft der Stadt neu zu stellen.

Für Dr. Mamajanyan ist dabei klar: Ein Projekt dieser Größenordnung darf nicht ausschließlich in politischen Gremien oder Verwaltungsbüros entschieden werden. Die Bürgerinnen und Bürger müssten von Beginn an eingebunden werden – nicht erst dann, wenn die wesentlichen Entscheidungen bereits gefallen sind. Gefordert wird eine ernst gemeinte Bürgerbeteiligung mit öffentlichen Informationsveranstaltungen, transparenten Online-Angeboten zum Planungsstand, Bürgerbefragungen und offenen Dialogformaten wie Zukunftswerkstätten.

Nur so, lautet ihr Argument, könne Vertrauen entstehen – und nur so könne ein Projekt dieser Dimension von der Stadtgesellschaft getragen werden. Die Entwicklung des ehemaligen Goodyear-Geländes sei nicht allein eine Frage der Wirtschaftsförderung, sondern eine gesamtstädtische Aufgabe.

Denn über die Sicherung von Arbeitsplätzen hinaus eröffnet sich hier ein breites Spektrum an Möglichkeiten: Wohnen, Bildung, Gesundheit, Kultur, Sport und gesellschaftliches Leben könnten auf dieser Fläche neue Impulse erhalten. Entscheidend sei, dass diese Debatte offen, sachlich und im Interesse der gesamten Stadt geführt werde.

Am Ende steht ein klar formulierter Anspruch: Die Entwicklung muss dem Gemeinwohl dienen, langfristig tragfähig sein und einen echten Mehrwert für Fulda schaffen. Gefragt sind Räume, die wirtschaftliche Nutzung und soziale Funktionen miteinander verbinden – Orte, die nicht nur Umsatz generieren, sondern auch das städtische Leben stärken. +++


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