Union legt in Umfrage zu – Mehrheit bewertet Angriff auf Iran als nicht gerechtfertigt

Die Union kann sich in der Sonntagsfrage von Infratest von der AfD absetzen. Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, kämen CDU und CSU derzeit auf 28 Prozent – das sind zwei Prozentpunkte mehr als Anfang Februar. Die AfD hätte 23 Prozent in Aussicht und verliert damit einen Punkt. Die SPD verschlechtert sich auf 14 Prozent (-1). Die Grünen kämen auf 13 Prozent (+1), die Linke auf 9 Prozent (-1). Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) läge bei 4 Prozent (+1). Alle anderen Parteien, darunter auch die FDP, kommen zusammen derzeit auf 9 Prozent (-1). Das ergab eine Umfrage von Infratest unter 1.317 Wahlberechtigten für die ARD, die von Montag bis Mittwoch dieser Woche durchgeführt wurde.

Die Bewertung der Bundesregierung fällt weiterhin überwiegend kritisch aus. Mit der Arbeit der Bundesregierung sind aktuell 25 Prozent der Befragten sehr zufrieden oder zufrieden, ein Anstieg um vier Punkte. 73 Prozent äußern sich weniger oder gar nicht zufrieden, fünf Punkte weniger als zuvor. Auch das Miteinander der Regierungsparteien stößt bei vielen auf Skepsis. 19 Prozent der Befragten geben an, sehr zufrieden oder zufrieden damit zu sein, wie Union und SPD miteinander umgehen. 76 Prozent zeigen sich weniger oder gar nicht zufrieden. Zum Vergleich: Im Mai 2024 hatten lediglich 10 Prozent Zufriedenheit mit dem Miteinander der damaligen Ampel-Regierung geäußert, während 85 Prozent unzufrieden waren.

Die inhaltliche Bilanz der aktuellen Koalition wird ebenfalls kritisch gesehen. Was die Regierung aus Union und SPD bislang politisch auf den Weg gebracht hat, überzeugt 18 Prozent der Befragten. 79 Prozent äußern sich unzufrieden. Zum Vergleich: Bei der Ampel-Regierung im Mai 2024 waren 25 Prozent in diesem Bereich zufrieden, 71 Prozent unzufrieden. Schwach fällt auch die Bewertung der politischen Kommunikation aus. Nur 16 Prozent der Befragten sind zufrieden damit, wie die Regierung ihre Politik den Bürgerinnen und Bürgern erklärt und vermittelt. 82 Prozent äußern Unzufriedenheit. Bei der Ampel-Koalition im Mai 2024 waren es 11 Prozent, die sich mit diesem Aspekt zufrieden zeigten, während 85 Prozent unzufrieden waren.

Unter den Mitgliedern der Bundesregierung wird Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) weiterhin am besten bewertet. 55 Prozent sind mit seiner Arbeit zufrieden, zwei Punkte weniger als im Februar. Außenminister Johann Wadephul (CDU) erreicht einen Zufriedenheitswert von 33 Prozent, ein Plus von zwei Punkten. 39 Prozent sind mit ihm unzufrieden, während 28 Prozent angeben, ihn nicht zu kennen oder sich kein Urteil zuzutrauen. Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) verbessert sich ebenfalls auf 33 Prozent Zufriedenheit, zwei Punkte mehr als zuvor. Gleichzeitig äußern sich 50 Prozent unzufrieden mit seiner Arbeit. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kommt auf einen Zufriedenheitswert von 29 Prozent, ein Anstieg um vier Punkte. 68 Prozent sind mit seiner Arbeit unzufrieden. Mit der Arbeit des CSU-Innenministers Alexander Dobrindt zeigen sich 28 Prozent zufrieden (+1). 52 Prozent sind mit ihm weniger oder gar nicht zufrieden. Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) erreicht 25 Prozent Zufriedenheit (-2). 46 Prozent sind mit ihr unzufrieden, während 29 Prozent angeben, sie nicht zu kennen oder sich kein Urteil zuzutrauen.

Die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel erreicht unverändert zum Januar einen Zufriedenheitswert von 25 Prozent. 65 Prozent äußern sich unzufrieden mit ihrer Arbeit. Der Linken-Vorsitzende Jan von Aken kommt auf einen Zufriedenheitswert von 13 Prozent und bleibt damit unverändert zum Januar. 31 Prozent sind mit ihm unzufrieden, während 56 Prozent angeben, ihn nicht zu kennen oder sich kein Urteil zuzutrauen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) verschlechtert sich auf einen Zufriedenheitswert von 13 Prozent, fünf Punkte weniger als im Vergleich zu Februar. 50 Prozent sind mit ihr unzufrieden, während 37 Prozent angeben, sie nicht zu kennen oder sich kein Urteil zuzutrauen. Mit der Grünen-Vorsitzenden Franziska Brantner sind 12 Prozent zufrieden, drei Punkte mehr als im Vergleich zu Januar. 28 Prozent äußern sich unzufrieden, während 60 Prozent sie nicht kennen oder sich kein Urteil zutrauen.

Auch außenpolitische Fragen wurden in der Umfrage thematisiert. Die Mehrheit der Deutschen bewertet den Angriff der USA und Israels auf den Iran vom vergangenen Wochenende kritisch. 58 Prozent halten ihn für nicht gerechtfertigt. 25 Prozent sehen den Krieg gegen den Iran als gerechtfertigt an. 17 Prozent wissen es nicht oder machen dazu keine Angabe. Zum Vergleich: Die Attacke der USA gegen den venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro Anfang Januar hatten damals 72 Prozent als nicht gerechtfertigt eingestuft, 12 Prozent als gerechtfertigt. 16 Prozent antworteten auf diese Frage mit „weiß nicht“ oder machten keine Angabe. Die Militäraktion der USA gegen den Irak im Jahr 2003 hatten 80 Prozent als nicht gerechtfertigt bewertet, 14 Prozent als gerechtfertigt.

Die internationale Lage wird von vielen Befragten als zunehmend bedrohlich wahrgenommen. Rund drei Viertel der Deutschen, 77 Prozent, empfinden die politische Lage in der Welt derzeit als sehr bedrohlich oder bedrohlich für sich in Deutschland. Das sind 23 Punkte mehr als Anfang Februar 2022. 21 Prozent schätzen die Lage als wenig oder überhaupt nicht bedrohlich ein, ein Rückgang um 21 Punkte. Die Bedrohungslage wird über alle Parteianhängerschaften hinweg mehrheitlich wahrgenommen.

Eine große Mehrheit äußert zudem die Sorge, dass in der Weltpolitik zunehmend das Recht des Stärkeren gilt. 85 Prozent der Deutschen treibt diese Sorge um, vier Punkte mehr als im Vergleich zu Januar. Auch wirtschaftliche Folgen bereiten vielen Menschen Sorgen. 80 Prozent befürchten eine Beeinträchtigung des internationalen Handels infolge des Iran-Krieges. 75 Prozent sorgen sich, dass der Konflikt auf weitere Länder übergreifen könnte. 71 Prozent äußern Sorge um die Menschen im Iran. Zwei Drittel der Befragten, 66 Prozent, sorgen sich um die Sicherheit in Europa. Das sind drei Punkte weniger als im Januar. 55 Prozent äußern zudem die Sorge, dass Russland weitere Länder in Europa angreifen könnte. Das sind acht Punkte weniger als im Oktober 2025.

Beim Vertrauen in internationale Partner ergibt sich ein gemischtes Bild. Unverändert zu Januar betrachten 15 Prozent der Deutschen die USA als verlässlichen Partner. Russland stufen 12 Prozent als vertrauenswürdig ein, drei Punkte mehr als im Januar. Israel gilt für 17 Prozent als verlässlicher Partner. Deutlich höher fällt das Vertrauen in europäische Partner aus. Frankreich wird von 82 Prozent als verlässlicher Partner gesehen, ein Plus von vier Punkten. Großbritannien gilt mit 75 Prozent Zustimmung ebenfalls mehrheitlich als verlässlicher Partner, ein Plus von einem Punkt. Beim Blick auf die Ukraine bleibt das Urteil geteilt. 39 Prozent der Befragten trauen dem Land, ein Punkt weniger als zuvor. 47 Prozent äußern Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit der Ukraine. +++


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