TV Gelnhausen trotzt Emsdetten einen Punkt ab und hat den Aufstieg nun selbst in der Hand

Der TV Gelnhausen hat die Tür zur 2. Handball-Bundesliga weit aufgestoßen. Am vierten Spieltag der Aufstiegsrunde erkämpften sich die Barbarossastädter beim Meister der Nord-West-Staffel, dem TV Emsdetten, ein bemerkenswertes 28:28 (11:14) und sicherten sich damit ein Endspiel um den Aufstieg gegen den EHV Aue. Vor 2.200 Zuschauern in der ausverkauften Ems-Halle stemmte sich die Mannschaft von Trainer Matthias Geiger mit allem, was sie hatte, gegen den großen Favoriten dieser Aufstiegsrunde und belohnte sich für einen leidenschaftlichen Auftritt mit einem Punktgewinn, der in der Vereinsgeschichte einen besonderen Platz einnehmen dürfte. Durch den gewonnenen direkten Vergleich übernahm der TVG sogar die Tabellenführung seiner Aufstiegsgruppe und geht nun mit der besten Ausgangsposition in das entscheidende Heimspiel am kommenden Samstag.

Als Daniel Drozdz in den Schlusssekunden den letzten Wurf des 2,07 Meter großen Andre Meuser entschärfte, brachen alle Dämme. Spieler und Betreuer stürmten auf das Feld, ehe die Mannschaft direkt zu den rund 150 mitgereisten Anhängern lief, die den TVG über die gesamte Spielzeit lautstark unterstützt hatten. Gemeinsam wurde ein Abend gefeiert, der den Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Es war keine Partie für Feinschmecker des Handballsports, sondern ein Spiel, das von Leidenschaft, Mentalität und unbedingtem Einsatz lebte. Der TV Gelnhausen gewann diesen Punkt nicht durch spielerische Überlegenheit, sondern durch Zusammenhalt, Willenskraft und die Überzeugung, auch unter schwierigsten Bedingungen bestehen zu können. Viele hatten den Rot-Weißen vor Beginn der Aufstiegsrunde lediglich Außenseiterchancen eingeräumt. Doch einmal mehr zeigte die Mannschaft, dass man mit Herz und Charakter auch gegen vermeintlich stärkere Gegner bestehen kann.

Dabei war die personelle Lage erneut alles andere als komfortabel. Neben Jonas Dambach, der weiterhin mit einer Fußverletzung ausfiel, fehlten auch Akos Csaba nach seinem Kreuzbandriss und Dima Redkyn aufgrund einer Erkältung. Als dann zu Beginn der zweiten Halbzeit auch noch Rückraumspieler Fynn Hilb nach einem Schlag auf das Bein nicht mehr weiterspielen konnte, wurde die Belastung für die verbliebenen Akteure noch größer.

Von Beginn an war spürbar, welche Bedeutung diese Begegnung für beide Mannschaften hatte. Die Atmosphäre in der ausverkauften Ems-Halle war eindrucksvoll, die Gastgeber versuchten früh, ihre Heimstärke auszuspielen. Doch der TVG hielt entschlossen dagegen. Vor allem Alexander Bechert erwischte einen starken Start, zeigte mehrere Paraden und entschärfte zudem einen Siebenmeter. Im Angriff setzte zunächst Yannick Mocken die Akzente. Nach drei Treffern des Linksaußen sorgte Max Bechert in der sechsten Minute für die 4:2-Führung der Gäste.

Emsdetten ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken. Die Westfalen fanden zunehmend besser in die Partie und drehten den Rückstand bis zur 14. Minute in eine 7:5-Führung. Gegen die kompakte Defensive der Gastgeber tat sich Gelnhausen nun phasenweise schwer, klare Chancen herauszuspielen. Gleichzeitig verteidigten die Gäste selbst mit großer Leidenschaft und verhinderten, dass Emsdetten früh davonziehen konnte.

In der 21. Minute brachte Fynn Hilb den TVG noch einmal mit 9:8 in Führung. Danach erhöhte Emsdetten jedoch spürbar die Intensität. Nach einer Auszeit der Gastgeber folgte ein 6:1-Lauf, der den TVE auf 14:10 davonziehen ließ. Besonders Torhüter Oliver Krechel entwickelte sich nun zu einem entscheidenden Faktor und brachte die Gelnhäuser Angreifer mehrfach zur Verzweiflung. Kurz vor der Halbzeitsirene verkürzte Torben Fehl auf 11:14 und hielt den Rückstand in einem Bereich, der weiterhin Hoffnung machte.

Auch der Ausfall von Hilb brachte die Gäste nach dem Seitenwechsel nicht aus dem Konzept. Immer wieder gelang es ihnen, den Abstand zu verkürzen. Vor allem Yannick Mocken spielte sich in den Mittelpunkt. Mit zehn Treffern bei nur einem Fehlversuch erwischte der Linksaußen einen herausragenden Tag und hielt seine Mannschaft praktisch im Alleingang auf Tuchfühlung. In der 43. Minute war es erneut Mocken, der mit dem Treffer zum 19:19 die Aufholjagd vorerst krönte.

Doch Emsdetten reagierte umgehend. Drei Tore in Serie sorgten wieder für eine 22:19-Führung der Gastgeber. Viele Mannschaften hätten in dieser Phase den Faden verloren. Der TV Gelnhausen jedoch nicht.

Im Tor steigerte sich Daniel Drozdz in der Schlussphase immer mehr zum Rückhalt seiner Mannschaft. Gleichzeitig verteidigten die Rot-Weißen nun mit großer Konsequenz. Ballgewinne, provozierte Fehler und intensive Zweikämpfe sorgten dafür, dass die Gastgeber zunehmend nervöser wurden.

„Wir haben versucht, das Spiel immer eng zu halten“, sagte Trainer Matthias Geiger nach der Partie. „Auch als Emsdetten vier Tore vorne war, haben wir einen kühlen Kopf bewahrt. In den letzten 15 Minuten waren wir hellwach, obwohl der Körper längst im roten Bereich war.“

Sechs Minuten vor dem Ende erzielte Jannik Geisler den Treffer zum 24:24. Die Partie war nun endgültig zu einem Nervenspiel geworden. Emsdetten legte mehrfach vor, doch der TVG fand jedes Mal eine Antwort.

Als Marc Esche in der 56. Minute das 27:25 für die Gastgeber erzielte, schien das Momentum erneut auf Seiten des TVE zu liegen. Wenig später sah Esche jedoch nach einem Gesichtstreffer gegen Silas Altwein die Rote Karte. Die daraus resultierende Überzahl nutzte Gelnhausen konsequent. Jonathan Malolepszy und Yannick Mocken sorgten für den Ausgleich zum 27:27.

In der 58. Minute brachte ein spektakuläres Kempa-Tor von Luca Klein Emsdetten erneut in Führung. Doch auch diesmal blieb der TVG ruhig. Malolepszy verwandelte im direkten Gegenzug einen Siebenmeter zum 28:28.

Die Schlussminute bot schließlich noch einmal alles, was dieses Spiel ausgezeichnet hatte. Nachdem Emsdetten nur die Latte getroffen hatte, eröffnete sich dem TVG sogar die Möglichkeit zum Siegtreffer. Geiger nahm 50 Sekunden vor dem Ende eine Auszeit. Die Gäste spielten ihren Angriff geduldig aus, doch kurz vor Schluss wurde Malolepszy ein Offensivfoul abgepfiffen.

So erhielt Emsdetten noch einmal die letzte Chance. Nach einer weiteren Auszeit blieben den Gastgebern acht Sekunden. Der Ball landete schließlich bei Andre Meuser, doch Daniel Drozdz war zur Stelle und parierte den letzten Wurf des Spiels. Wenige Augenblicke später begann auf dem Feld und auf den Rängen der Jubel. Wie schon beim Auswärtsspiel in Aue liefen die TVG-Spieler direkt zu ihren Fans auf die Tribüne und feierten gemeinsam die Überraschung in der berüchtigten Ems-Hölle.

„Das waren 60 Minuten purer Kampf von beiden Seiten“, sagte Geiger nach dem Schlusspfiff. „Was die Jungs heute abgerissen haben, ist wirklich Wahnsinn.“ Auf der anderen Seite zeigte sich Emsdettens Trainer Lennart Lingener enttäuscht: „Der Frust sitzt jetzt natürlich tief, aber wir werden alles investieren, um dieses Wunder noch möglich zu machen.“

Mit nun 3:3 Punkten führt der TV Gelnhausen die Aufstiegsrundengruppe an. Der direkte Vergleich gegen Emsdetten wurde gewonnen. Damit kommt es am kommenden Samstag um 19.30 Uhr in der Rudi-Lechleidner-Halle zum großen Finale gegen den EHV Aue. Unabhängig davon, wie das Duell zwischen Aue und Emsdetten am Mittwochabend ausgeht, würde ein Heimsieg den TV Gelnhausen in die 2. Handball-Bundesliga führen. Die Ausgangslage könnte kaum besser sein. Nach einem Abend voller Leidenschaft, Widerstandskraft und Emotionen hat der TVG den Aufstieg nun in der eigenen Hand. +++


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