TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell – Zwischen Lektion, Herausforderung und dem Blick nach vorn

Ruwen Filus. Foto: TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell

Schnell war der Käse gegessen. Es war gerade mal 21 Uhr in der Hubtex Arena, als die Hausaufgabe des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell gegen den TTC Schwalbe Bergneustadt in der Tischtennis-Bundesliga beendet war. 1:3 endete sie aus Sicht des osthessischen Teams. Fast erwartungsgemäß, wenn man bedenkt, dass Dimitrij Ovtcharov nicht mithelfen konnte beim Fuldaer Team. Das war der Angriffswucht des Kontrahenten nicht gewachsen und sollte sich jetzt ordentlich ins Zeug legen, um den Wunsch des 1. Vorsitzenden Stefan Frauenholz nach zwei Punkten aus den Aufgaben gegen Bergneustadt und am Samstag in Grünwettersbach zu erfüllen. Treffend könnte man die Situation beschreiben mit den Begrifflichkeiten zwischen Lektion, Herausforderung und dem Blick nach vorn.

Stichwort Herausforderung. Man stellte sich schon die Frage: Besteht ohne Dima die Möglichkeit, zwei Einzelpunkte zu ergattern – um ins Doppel zu kommen? Die Besetzung ergab sich fast von selbst, Trainer Qing Yu Meng blieben kaum bis gar keine Alternativen, um an der Formation seines Teams zu drehen oder mit ihr zu jonglieren. Und so lautete sie: Ruwen Filus erwartungsgemäß an Eins, Jona Groth an 2 und Fanbo Meng an 3.

Und hätte man zuvor laut ausgesprochen, dass Filus – der am Samstag seinen 38. Geburtstag feiert -, in seinem Eröffnungseinzel gegen Adrien Rassenfosse den einzigen Punkt dieses Abends für den TTC RhönSprudel holen sollte, man wäre schon etwas unruhig hin- und hergerutscht auf der Tribüne. Nicht, dass man es Filus nicht zugetraut hätte. Im Gegenteil. Der Fuldaer gewann glatt in Dreien, wovon nur der dritte Satz wirklich eng war.

Erstmals kehrte so richtig Spannung ein in der Hubtex Arena, die Spieler berührten und kitzelten Dramatik. Der 22-jährige Belgier Rassenfosse, in den Sätzen eins und zwei zwar angriffsmutig, aber mit deutlich zu vielen Fehlern gegen den taktisch überlegenen Filus, führte im Dritten mit 5:1. Er wirkte etwas gelöst und hatte sich offensichtlich von seiner Kruste ein Stück weit befreit. Filus indessen konterte, machte sechs Punkte in Folge. Plötzlich aber hieß es 8:8. Und 9:9. Beim 10:9 hatte Filus Matchball. Der Belgier glich aus. 11:10 – und Filus hatte seinen zweiten. Und den nutzte er – wieder einmal mit einer trockenen Rückhand, die ihm so manchen Punkt beschert hatte in diesem Match. In nur 25 Minuten hatte Ruwen Filus gewonnen. Sollte doch etwas möglich sein für den TTC RhönSprudel an diesem Abend?

Einzel Nummer zwei zwischen Jona Groth und dem Weltranglisten-14. Benedikt Duda, der vor diesem Abend bereits 16 Siege in der Liga eingeheimst hatte, glich zunächst einem feurigen Schlagabtausch zweier Offensiv-Künstler. Groth wirkte zunächst mutig und schien gut drin. Duda spielte anfangs etwas fahrig, setzte sich aber bis auf 8:4 ab im Ersten. Bisweilen atmete man seine schnellen Angriffsschläge. Wie Schallwellen wirkten sie. Nein 10:5 hatte Duda fünf Satzbälle. Aber Groth kämpfte. Er biss sich in die Aufgabe hinein. Und gab sich keinesfalls geschlagen. Er verkürzte Punkt um Punkt. Bis zum 9:10. Die Zuschauer bangten. Litten mit. Und träumten. Hinzu kam: der Fanclub unterstützte den Dänen. Das alles half aber nichts. Mit 11:9 brachte Duda den Ersten heim.

Auch im Zweiten blieb es zunächst ein munterer Schlagabtausch. 3:3, bis sich Groth auf 7:4 leicht absetzte. Wie würde Duda reagieren? Er kam. 7:7. Crunchtime. Und der internationale Klasse-Mann Duda punkte und punktete. Bis zum 11:7. Er holte sieben Punkte ensuite. In der entscheidenden Phase hatte Groth klein beigegeben. Zu viele leichte Fehler hatte er gemacht, seine Körpersprache hatte zu wünschen übrig gelassen. Man hätte auch sagen können: Das ist der Unterschied. Im Dritten ließ die Gegenwehr des Dänen mehr und mehr nach. Stückchen für Stückchen. Und Benedikt Duda fegte, ohne wirklich gut gewesen zu sein in seinem ersten Einzel des Abends, über seinen Gegner hinweg. Beim 10:2 hatte er acht Matchbälle. Gleich den ersten nutzte er. 1:1 zur Pause. Noch alles drin für Maberzell.

Einzel Nummer drei führte Fanbo Meng und den Franzosen Leo de Nodrest zusammen – und die Auseinandersetzung bot Reiz bis zum Abwinken. Nicht ganz aus Sicht des Fuldaers, der das Match nach gewonnenem Ersten aus der Hand gab. Doch der Reihe nach. Dass Fanbo Meng kämpft wie der Teufel und heiß läuft in seinem Wohnzimmer Hubtex Arena, ist nicht neu. Dass er das Publikum mitzunehmen versteht mit seinem Spiel der Emotionen, auch nicht. Und eben dies tat er auch im Ersten.

1:6 steht es da. Fanbo kommt heran. Bis auf 4:6. Dann 4:7. Wieder verkürzt der Fuldaer Bub. Du Nodrests glatte Angriffsschläge sind hart. Verdammt hart. Sie schallen und klingen nachhaltig im Ohr. Fanbo aber bleibt dran. 6:7. 7:8. Und er gleicht aus. Zum 8:8. Er macht das, was er immer macht: Er reckt die Faust. Mit 9:8 geht er in Führung. Dann 9:9. Sekunden später hat der Franzose Satzball – nachdem Fanbos Rückschlag, als Vorhand gespielt, im Netz gelandet war. Doch er egalisiert. Wieder mal ein Drehbuch, das den Krimi-Meister Hitchcock erfreut hätte. Satzball Fanbo, 11:10. De Nodrest gleicht aus. Und das Publikum rastet aus. Dann Fanbos zweiter Satzball. Und den nutzt er. Zum 13:11. Fanbo Meng hatte es geschafft, den Rhythmus seines Gegenüber zu brechen. Der war auf schnelle Punkte aus mit seinen glatten Angriffsschlägen – der Fuldaer hatte höher abspringende „Drop-Shots“ eingesetzt, mit denen de Nodrest nicht zurechtkam.

Doch eben dieses taktische Muster vermochte der Fuldaer nicht beizubehalten. Nicht zu transportieren. Ein Satz reicht halt nicht. Und noch reift sie, die taktische Frucht Fanbo Mengs. De Nodrest geht im Zweiten schnell mit 5:0 in Führung. Er setzt das, was er will, viel besser um jetzt – und Fanbo macht Fehler. Zu viele. beim 10:2 hat der Franzose acht Satzbälle. Der erste sitzt – und Fanbo Meng hat in einer taktischen Lektion gebadet. Im Dritten ist der Fuldaer enger dran. Beim 3:5, 4:6, 5:7 und 6:7 bleibt er im Spiel. Aber nur bis dorthin. Über das 6:9 und 6:10 schwimmen ihm die Felle weg. Mit 6:11 ist auch der Dritte weg. Doch Fanbo Meng hat ja schon einige Fünfsatz-Matches abgerissen in der Hubtex Arena.

Und auch im Vierten entwickelt sich das so. Das heißt, es scheint sich so zu entwickeln. Wieder einmal lässt der Fuldaer sein Tischtennis-Herz auf der Platte liegen. Wieder reißt er die Zuschauer mit. Fanbo Meng führt mit 5:3, und er hat sein Herz in die Hand genommen. Doch das beschert allein keine Punkte. Der Franzose gleicht aus. 5:5, 6:6, 7:7 und 8:8 heißt es. Solch eine Unterhaltung, was will man mehr? „Auf geht‘s, Fanbo. Auf geht‘s“, skandiert der Fanclub. Nur: Er müsste noch Punkte hinterher schicken. Denn die macht jetzt de Nodrest. 8:9 und 8:10. Zwei Satz- und Matchbälle für den Franzosen. Fanbo verkürzt noch einmal. Doch den zweiten verwandelt de Nodrest. Er siegt mit 3:1-Sätzen. Und bringt sein Team mit 2:1 nach vorn.

Realistisch gesehen: War‘s das für den TTC RhönSprudel? Denn im vierten Einzel sieht sich Ruwen Filus der internationalen Größe Benedikt Duda gegenüber. Denn nach seinem etwas fahrigen und instabilen Auftritts im ersten Einzel – trotz des glatten 3:0-Sieges nach Sätzen – fegt er jetzt über Filus hinweg. Wie ein Tornado aus dem Bergischen Land. Als hätte er ihn aus Bergneustadt mitgebracht, zeigt er jetzt, warum er die Nummer 14 der Welt ist. Die schüchterne Frage, ob Filus seinem Kontrahenten taktisch etwas würde anbieten können, stellt sich nicht mehr. Zehn Punkte lässt Duda seinem Gegner grade mal in drei Sätzen. Im Dritten führt er sogar mit 10:0 – zarte Aufmunterungsrufe hatten Filus zu Beginn des Satzes noch begleitet -, ehe Duda einen Ball verschlägt, über den so mancher im Publikum sagt, „den hat er mit Absicht daneben gesetzt“. Ist ja auch egal. Duda hatte sich Filus gestellt – wie eine Spinne, die ihr Opfer im Netz gefangen hat.

Aus Sicht des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell war diese 1:3-Heimniederlage – ohne Dima – kein Beinbruch. Der Blick muss sich vielmehr gen Samstag richten: auf die Aufgabe beim ASC Grünwettersbach, Beginn: 17.30 Uhr. Denn da gilt es, eine bessere und durchgehend gute Körpersprache an den Tag zu legen, Siegeswillen und eine aufrechte Haltung zu zeigen. Noch einmal ohne Dima. Grünwettersbach – Vorletzter der Bundesliga mit 8:24 Punkten gegenüber 12:20 vom TTC aus Fulda – hat erst am Dienstag eine äußerst starke Leistung geboten. Mit 2:0 führte das Team schon bei Borussia Düsseldorf – nach Siegen des Japaners Hiroto Shinozuka und des Portugiesen Tiago Apolonia. Der Gegner glich zum 2:2 aus, und erst im Schlussdoppel unterlagen Ricardo Walther und Shinozuka in vier engen Sätzen.

Die Ergebnisse im Einzelnen

TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell – TTC Schwalbe Bergneustadt 1:3

Ruwen Filus – Adrien Rassenfosse 3:0 (11:4, 11:7, 12:10)

Jonathan Groth – Benedikt Duda 0:3 (9:11, 7:11, 2:11)

Fanbo Meng – Leo de Nodrest 1:3 (13;:11, 2:11, 6:11, 9:11)

Ruwen Filus – Benedikt Duda 0:3 (5:11, 3:11, 2:11) +++ rl


Popup-Fenster

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*