Es war ein Abend in der Hubtex-Arena, der noch in Erinnerung bleiben wird. Zwar wurde es nichts mit dem ersten Heimsieg des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell seit dem 3:2 gegen Post Mühlhausen im November vergangenen Jahres, aber das Duell mit dem TTC Grenzau hatte einiges zu bieten. Viele spektakuläre Ballwechsel, brisanter Umgang mit dem Material – und nicht zuletzt Spannung bis zum Abwinken. Drei der fünf Matches am Montagabend gingen über fünf Sätze: das Eröffnungseinzel, jenes von Jonathan Groth und nicht zuletzt das entscheidende Doppel. Nach 3:42 Stunden war das Duell, in dem sich keines der Teams etwas schenkte, beendet. Das Pendel schlug für das Gästeteam aus dem Westerwald aus, das sich mit dem Sieg in Fulda endgültig den Klassenerhalt sicherte. Der stand für Maberzell schon fest. Doch kommen Sie mit auf die Reise bester Unterhaltung und einem Spannungsbad der Gefühle. Alexander Günther übernahm an diesem Abend die Anmoderation. Der Fanclub RhönSprudel Power erhebt sich – untrügliches Zeichen dafür, dass die Spieler des Fuldaer Teams einlaufen und sich dem Publikum präsentieren.
Dass Ruwen Filus eine zentrale und maßgebende Größe für den Erhalt der höchsten deutschen Liga und wohl auch der besten in Europa ist, war schon bekannt. Auch sein Eröffnungseinzel, das er gegen den Luxemburger Luka Mladenovic in Fünfen abgeben musste, hatte es in sich. Filus holte sich die beiden ersten Sätze – Mladenovic aber konterte. Filus kam gut rein in den Ersten, und zarte Anfeuerungsrufe des Fanclubs RhönSprudel Power begleiteten ihn. 5:5 stand es aber dann – und das Spiel um die Benutzung und Anwendung der Materialien, Filus setzte auf lange Rückhand-Noppen, Mladenovic auf den Anti-Belag – ging weiter. Bis zum 8:8. Sekunden später das 9:8 für Filus. Die Stimmung in der Halle ist super jetzt – und Filus fischt sich den Ersten.
Man spürt, dass das Duell zwischen beiden eine ganz enge Kiste werden wird. Beim Punkt zum 6:5 im Zweiten rasten die Zuschauer aus: Filus wehrt zweimal Aufsehen erregend ab – um dann selbst tollkühn zu kontern. Das ist Ruwen Filus. Wegen solcher Momente lassen sich die Zuschauer einen Besuch in der Hubtex Arena nicht nehmen. Mladenovic bleibt dran. Aber 8:8 wie im Ersten. Auch hier macht Filus wieder die entscheidenden Punkte. 11:9 endet der Zweite.
5:2 und 6:4 liegt Filus auch im Dritten vorn. „Ruwen, Ruwen“-Rufe berühren und erreichen ihn, die Halle entwickelt sich zum Tollhaus. Timeout – Trainer Qing Yu Meng und Jona Groth geben Tipps. Doch der Luxemburger gibt nicht klein bei. Er dreht das Spiel – von 6:7 auf 9:7. Filus verkürzt. Doch beim 10:8 hat Mladenovic zwei Satztbälle, und mit 11:8 schnappt er sich den Dritten. Auch im Vierten wird das taktische Geschick des Grenzauers sichtbar. Er geht mit 3:1, später mit 6:3 in Führung. Ab und an hat Filus mit Mladenovics unterschnittenen Rückhand-Bällen Probleme. Filus kommt heran – und die Anfeuerung der Zuschauer fällt kräftiger aus; so, als wolle sie einen tragen. Plötzlich ist Filus vorn, kurz darauf aber steht es 8:8. Bis der Grenzauer Nervenstärke beweist. Mit 11:8 gewinnt er den Vierten. 2:2 nach Sätzen.
Im Fünften nimmt das Publikum Filus erneut mit. Anfangs klatscht es, als würde es einem Gast die Türe öffnen. Bis zum 4:4 läuft es noch aus Filus‘ Sicht – dann aber zieht Mladenovic davon. Bis auf 8:5 – und beim 10:5 hat er fünf Matchbälle. Mit 11:7 holt er sich den Fünften. Auch wenn Filus beim letzten Ball Super-Pech hat. Der Zelluloid-Ball tanzt auf der Netzkante – bis er in Filus‘ Feld zurückspringt. Dennoch: 1:0 für den TTC Grenzau.
Hand aufs Herz: Hätte das zuvor jemand gedacht, dass Fanbo Meng seinen Kontrahenten Yi-Hsin Feng glatt in Dreien schlägt? Der Fuldaer zeigt eine beeindruckende Vorstellung: voll fokussiert vom ersten Ballwechsel an, offensiv ausgerichtet, mit stimmiger und positiver Körpersprache. Dass er sein Match mit einer trockenen Rückhand beginnt, besagt nichts. Aber er geht mit 6:2 in Front im Ersten. Feng kommt zwar heran – doch der Grenzauer spielt im ersten seiner zwei Einzel an diesem Abend zu inkonstant und fehlerhaft. Das liegt natürlich auch an Meng junioir. Der macht nach dem 5:6 fünf Punkte in Folge – und hat beim 10:6 vier Satzbälle. Der erste sitzt.
Der Zweite wird spannender – mit den Fragen: Antwortet Feng, kann Meng sein Niveau transportieren? Anfangs sieht es so aus, der Fuldaer liegt 4:0 vorn. Doch Feng kommt. Bis zum 5:4 dreht er das Match, auch ihm glücken jetzt fünf Punkte in Serie. Doch Fanbo kämpft beherzt. Nach einem tollen Konter zum 7:6 trifft er Feng ins Herz. 8:7 für Fanbo- und 9:8. Der Fuldaer erreicht das, was er will: Er wird heimgetragen von den Fans. Feng gleicht zum 9:9 aus. Aber nach einem rasanten Ballwechsel zum 10:9 hat Fanbo Meng Satzball. Nach dem 11:9 liegt er mit 2:0-Sätzen vorn. Der Fuldaer startet auch in den Dritten gut – und nach dem ersten Ballwechsel dort hat man das Gefühl, als würde sein Vater, der ja auch Trainer ist, ausrasten. Einmal fällt Fanbo bei einer Vorhand zurück – aber er führt 3:1. Jetzt passiert Entscheidendes: Beim 5:5 macht Fanbo den Punkt – und er zieht bis auf 10:5 davon. Auf und davon. Fünf Matchbälle. 11:5 im Dritten und 3:0 nach Sätzen. 1:1 im Gesamten zwischen beiden Teams.
Im dritten Einzel ist Jonathan Groth an der Reihe – und nach seinem Fünfsatz-Sieg stellt man sich die Frage: Wann hat er zuletzt solch ein Match vor heimischem Publikum geboten? Diese Reise der Spannung hätte allein den Abend gefüllt. Vorweg: Das Match ist nicht hochklassig, aber es erreicht und füllt die Herzen mit Spannung. Schon beim Ersten darf man mitfiebern, bis man von seinem Sitzplatz fällt. 4:4, 6:6, 8:8 und 9:9 lauten erste Stationen. Beim 10:9 hat Allegro im Duell der Linkshänder seinen ersten Satzball. Groth wehrt den ab. 11:10 für Allegro, zweiter Satzball – wieder zeigt Groth eine gute Reaktion. 12:11 Allegro, dritter Satzball – auch den wehrt der Däne ab. Beim 13:12 hat er Satzball – dieses Mal wehrt Allegro ab. Beim 14:13 aber nutzt der Portugiese seinen vierten Satzball – 15:13.
Vor Beginn des Zweiten ist klar: Auch wenn es eng war, Groth muss eine bessere Körpersprache zeigen. Und es gelingt bei den ersten Bällen – 5:1, und er spielt wesentlich mutiger und beherzter. Die Zuschauer sind aus dem Häuschen. Sie stehen und klatschen. Groth zieht weg. Über 7:3 geht‘s zum 10:4. Und 11:4. Mengs recken die Faust. 1:1 im Duell Groth gegen Allegro. Der Däne schnappt sich auch den Dritten. Und wie. Nach dem 3:6 und 4:8 nimmt der Däne sein Herz in beide Hände. Groth gerät mit 5:9 ins Hintertreffen – aber dann. Er holt auf. 9:9. Und nicht nur das. Beim 10:9 hat er gar Satzball. Fünf Punkte in Folge. Und einen sechsten. Eine blitzsaubere Vorhand zum 11:9 schließt den Satz ab.
Der Portugiese aber schlägt zurück. 5:1 und 8:3 führt er schon im Vierten. Groth meldet sich, aber 9:6 und beim 10:6 hat Allegro vier Satzbälle. Den ersten nutzt er. Und der Fünfte ist nichts für Herzschwache. Er toppt den Ersten. Spannung geht in Dramatik über. Nein 7:7 beginnt die Crunchtime. 9:9 dann. 10:9 – Allegro hat Matchball. Groth wehrt den natürlich ab. Beim 11:10 hat der Portugiese den zweiten – auch den kontert der Däne. Sekunden später taumelt der kleine Ball wieder an der Netzkante – 12:12. Beim 13:12 hat Allegro seinen dritten Matchball – der aber geht von der Netzkante ins Aus. 14:13, Matchball Nummer vier für Allegro. Auch den wehrt Groth ab. Die Zuschauer stehen. Kein Wort fällt. Nichts. 15:14 für Groth – plötzlich hat der Däne seinen zweiten Matchball. „Der absolute Wahnsinn“, sagt einer aus dem Fanclub. Jetzt wehrt Allegro ab. Der hat beim 16:15 seinen fünften. Groth lässt die Entscheidung nicht zu. Eine mutige Vorhand hilft ihm. Beim 17:16 hat der Däne seinen dritten Matchball. Und endlich werden die Fuldaer Zuschauer für ihr Mit-Leiden belohnt. 18:16. 2:1 für Maberzell. Die Gefühle werden nicht mehr strapaziert. Oder doch?
Im Spitzeneinzel steht Ruwen Filus gegen Yi-Hsin Feng auf verlorenem Posten. Er unterliegt glatt in Dreien. Man merkt dem Grenzauer an, dass er eine Reaktion zeigen will auf sein erstes Einzel und die missratene Vorstellung gegen Fanbo Meng. Er entwickelt mehr Energien, spielt offensiv und aggressiv an der Platte und ist auf jeden Punkt aus. Im Ersten nimmt ein begeisternder Ballwechsel alle mit, abwechslungsreich, mit von beiden hohem Tempo. Bis zum 4:6 bietet Filus Paroli, Feng setzt sich bis auf 9:4, 9:6 und 10:6 ab – und schließlich 11:6. Das eher ungleiche Duell nimmt auch im Zweiten seinen Lauf. 5:1 und 6:3 für Feng, Filus bleibt indessen dran. 5:6 und auch bis zum 7:9. Feng jedoch hat beim 10:7 drei Satzbälle. Der erste sitzt. Auch im Dritten versucht Filus alles. Beim 5:3 für Feng glückt dem Fuldaer ein Ballwechsel, der erneut an ihn erinnert: Er befreit sich aus schier auswegloser Abwehr-Position – und kontert dann virtuos. Doch Feng ist zu stark. 7:4, 9:5 und 10:6 sind die Etappen – bis mit dem 8:11 die Dreisatz-Niederlage des Fuldaers feststeht. 2:2. Wieder einmal ist das Doppel der Wegbereiter – und da hat der TTC RhönSprudel ja gute Erfahrungen in der jüngeren Vergangenheit gemacht.
Aber: Es klappt halt nicht immer. Und das ist an diesem Abend ja auch kein Beinbruch. Die Fuldaer Formation Fanbo Meng/Jona Groth zieht in Fünfen den Kürzeren – oder man kann auch sagen: Sie erlebt ein bitteres Ende gegen Mladenovic/Allegro. Im Ersten harmonieren die Fuldaer wie am Schnürchen, ein rasches 11:3 ist die Folge. Ehe die Grenzauer im Zweiten ein anderes Gesicht zeigen. 5:3 und 7:4 führen sie, und die Fuldaer wissen mit den Aufschlägen des Kontrahenten bisweilen nicht viel anzufangen. Ein 11:5 springt heraus für den Gast. Mein Sitznachbar aus dem Fanclub spielt bisweilen mit seinem Bauchgefühl – und seine Ahnung sollte ihm dieses Mal irgendwie recht geben. „Wer den dritten Satz jetzt gewinnt, der hat nachher die besseren Karten“, sagt er.
Und weiter geht‘s im Spannungsbad der Emotionen. Verdammt ausgeglichen ist der Dritte. Aber zunehmend ist ein Muster erkennbar: Mladenovic initiiert geschickt – Allegro vollendet. Der Portugiese schält sich als Entscheider dieser vier Spieler im Doppel heraus. Es steht 4:4, 5:5 und 6:6 im Dritten. Das Fuldaer Duo ist bisweilen stark und schmettert sich ab und an in die Herzen der Zuschauer, aber auch immer wieder mal ist es mit Fehlern behaftet. Schließlich beschert Allegro dem Grenzauer Team beim Stand von 10:8 zwei Satzbälle. Fulda verkürzt, doch am Ende des Satzes steht es 11:9 für Grenzau.
Aber Maberzell wäre nicht Maberzell, wenn es sich nicht zur Wehr setzen würde. Die Reaktion folgt prompt. Mit 5:1 erspielen und erkämpfen sie sich einen kleinen Vorsprung im Dritten. Grenzau aber kommt heran. Fulda aber antwortet. 8:6. Dann 8:8. Und 9:9. Fulda ist jetzt nervenstark. Satzball zum 10:9. Und Groths Vorhand beschert den Gewinn des Vierten. Der Fünfte ist wieder einmal das Zünglein an der Waage – wie ein Symbol für diesen unterhaltsamen, wenn auch nicht immer mit sportlicher Klasse gesegneten Abend. Zunächst verkürzt Fanbo Meng mit Wut im Bauch auf 1:3 – Grenzau aber gelingt es, die Initiative und auch die Kontrolle zu übernehmen. 5:1, 7:3 und 9:4 heißt es für die Gäste. Beim 10:4 haben sie sechs Matchbälle. Es sind Matchbälle für den Klassenerhalt. Um 22.39 Uhr. Fulda verkürzt noch einmal, Fanbo hat Kanten-Glück. Doch dann schnappt sich Grenzau das Glück. Es ist wohlverdient.
Für den TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell geht es bereits am Freitag weiter. Dann steht das vorletzte Spiel der Saison an – beim favorisierten 1. FC Saarbrücken Tischtennis. Ehe zum Abschluss der Saison das letzte Heimspiel folgt: am Donnerstag, 16. April gegen Borussia Dortmund. Beide Spiele beginnen um 18.30 Uhr.
Die Ergebnisse
TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell – TTC Zugbrücke Grenzau 2:3
Ruwen Filus – Luka Mladenvic 2:3 (11:8, 11:9, 8:11, 8:11, 7:11)
Fanbo Meng – Yi-Hsin Feng 3:0 (11:6, 11:9, 11:5)
Jonathan Groth – Martin Allegro 3:2 (13:15, 11:4, 11:9, 6:11, 18:16)
Ruwen Filus – Yi-Hsin Feng 0:3 (6:11, 7:11, 8:11)
Fanbo Meng/Jonathan Groth – Luka Mladenovic/Martin Allegro 2:3 (11:3, 5:11, 9:11, 11:9, 6:11) +++ rl

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