TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell: Eine Befreiung mit Herz

Geburtstagskind trumpfte auf in Grünwettersbach

Angenommen, Sie wühlen in Ihrer Hosentasche, suchen nach dem letzten Geld und kramen „die letzten Kröten“ hervor. Und Sie wollten schon immer mal in die Spielbank. Dann kratzen Sie Ihren letzten verbliebenen Mut hervor – und setzen auf den TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell. Sie werden es nicht bereuen. Es lohnt sich – Sie gewinnen. Auch wenn es in der jüngeren Vergangenheit aus diversen Gründen nicht so klappte – stets legen die Spieler ihr Herz auf die Platte und kämpfen beherzt. Wie am frühen Samstagabend. Da drehten sie ihr Match in der Tischtennis-Bundesliga beim ASC Grünwettersbach in Karlsruhe: Nach dem 0:2-Rückstand machten sie noch einen 3:2-Sieg. Damit schoben sie das Thema Klassenerhalt erst einmal tüchtig beiseite. Und das Beste: Hinter dem Erfolg steckte eine besondere kleine Geschichte jedes Einzelnen.

Groth steuert zwei Punkte bei, Filus kämpft wie ein Löwe

Beginnen wir die Reise mit dem Dänen Jonathan Groth. Den hatte sein Trainer Qing Yu Meng dieses Mal an 3 gesetzt – und Maberzells Coach hatte alles richtig gemacht. 0:2 lag das Team aus Fulda zurück, als Groth die Bühne des ASC-Centers betrat. Er hatte es mit dem Engländer Tom Jarvis zu tun, im vergangenen Jahr immerhin im Achtelfinale der Tischtennis-Weltmeisterschaften in Doha vertreten. Groth siegte in Vieren. Bemerkenswert: In jedem der vier Sätze lag er von Beginn an vorn, er bestimmte sein Match und spielte es mit der Führung im Rücken „von oben runter“. Im Ersten hatte der Däne drei Matchbälle. Im Zweiten lag er 9:6 vorn, ehe es 9:9 stand – ehe er beim 10:9 einen Satzball hatte und den zur 2:0-Satzführung nutzte. Im entscheidenden Vierten hatte Groth fünf Matchbälle. Nur den Dritten ließ er dahingleiten: Nach 3:1-Führung überließ er Jarvis acht Punkte in Folge. Das Wichtigste aber: Durch seinen Sieg gegen Jarvis verkürzte er nicht nur auf 1:2 aus Sicht des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell – er ebnete seinem Team auch den Weg zur imposanten Aufholjagd.

Jetzt ist es an der Zeit, sich vor einem Geburtstagskind zu verneigen. Es ist nicht überliefert, ob Ruwen Filus alle Kerzen ausblasen wollte an seinem 38. – aber er schaffte es fast gänzlich, beschenkte sich selbst und vor allem sein Team. Sein erstes Einzel und das zweite des frühen Abends gab er noch ab gegen den Portugiesen Tiago Apolonia, als er in hartumkämpften Vieren unterlag. Doch schon da kämpfte er wie ein Löwe. Vier Satzbälle wehrte er ab im Zweiten, als Spannung in der Halle im Handumdrehen zu Dramatik wurde. Wieder einmal bot Tischtennis höchste Unterhaltungskunst. Der Zweite im Zeitraffer. Filus führt früh, Apolonia dreht das Ding, doch ab dem 6:6 ist alles offen. Der Portugiese setzt sich mit 8:6 leicht ab. Auch beim 9:7 ist das noch so. Und beim 10:7 hat Apolonia drei Satzbälle. Doch jetzt kommt Filus. Und wie. Er verkürzt. Und er gleicht aus zum 10:10. Bei manch einem bleibt das Herz stehen. Nicht bei Filus. Wieder hat der Portugiese Satzball – wieder egalisiert Filus – zum 11:11. Um sich nun selbst einen zu holen. Apolonia gleicht aus. Doch Filus holt sich seinen zweiten Satzball. Und den nutzt er zum 14:12.

Den dritten lässt er glatt liegen – ehe er im Vierten wieder Stehauf-Qualitäten beweist. 4:2, 6:4, 7:5, 8:6 – das sind die Stationen, mit und bei denen Apolonia vorn liegt. Doch Filus beißt wieder. Er gleicht zum 8:8 aus. Geht gar mit 9:8 in Führung. Der Portugiese gleicht aus. Aber Filus schlägt zurück:10:9, Satzball. Nein 11:10 hat er seinen zweiten. Aber diese Episode endet bitter. Apolonia egalisiert – und schnappt sich den Satz mit 13:11. Der Portugiese siegt mit 3:1-Sätzen. Und sein Team führt mit 2:0. Doch Ruwen Filus kommt ein zweites Mal – nachdem Jona Groth den Engländer Jarvis besiegt und auf 1:2 verkürzt hatte.

Und das Geburtstagskind schafft das, womit kaum einer gerechnet hatte: Im vierten Einzel ringt er den Japaner Hiroto Shinozuka nieder. Nachdem Filus den Ersten verloren hatte, reißt er die Initiative in den beiden nächsten Durchgängen an sich, spielt sie mit Mut von oben herunter – und sichert sie sich jeweils mit 11:7. Der Vierte geht klar an den Japaner, doch im Fünften bastelt Filus an einer Geschichte, die noch ein bisschen in Erinnerung bleibt. Shinozuka frühe Führung dreht er, macht fünf Punkte ensuite – und geht seinerseits mit 7:4 in Front. Doch der Japaner gleicht aus. Jetzt aber schlägt Filus zurück – und wie. Er punktet viermal am Stück. Das heißt, er gewinnt Satz vier mit 11:7. Wer hätte das gedacht? Ruwen Filus hat sich selbst beschenkt. Es ist ihm gelungen, alle Kerzen seiner Geburtstags-Torte auszublasen. 3:2 hat er Shinozuka niedergerungen – nach 1:2-Satzrückstand. Es steht 2:2 zwischen Grünwetterbach und Maberzell. Und die zweite Geschichte ist im Sack.

Die dritte schreibt das Doppel, das wieder einmal die Entscheidung bringt. Und es schreibt auch die Geschichte von Fanbo Meng. Er siegt an Jona Groths Seite glatt mit 3:0 – immerhin gegen Routinier Ricardo Walther und Tiago Apolonia. Nur der Zweite ist so richtig eng, als die Grünwettersbacher Formation schnell mit 6:2 führt, später mit 7:6. Doch Fanbo/Groth bleiben nicht nur dran, sie gleichen aus. Zum 8:8. Haben es beim 9:8 gar gedreht. 9:9 – doch die beiden nächsten und entscheidenden Punkte macht das Duo aus Fulda. Im ersten und dritten Durchgang hat die Maberzeller Besetzung je drei Satz- beziehungsweise Matchbälle. Der Sieg ist ein Beweis für den Teamgeist des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell – er ist aber auch Balsam auf Fanbo Mengs Seele. Stets steigert er sich, wenn das Doppel ansteht und es zur Entscheidung kommt. Im Einzel benötigt er noch Zeit zur Reifung – doch im Doppel reißt er seine Teamkollegen mit. Auch Dima Ovtcharov, der in der nächsten Aufgabe in Ochsenhausen am 15. März wieder dabei ist.

Die kleine, aber feine Abordnung des TTC-Fanclubs RhönSprudel Power jubelte mit in Karlsruhe. Und eine Einschätzung klang gar nicht so falsch: Aus Hoffnungslosigkeit wurde Hoffnung – und daraus Begeisterung. Oder anders ausgedrückt: Es hatte sich gelohnt, das letzte Hemd auf den TTC zu setzen. Oder das letzte Geld.

ASC Grünwettersbach – TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell 2:3

Hiroto Shinozuka – Fanbo Meng 3:0 (11:9, 11:4, 11:7)

Tiago Apolonia – Ruwen Filus 3:1 (11:6, 12:14, 11:6, 13:11)

Tom Jarvis – Jonathan Groth 1:3 (8:11, 9:11, 11:4, 5:11)

Hiroto Shinozuka – Ruwen Filus 2:3 (11:7, 7:11, 7:11, 11:5, 7:11)

Ricardo Walther/Tiago Apolonia – Fanbo Meng/Jonathan Groth 0:3 (7:11, 9:11, 7:11) +++ rl


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