SV Steinbach auf einem richtig guten Weg

Flid sport1
Petr Paliatka.

Es sind erst zwei Spieltage vorüber in der taufrischen Saison der Fußball-Verbandsliga, und es passiert noch mehr in deren Verlauf, als es so manchem in den Kram passt. Doch nach dem 2:0-Sieg des aus der Hessenliga abgestiegenen SV Steinbach im Osthessen-Derby gegen den SV Flieden legen sich erste Tendenzen aufs Gemüt mancher Anhänger.

Petr Paliatka lachte. Nein, sagen wir, er grinste. Jedenfalls tat das seine Fußball-Seele. Denn eigentlich hätte man den Ausgang des Duells auf die Aussage reduzieren können, dass seine Einwechselspieler die Partie entschieden hätten. Als Matchwinner glänzte Akif Kovac, der zunächst nach einer Reith-Ecke toll reagierte - und zeigte, dass er über einen eingebauten Torriecher verfügt. Ehe bei Treffer Nummer zwei gleich drei, die ins Spiel kamen, an seiner Entstehung beteiligt waren: Can Ay legte zu David Brähler, der arbeitete sich zäh durch und zapfte seinen Willen an - ehe Kovac trocken abschloss.

Natürlich freute das auch Steinbachs Trainer, doch Paliatka freute sich über mehr als die drei gewonnen Punkte. „Vor allem mit zehn Mann haben wir eine Reaktion gezeigt und noch guten Fußball gespielt.“ So etwas mache man nicht jeden Tag. Dem Coach, dessen tschechisch-spitzbübisches Grinsen gut ankommt im Mühlengrund, gefällt es, dass sein gegenüber der letzten Saison „viele Chancen“ herausspielt - wie schon in der Auftaktpartie in Johannesberg. „Schon in der ersten Halbzeit hätten wir uns belohnen müssen“, sagte Paliatka, dessen Sohn zusah und mit Beginn dieser Saison wenige Kilometer weiter in Hünfeld sein Herz auf dem Platz lässt.

So ganz stimmen wir beim Spiel mit Ball nicht überein. Flieden-Rückkehrer Halimi hätte Mitte der ersten Hälfte und kurz nach der Trinkpause in einer Eins-gegen-eins-Situation das 1:0 machen müssen - das weiß es selbst. Ansonsten bleiben aber einige nicht so toll ausgespielte Situationen im letzten Drittel zurück. Fußball, der dem Auge guttut, sieht anders aus. In jedem Fall aber war das Duell selbst bei der Hitze einen Abschnitt lang sehr intensiv und temporeich. Paliatka hat nicht so oft die Gelegenheit, seine Seele sprechen zu lassen. „Die Jungs machen es gut“ - und da war es wieder, sein Grinsen. „Mittlerweile sind wir auf einem richtig guten Weg“, befand er, „die Jungs lassen den Ball laufen“. Nicht immer, aber mit einer bestimmten Regelmäßigkeit. Und was dem Trainer, dem dieses Mal der erkrankte Jannis Kehl und der angeschlagene Lukas Gemming fehlten, am meisten gefällt, drückte er so aus: „Unter 18 Leute sind nicht da im Training. Selten.“ Das war kaum oder nicht so in der jüngeren Vergangenheit. Jetzt lacht Paliatka. Wenn man doch nur in seine Seele gucken könnte.

Kommen wir zum SV Flieden. Christian Kreß war mit dem Auftritt seines Teams nicht zufrieden - auch wenn es lange danach aussah, als würde es ein 0:0 mitnehmen können aus dem Mühlengrund; fiel doch der Führungstreffer des Kontrahenten erst nach 80 Minuten. Der Coach, der in sein zweites Jahr geht am Fliedener Weiher, erklärte: „Steinbachs Sieg geht absolut in Ordnung. Und das hat einen ganz einfachen Grund: Die gegnerischen Spieler waren bissiger, giftiger und haben alles mit Tempo gemacht. Der absolute Wille hat mir gefehlt bei uns.“ Stimmt schon. Seine Mannschaft verteidigte eigentlich nicht so schlecht, vor allem in einem Auswärtsspiel. Nur das Spiel mit Ball: Das war nicht gut. Abspielfehler im Aufbau. Auch dadurch bedingte Stellungsfehler. Der Gast war ganz selten - oder eigentlich nie - in der Lage, so richtig Druck auszuüben auf seinen Gegner.

Tugenden und Dinge der Bereitschaft, des Kopfes, die der SVF beim klaren 5:0-Einstandssieg gegen Aufsteiger Hofbieber noch gezeigt hatte - sie fehlten, oder besser ausgedrückt: Das Team bekam sie nicht auf den Platz.Vor allem Zielstrebigkeit und Tempo. Oder das Anlaufverhalten. Kein Alibi-mäßiges. Überhaupt mangelte es an Bewegung und Spiel ohne Ball. „Ich habe mir mehr erhofft“, schob Kreß nach, „an Eigeninitiative“. Der Trainer schöpft aus einem Erfahrungsbecken. Man kann sich vorstellen, wie es in ihm aussah während des Spiels. In manchen Situationen zumindest. Es gab nur wenige Situationen, die nach Tor rochen im Vorgehen der Gäste. Etwa, als Steinbachs Keeper Puig früh eine Eingabe von links abwehrte, Zenunis zweiter Ball aber zu schwach geriet, Manß im Abschluss an alter Wirkungsstätte zu lange zögerte und auch kurz nach eine vorübergehende Überzahl-Situationen nicht konsequent ausspielte. Oder als - endlich mal - der eingewechselte Leandro Müller einen Doppelpass initiierte und Merlon Sippel der Abschluss am kurzen Pfosten nicht so gelang - das alles war indessen viel zu wenig, um die mit mehr Erfahrungswerten ausgestatteten Steinbacher ernsthaft zu gefährden.

Ein Aspekt - und der war wohl auch entscheidend - knüpft da an. Der SV Flieden steckt mitten im Verjüngungsprozess. Die beiden Außenverteidiger - Rafael Betz rechts und Marcel Schöppner links - sind jeweils 19. Dem stehen erfahrene Kräfte wie Niko Zeller, Kapitän Sebastian Alles oder jetzt auch Pascal Manß entgegen. „Junge Spieler, gespickt mit Erfahrung“, etikettiert Kreß die Ausrichtung des Vereins aus dem Königreich. Einen Spieler lobte Kreß explizit: den Steinbacher Alex Reith. „Ein absoluter Leader“, urteilte Fliedens Trainer. Reith hatte gute und weniger Szenen, der Kreativkopf ist aber in seiner Reifung und im Spätherbst seiner Karriere entscheidend vorangekommen. Für die Stimmung im Team, positiver An- und Zusprache, im Mitnehmen seiner Mitspieler.

Sei‘s drum: Der SV Flieden freut sich jetzt auf zwei Heimspiele: am Sonntag gegen Wabern - und am Mittwoch nächster Woche im Derby gegen Bad Soden. Der SVS muss doppelt auswärts ran: am Sonntag im Top-Duell bei der SG Bad Soden - und am kommenden Mittwoch im Derby in Eiterfeld.

SV Steinbach: Puig - Reichmann, Hildenbrand, Tom Wiegand (62. Michael Wiegand), Hartung (72. Winges), Fabian Wiegand, Reith, Hennighausen, Koch (65. Brähler), Wittke (86. Ay), Halimi (65. Halimi)

SV Flieden: Wess - Best, Hilgenberg, Zeller, Schöppner, Alles, Chahibi (77. Larbig), Sippel (84. Aydogan), Bohl (46. Friedrich), Manß (67. Müller), Zenuni

Schiedsrichter: Colin Diehl

Gelb-Rot: Simon Hennighausen (Steinbach, 61.) +++ rl


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