Strom-Schock in Berlin – Licht früher zurück

Gute Nachrichten nach dem Strom-Chaos im Südwesten von Berlin: Die Stromversorgung soll früher als geplant wiederhergestellt werden! Wie mehrere Medien am Mittwoch übereinstimmend unter Berufung auf die Berliner Staatskanzlei berichten, können alle betroffenen Stadtteile bereits ab 11 Uhr wieder mit Strom versorgt werden. Grund dafür: Die Reparaturarbeiten an der Kabelbrücke über den Teltowkanal, die Ziel eines Brandanschlags geworden war, liefen schneller als erwartet. Ursprünglich war vorgesehen, die Arbeiten erst am Donnerstagnachmittag abzuschließen.

Zuletzt waren noch rund 19.900 Haushalte sowie etwa 850 Gewerbebetriebe in den Stadtteilen Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde von der massiven Versorgungsunterbrechung betroffen. Für viele Berliner bedeutete das stundenlange Dunkelheit, kalte Wohnungen und große Unsicherheit.

Doch während das Licht wieder angeht, schlagen Politik und Sicherheitsbehörden Alarm! Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestages (PKGr), Marc Henrichmann (CDU), bezeichnet den Anschlag auf das Berliner Stromnetz als deutlichen „Weckruf“. In der „Rheinischen Post“ fordert er mehr Kompetenzen und Ressourcen für Sicherheitsbehörden und Verfassungsschutz, um solche Angriffe künftig frühzeitig aufklären und verhindern zu können. Solche Taten dürften nicht folgenlos bleiben. Politik, Behörden und Betreiber kritischer Infrastruktur müssten jetzt handeln, so Henrichmann. Gefordert seien redundante Systeme, schnelle Entscheidungen und eine eng vernetzte Sicherheitsarchitektur. Auch das Parlamentarische Kontrollgremium müsse alle Formen von Sabotage im Blick behalten, um die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Aus Unionskreisen heißt es, dass sich neben dem Innenausschuss in der kommenden Woche voraussichtlich auch das geheim tagende PKGr mit dem Anschlag beschäftigen wird.

Auch die Grünen erhöhen den Druck. Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz fordert nach dem Brandanschlag umfangreiche Ermittlungen. Er erwartet, dass mögliche Verbindungen zwischen der linksextremistischen Vulkangruppe und anderen Akteuren geprüft werden. Dabei müssten auch frühere Taten erneut untersucht, Netzwerke ausgeleuchtet und mögliche Verbindungen im In- und Ausland betrachtet werden. Von Notz hält es zudem für denkbar, dass sich auch ein ausländischer Nachrichtendienst extremistischer Gruppen bedient haben könnte. Genau das müsse nun intensiv vom Generalbundesanwalt und allen Sicherheitsbehörden untersucht werden. Besonders irritierend sei, dass unter dem Logo der Vulkangruppe massive Sabotage- und terroristische Taten verübt worden seien, bislang jedoch ohne greifbaren Ermittlungserfolg.

Am Mittwochmorgen tauchte ein zweites Bekennerschreiben der mutmaßlichen Täter auf, in dem eine Beteiligung ausländischer Akteure zurückgewiesen wurde. Kurz nach 11 Uhr lief die Stromversorgung im Südwesten Berlins schließlich wieder an.

Doch Entwarnung? Noch nicht! Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) stellte klar: Trotz wiederhergestellter Stromversorgung bleibt die Hauptstadt weiterhin in einer „Großschadenslage“. Diese sei erst beendet, wenn sie dies offiziell bekannt gebe. Spranger bezeichnete das Vorgehen der Täter als „menschenverachtend“. Sie hätten bewusst in Kauf genommen, dass insbesondere ältere Menschen in Lebensgefahr geraten. Die Ermittlungen liegen inzwischen bei der Bundesanwaltschaft, zudem stehe sie in engem Kontakt mit dem Verfassungsschutz.

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) fand deutliche Worte. Es habe sich keineswegs um einen „kleinen Brandanschlag“ gehandelt, sondern um einen „terroristischen Anschlag einer linksextremen Organisation“.

Berlin hat wieder Strom – doch der Schock sitzt tief. Die politische Aufarbeitung und die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. +++


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