Weniger Stromverbrauch, niedrigere Kosten und weniger Lichtverschmutzung: Zehn Bürgermeister aus der Region haben gemeinsam mit der RhönEnergie Fulda Grundsätze für die Modernisierung der Straßenbeleuchtung erarbeitet. Die Rathauschefs vertraten dabei insgesamt 34 Kommunen, in denen das Unternehmen die Beleuchtung betreibt. Den Auftakt bei der Umsetzung macht die Gemeinde Großenlüder. Dort billigte die Gemeindevertretung am Donnerstagabend mit großer Mehrheit die entsprechenden Verträge.
„Mit diesem Schritt setzt die Gemeinde Großenlüder ihren 2023 eingeschlagenen Kurs konsequent fort“, sagte Bürgermeister Florian Fritzsch. Bereits im November 2023 hatte die Gemeindevertretung einen Grundsatzbeschluss zur Modernisierung der kommunalen Straßenbeleuchtung gefasst. Ziel ist es, Verkehrssicherheit, Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen zu verbessern.
In vielen Kommunen der Region ist die Straßenbeleuchtung noch mehrere Jahrzehnte alt. Auch in Großenlüder ist eine Dimmung oder individuelle Steuerung einzelner Leuchten bislang nicht möglich. Künftig sollen neue Schaltschränke eine variable und bedarfsgerechte Steuerung ermöglichen. Wenn alle 34 Kommunen ihre Beleuchtung modernisieren, werden insgesamt 1.360 Schaltschränke errichtet. Die RhönEnergie Fulda übernimmt 50 Prozent der Kosten, die übrigen tragen die Kommunen anteilig. In Großenlüder werden 39 Schaltschränke benötigt.
Die neuen Anlagen enthalten zudem Stromzähler. Damit wird eine gesetzliche Vorgabe erfüllt, nach der der Stromverbrauch künftig gemessen und nicht mehr berechnet werden muss. Bislang wurde dieser aus Brenndauer und Leistung ermittelt, was bei modernen Betriebsformen wie gedimmter Beleuchtung nicht mehr ausreicht.
In Großenlüder sollen alle 1170 Straßenlaternen auf LED-Technik umgerüstet werden. Derzeit werden noch rund 93 Prozent der Leuchten konventionell betrieben. Die Umstellung führt zu Einsparungen bei Energie und Kosten. Nach Angaben von Ralf-Stefan Stöppler, Geschäftsführer der RhönEnergie Effizienz + Service GmbH, lassen sich mit modernen LED-Leuchten 50 bis 70 Prozent Strom einsparen. Allein die Betriebskosten in Großenlüder sollen um etwa 20.000 Euro pro Jahr sinken. Zusätzliche Einsparungen sind durch individuelle Dimmprofile in verkehrsarmen Zeiten möglich.
Der neue Vertrag eröffnet den Kommunen außerdem die Möglichkeit, ihre Straßenbeleuchtung schrittweise zu einer intelligenten Steuerung („smart street lighting“) auszubauen. Dazu zählen variable Schaltzeiten, individuelle Dimmprofile für einzelne Leuchten, Straßen oder Ortsteile sowie der Einsatz von Umgebungssensoren. Perspektivisch sind auch Bewegungsmelder für ein sogenanntes „laufendes Licht“ vorgesehen. Eine Verpflichtung zur Umrüstung besteht jedoch nicht. „Jede Gemeinde entscheidet selbst, ob und in welchem Maße sie smarte Beleuchtung einsetzt“, sagte Stöppler.
Bis spätestens 2032 müssen die Schaltschränke in den Kommunen aufgrund gesetzlicher Vorgaben erneuert werden. Großenlüder hat bereits die vollständige Umrüstung beschlossen und als erste Kommune den neuen Vertrag mit der RhönEnergie Fulda abgeschlossen. Der Ausbau der Schaltschränke soll noch in diesem Jahr beginnen. Neben den neuen Steueranlagen setzt die Gemeinde auch vollständig auf LED-Leuchten und die Möglichkeiten der intelligenten Steuerung.
Bei der Modernisierung spielen ökologische Aspekte eine wichtige Rolle. LED-Leuchten tragen zur Reduzierung des CO₂-Ausstoßes bei. Zudem werden die Anforderungen des Sternenparks Rhön berücksichtigt. Die Leuchten werden so ausgerichtet, dass sie ihr Licht nach unten abstrahlen und damit die Lichtverschmutzung verringern. Leuchtmittel mit reduziertem Blaulichtanteil sollen außerdem Insekten schützen und den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus von Mensch und Tier weniger beeinträchtigen.
Der neue Dienstleistungsvertrag wurde über mehrere Monate von einer Arbeitsgruppe aus Bürgermeistern und Vertretern der RhönEnergie Fulda erarbeitet. Fritzsch zog eine positive Bilanz: „Das Ergebnis ist ein Vertragswerk, das die Interessen der Kommunen in den Mittelpunkt stellt und zugleich eine verlässliche Grundlage für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit über die nächsten zwei Jahrzehnte bildet.“
Die RhönEnergie Fulda betreibt nach eigenen Angaben in 34 Kommunen in den Landkreisen Fulda, Hersfeld-Rotenburg, Main-Kinzig, Vogelsberg, Bad Kissingen und Main-Spessart mehr als 32.500 Straßenlaternen. Im Zuge der Modernisierung sollen in den kommenden Jahren bis zu 1.360 neue Schaltschränke errichtet werden. Das Unternehmen übernimmt dabei Errichtung, Betrieb und Steuerung einschließlich der Stromlieferung. Die Kommunen behalten die Entscheidungshoheit über Art, Ort und Zeitpunkt der Maßnahmen. Zudem verfügt der Versorger über eine eigene Lichtabteilung mit rund 20 Mitarbeitern. +++

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