Stimmen zur Absage des Hessentages 2021 in Fulda

Verschiebung des Landesfestes auf 2026 in der momentanen pandemischen Lage das einzig Richtige

„Wir bedauern sehr, den Hessentag 2021 absagen zu müssen“, so Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld im Gespräch mit fuldainfo. Verärgert zeigte sich Wingenfeld über die Art und Weise, wie über die mutmaßliche Entscheidung, das Landesfest vor dem Hintergrund der pandemischen Lage abzusagen, von den meisten Medien in die Öffentlichkeit getragen wurde. Es wurden schon Entscheidungen als feststehend angenommen, obwohl die Entscheidung der Gremien noch ausstand. Damit, so Ob Wingenfeld, sei suggeriert worden, dass es im Grunde egal ist, wie sich ein Mandatsträger positioniert, da ja im Grunde ehe schon alles feststehe. Hierdurch sei ein unschöner Eindruck entstanden. Er wünscht sich, dass man mehr Respekt gegenüber den kommunalen Mandatsträgern hat. Dieser hätte darin bestanden, sich zumindest einige Stunden mit einem solchen Wissen mit der medialen Berichterstattung zurückzuhalten.

Weiter sagte Oberbürgermeister Wingenfeld, dass man in den kommenden Wochen alle Kräfte bündeln müsse, um die Impfaktion erfolgreich werden zu lassen. Das stehe jetzt absolut im Vordergrund. Bislang sei der Impfstart leider sehr schleppend verlaufen. Die Erwartungen, die an einen schnellen Start gesetzt wurden, konnten nicht erfüllt werden, so Wingenfeld. „Wir müssen davon ausgehend, dass diese Aktion noch bis in den Herbst hineingeht.“ Er hoffe, dass man dann ein “Dankesfest” organisieren könne, um einerseits den Respekt vor den Opfern zum Ausdruck zu bringen, aber auch den Menschen, die sich in der Corona-Krise engagiert haben, zu danken. Sorgenvoll sei auch der Blick auf den heimischen Handel und die Gastronomie. „Wir werden sobald es uns möglich ist die Stadt kulturell beleben. Wenn wir es schaffen, Anlässe zu schaffen, um in die Stadt zu gehen, kann dies helfen“, meinte der Oberbürgermeister.

Grüne Fulda: Absage des Hessentags sehen wir als unabdingbar

Die Stadtfraktion Bündnis 90/Die Grünen Fulda erachtet die Absage des Hessentags im Mai 2021 als unabdingbar. Die Vorsitzende der Stadtverordnetenfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied des Hessentags-Beirates, Silvia Brünnel MdL, sieht die Absage zum jetzigen Zeitpunkt als einzige Möglichkeit. Die bei der Planung und Realisierung des Hessentags gesammelten Erfahrungen stehen der Stadt sowohl für die Landesgartenschau als auch für den Hessentag 2026 zur Verfügung. Die Investitionen, die bereits sinnvoll eingesetzt wurden, bleiben erhalten, und die nun zwischen dem Land und der Stadt getroffenen Vereinbarungen ermöglichen einen kompletten „Neustart im Jahr 2026“. War im Sommer des letzten Jahres die Durchführung des Hessentags durchaus noch vorstellbar, wurde in den letzten Wochen und Monaten deutlich, dass die Situation erneut überdacht werden muss. Den Hessentag zum ursprünglich geplanten Termin im Mai 2021 stattfinden zu lassen oder eine Verschiebung, um nur ein paar Monate in den Herbst zu forcieren, würden der jetzigen pandemischen Situation in keinem Fall gerecht werden.
Die Aufrechterhaltung der Gesundheitsversorgung und die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger haben oberste Priorität. Viele Menschen haben derzeit große Sorgen – sei es die Herausforderung, Homeschooling und Homeoffice zu vereinbaren, die Angst um den Arbeitsplatz oder die Sorge um die Gesundheit der Großeltern oder Eltern. Die Pandemie hat vieles verändert und uns im vergangenen Jahr viel abverlangt. Derzeit steht der Schutz Infektions-anfälliger Personengruppen an erster Stelle. Wir müssen in den nächsten Wochen und Monaten gemeinsam Verantwortung übernehmen und einzig und allein Gesundheit und Leben schützen, heißt es von Seiten der Fraktionsvorsitzenden abschließend.

OB-Kandidat Wulff fordert Planung eines Festes

„Die schwer gebeutelten Einzelhändler, Gastronomen und Kulturschaffenden brauchen in 2021 eine größere Veranstaltung“, erklärt der Fuldaer SPD-Fraktionsvorsitzende und OB-Kandidat, Jonathan Wulff. Die Absage des Hessentages sei dennoch richtig, findet der 45-Jährige. Wulff hatte bereits am 9. Dezember erklärt, dass der Hessentag nicht im Mai stattfinden könne und eine Verschiebung gefordert. „Nachdem sich Landrat Woide in einem Heiligabend veröffentlichten Interview meiner Position angeschlossen hatte, konnte die Stadt nicht an den bisherigen Planungen festhalten und musste mit dem Land verhandeln“, stellt Jonathan Wulff in seiner aktuellen Mitteilung bezugnehmend den Plänen des Landes Hessen und der Stadt Fulda heraus. Das Ergebnis ließe sich sehen, findet er: Mit der Zusage erneuter Fördermittel in Höhe von insgesamt mindestens 8,5 Millionen Euro in 2026 habe das Land ein Angebot unterbreitet, das man nicht ablehnen könne. Jetzt gelte es, die Planungen für ein Fest voranzutreiben. Auch der Magistrat habe „offenbar die Notwendigkeit eines Festes erkannt“, erklärt er weiter. „In einigen Wochen werden wir absehen können, wann Großveranstaltungen wieder möglich sind. Wir sollten mit einer möglichst flexiblen Planung versuchen, noch in diesem Jahr einen Impuls zu setzen für unsere Händler, Gastronomen und Kulturschaffenden. Denn die brauchen schon in diesem Jahr eine Perspektive und nicht erst in 2026!“, so Wulff abschließend.

Lenders MdL (FDP): Die Pandemie hat den Verantwortlichen gar keine andere Wahl gelassen

„Statt ‚Foll Hessisch‘ heißt es nun ‚Foll schade‘, aber auch ‚Foll vernünftig!“, kommentiert Jürgen Lenders, hiesiger Abgeordneter des Hessischen Landtages und Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion der Freien Demokraten im Hessischen Landtag, in Anspielung an das in Fuldaer Mundart formulierte Hessentags-Motto die gestern beschlossene Absage des Landesfests. „Die Corona-Pandemie hat den Veranstaltern keine andere Wahl gelassen, als nach dem Hessentag 2020 auch den Hessentag 2021 abzusagen“, erklärt Lenders. „Besonders schade ist das, weil Fulda ein sehr überzeugendes Konzept für einen abgespeckten Hessentag ausgearbeitet hatte. Daran sollte man sich orientieren, die Zwangspause nutzen und für die Zukunft Hessentage planen, die wieder mehr mit Hessen zu tun haben. Ein Hessentag sollte ein Fest sein, das das Landestypische hervorhebt – und kein Mega-Event“, fordert Lenders.

IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Konow: Absage des Hessentages nur konsequent

„Natürlich haben wir wie alle Fuldaer bis zuletzt auf eine Durchführung des Hessentages gehofft. In normalen Zeiten wäre der Hessentag wie auch der Weihnachtsmarkt ein Frequenzbringer für die Branchen gewesen, die in den letzten Monaten besonders stark gelitten haben. In Anbetracht des extrem hohen Infektionsgeschehens nach den Feiertagen und der äußerst volatilen Lage ist die Absage des Hessentages nur konsequent. Die „Legacy“, das Vermächtnis, des Hessentages sind 6,5 Millionen Fördermittel-finanzierte Investitionen in wichtige Stadtentwicklungsprojekte, von denen Bürgerinnen und Bürger, aber auch die regionale Wirtschaft, trotz dessen Absage nachhaltig profitieren werden. Und das mit der Aussicht auf weitere Fördermittel für einen möglichen Hessentag im Jahr 2026. Insofern haben das Land Hessen und die Stadt Fulda das Beste aus der aktuell schwierigen Situation gemacht. Noch wichtiger ist aber, dass nun wirkliche Perspektiven für die heruntergefahrenen Branchen der regionalen Wirtschaft geschaffen werden, da uns die Corona-Pandemie wohl noch längere Zeit begleiten wird.“

Fraktion “Links für soziale Gerechtigkeit” in der Stadtverordnetenversammlung: Wir haben Grund die Absage zu begrüßen

Unsere Fraktionsmitglieder haben die Bewerbung zum Hessentag 2021 in Fulda, die bereits im Jahr 2017 erfolgte, nicht unterstützt. Ein wesentlicher Grund für unsere Ablehnung der Bewerbung im Jahr 2017 war die bereits in den Bewerbungsunterlagen eingeplante militärische Ausstellungsfläche. Gerne hätten wir einer Bewerbung zugestimmt, die die friedliche Vielfalt in unserer Stadt aufzeigt, den Vereinen und Verbänden in Fulda Gelegenheit zur hessenweiten Darstellung ihrer Aktivitäten bietet und die touristischen und kulturellen Angebote betont.

Die Planung zur Durchführung des Hessentages unter Pandemiebedingungen schränkte diese “zivilen” Möglichkeiten des Hessentages noch weiter ein und die Waffenschau und Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr hätte den Hessentag noch mehr geprägt. Wir haben also noch einen Grund mehr, als andere Fraktionen, die nun angestrebte Absage zu begrüßen, die formal nun der Stadtverordnetenversammlung zur Beschlussfassung vorliegt, denn der Hessentagsbeirat ist kein Beschlussgremium, wie der Herr Oberbürgermeister gestern noch einmal betonte und wie wir auch immer kritisiert haben. Wir haben noch einen Vorschlag zu den finanziellen Aspekten der Absage des Hessentages in Fulda. Es wurde viel investiert, Verträge wurden geschlossen und Geld verausgabt. Es ist positiv, dass das Land Hessen seinen Verpflichtungen gerecht wird, hier Kosten trägt und auch wieder Mittel für 2026 in Aussicht stellt. Doch es wird auch Geld gespart, dass bei der Durchführung verausgabt worden wäre. Konkret spart sich die Bundeswehr die Logistik für ihre Waffenschauen, das gut bestückte Konzertprogramm, Kosten für die Mobilisierung der Reservisten, die zur Durchführung eingesetzt werden usw. Diese eingesparten aber doch eingeplanten Mittel könnten der Stadt Fulda zur Bewältigung der Pandemie zur Verfügung gestellt werden, konkret zum Beispiel zur Anschaffung von Luftreinigungsgeräten in Klassenräumen, damit die Sicherheit für Leib und Leben der Schülerinnen und Schüler in den nächsten Monaten bereitgestellt werden kann.

Es ist dramatisch, wie die Pandemie und die Maßnahmen zu ihrer Beherrschung gegenwärtig unsere Gesellschaft prägen und auch dauerhaft verändern werden. Da geht es für viele kleine Geschäftsleute, die die Innenstädte prägen schlicht um ihre wirtschaftliche Existenz. Und es wird eine große Herausforderung für die Politik, insbesondere Kommunalpolitik sein, dies aufzufangen und neue Perspektiven für die Innenstädte zu entwickeln. Eine neuerliche Bewerbung um den Hessentag 2026 kann dabei helfen. Schon in der Bewerbung dafür mit einer neuen Konzeption, die in diesem Frühjahr erfolgen soll, müssen wir diesen Herausforderungen gerecht werden. Erneute Bereitstellung von Flächen für Waffenschauen und Nachwuchsförderung der Bundeswehr lehnen wir ab. +++

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1 Kommentar

  1. Der Hessentag ist völlig überdimensioniert und passt insgesamt nicht mehr in die Zeit. Angeblich soll nach dem WK II die Idee gewesen sein, die neu in Hessen angekommenen Flüchtlinge zu integrieren. Nach Aussagen derselben hat das damals schon nicht funktioniert.

    Andere Landesfeste kommen mit viel weniger Geld zurecht (RLP) und dauern vielleicht mal zwei-drei Tage. Daran sollte man sich orientieren, solange es noch Schulen gibt, wo einem der Deckenputz auf den Kopf rieselt etc.

    8,5 Mio. EUR für so eine dämliche Party zu verschwenden, während bis dahin zig Hoteliers und Gastronomen Pleite gehen werden, das ist doch fast schon zynisch. Dann feirert mal schön – aber ohne mich!

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