SPD verlangt "validen Zeitplan" für Corona-App-Entwicklung

Nach der Entscheidung der Bundesregierung, die geplante Corona-Warn-App nun federführend von der Deutschen Telekom und dem Softwarekonzern SAP entwickeln zu lassen, fordert die SPD mehr Informationen. Die Digitalstaatsministerin Dorothee Bär (CSU) müsse in der Sondersitzung des Ausschusses Digitale Agenda am morgigen Mittwoch "dringend Aufklärung" betreiben, sagte der digitalpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jens Zimmermann, dem "Handelsblatt".

Das Gesundheitsministerium und das Kanzleramt hätten "ein veritables App-Durcheinander" angerichtet. "Ich erwarte klare Aussagen zur Aufstellung des Gesamtprojektes und einen validen Zeitplan", so der SPD-Politiker weiter. Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken warnte vor weiteren Verzögerungen bei der App-Entwicklung. "Jetzt kommt es darauf an, die App nicht nur schnell, sondern in ebenso großer Transparenz und Offenheit und vor allem unter Beteiligung von potenziellen Nutzern zu entwickeln und dabei auch soziologische und psychosoziale Belange mit einzubeziehen", sagte Esken dem "Handelsblatt". Bei der Frage des Erfolgs einer solchen App komme es "ganz entscheidend auf das Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer an, aber eben auch darauf, dass sie im Falle einer Push-Nachricht über den möglichen Kontakt mit einer infizierten Person nicht mit der Situation alleine gelassen werden", so die SPD-Chefin weiter.

Grüne und FDP kritisieren Bundesregierung

Die Entscheidung der Bundesregierung, die geplante Corona-Warn-App nun federführend von der Deutschen Telekom und dem Softwarekonzern SAP entwickeln zu lassen, stößt auf Kritik. Der Grünen-Wirtschaftspolitiker Dieter Janecek warf der Bundesregierung "mangelnde Koordination und Kommunikation" vor: "Die Frage der Softwarearchitektur ist immer noch nicht geklärt, und nun kommen mit Telekom und SAP noch neue Partner für die Entwicklung ins Spiel", sagte Janecek dem "Handelsblatt". Er forderte von der Bundesregierung, jetzt eine "Technologie-Task-Force" einzusetzen und endlich das Tempo bei der App-Entwicklung zu erhöhen. "Unsere Gesundheitsämter brauchen die App und zwar schnell", so der Grünen-Politiker weiter. Der Vorsitzende des Digitalausschusses im Bundestag, Manuel Höferlin (FDP), kritisierte, dass die Bundesregierung "wieder einmal unsere innovative und agile Start-up-Szene außen vor lässt und nur auf die großen Unternehmen setzt". Diese müssten bei der Entwicklung "unter Umständen von vorne anfangen, während einige Start-ups bereits seit Wochen mit Hochdruck an einer fertigen Lösung arbeiten", sagte Höferlin dem "Handelsblatt". Die Bundesregierung solle jetzt nicht in das "typisch deutsche Muster" verfallen, das Rad neu erfinden zu wollen. "Sonst kommt der Impfstoff tatsächlich noch vor der App", so der FDP-Bundestagsabgeordnete weiter. Es gehe jetzt "vor allem darum, dass wir die verlorene Zeit aufholen und schnell zu einer praktikablen Lösung kommen, die alle Voraussetzungen erfüllt", sagte Höferlin. +++


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1 Kommentar

  1. Ein Musterbeispiel für digitalen Dilettantismus in unserer Regierung!
    Die Regierung hat sich nach mehreren langen Irrwegen bei der Entwicklung einer Corona-Tracing-App nun für einen dezentralen Ansatz entschieden. Dabei soll angeblich auch eine Rolle gespielt haben, dass Google und Apple angekündigt haben, gemeinsam eine Schnittstelle in ihren Smartphone-Betriebssystemen Android und IOS für eine solche App zur Verfügung zu stellen.
    In diesem künftigen Apple/Google-API haben Apple und Google Zugriff auf die Daten in ihrem jeweiligen „Tracing-Eco-System“ auf „ihren“ Smartphones. Oder mit anderen Worten: Alle - dezentralen - Daten auf einem IOS-bzw. ANDROID-Smartphone sind - ob man nun einer Cloud-Speicherung zustimmt oder nicht - „automatisch“ auch auf den zentralen Apple- bzw. ANDROID-Servern und können dort beliebig mit anderen Daten verknüpft werden. Davon muss man ausgehen!
    Also werden Apple und Google diese so gewonnenen Daten im Sinne ihrer Geschäftsmodelle auch genau so nutzen wie alle anderen von den Smartphones „abgesaugten“ Daten! Irgendwelche eventuelle beschränkende Selbstverpflichtungen dieser „Datenkapitalisten“ kann man aus Erfahrung getrost in die Tonne treten.
    Was tun? Die Corona-Tracing-App an den künftigen APIs von Apple und Google „vorbei“ entwickeln bzw. „Datenkapitalisten“ wie Apple und Google endlich an die Kandare nehmen. Vgl. hierzu auch
    https://www.freitag.de/autoren/sigismundruestig/die-eroberung-der-digitalen-welt

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