Die SPD-Kreistagsfraktion Fulda hat in der Woche vor Weihnachten die Integrierte Gesamtschule (IGS) Schlitzerland besucht. Eine Integrierte Gesamtschule ist eine Schule, die verschiedene Schulformen und Bildungsabschlüsse unter einem Dach vereint, um unterschiedliche Bildungswege ohne frühen Wechsel zu ermöglichen. Hintergrund des Besuchs bildet die gegenwärtige Situation: Der Landkreis Fulda gehört als einer von nur zwei hessischen Landkreisen zu jenen, die bislang keine Integrierte Gesamtschule aufweisen. Stattdessen existieren im Landkreis lediglich wenige kooperative Gesamtschulen. Diese Art von Schule kombiniert zwar auch meist Haupt-, Realschule und Gymnasium, jedoch in getrennten Zweigen, wie zum Beispiel in Eiterfeld. Die SPD-Fraktion hatte schon mehrfach im Kreistag die Einrichtung wenigstens einer integrierten Gesamtschule gefordert. Dieses Anliegen stieß jedoch bislang bei der Kreistagsmehrheit aus CDU und FDP auf Ablehnung. Im Bereich der Bildungsforschung gilt es heute als unstrittig, dass die Aufteilung der Schülerinnen und Schüler in verschiedene Schulzweige bereits nach der 4. Klasse viel zu früh erfolgt. Forscher argumentieren, dass ein solches System den Bildungserfolg erheblich beeinflussen kann, indem es die Bildungschancen von Kindern einschränkt.
Mario Wagner, der bildungspolitische Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion organisierte den Termin. Während dieses Termins kamen die Mitglieder der Fraktion mit dem Schulleiter Andreas Pitzer und Alexander Dörr, Mitglied der Schulleitung, ins Gespräch. Diese Begegnung diente dem Austausch über die Herausforderungen und Vorteile des Schulsystems. Die IGS Schlitzerland verfolgt ein besonderes Konzept, das sowohl im Unterricht als auch darüber hinaus vielfältige Angebote bereithält. Neben den klassischen Unterrichtsinhalten zeichnet sich die Schule durch zahlreiche individuelle Fördermöglichkeiten aus. Ein breites Spektrum an Aktivitäten, wie der Einsatz von Schulhunden und Schulhühnern, sorgt zudem für eine besondere Lernatmosphäre. Diese Tiergestützte Pädagogik soll das soziale Lernen und die Verantwortung fördern und das Wohlbefinden der Schüler steigern. Die Schule ist auf vier Klassen pro Jahrgang ausgelegt und erfreut sich einer großen Nachfrage. Aufgrund dieser steigenden Nachfrage übersteigt die Zahl der Anmeldungen die Kapazität der Schule, sodass nicht alle Kinder aufgenommen werden können. Auch aus dem Landkreis Fulda haben in den letzten Jahren zahlreiche Schülerinnen und Schüler den Weg an die IGS Schlitzerland gefunden. Aufgrund der hohen Anmeldezahlen und der schulämterlichen Vorgaben zur Schülerlenkung war eine Aufnahme zur 5. Klasse aktuell jedoch nicht möglich. Diese Vorgaben dienen der Steuerung und Verteilung der Schülerzahlen zur gleichmäßigen Auslastung der Schulen in der Region.
An der IGS Schlitzerland können sowohl der Hauptschulabschluss als auch der einfache und der qualifizierte Realschulabschluss erlangt werden. Der qualifizierte Realschulabschluss stellt höhere Anforderungen an die Schüler als der einfache Realschulabschluss. Zudem existiert nach der Klasse 10 die Möglichkeit, in die gymnasiale Oberstufe oder an andere weiterführende Schulen zu wechseln. Ein beträchtlicher Teil der Schüler nutzt diese Möglichkeit: Etwa ein Viertel macht an der IGS Schlitzerland den Hauptschulabschluss. Die Hälfte der Schüler erreicht einen Realschulabschluss, während ein weiteres Viertel nach der 10. Klasse auf die gymnasiale Oberstufe wechselt. Diese Aufteilung zeigt die breite Streuung der Bildungsabschlüsse und die Flexibilität des Schulsystems an der IGS Schlitzerland. Die Mitglieder der SPD-Kreistagsfraktion zeigten sich beeindruckt vom Konzept und der Umsetzung an der IGS Schlitzerland. Schulleiter Andreas Pitzer hob hervor, dass die Schaffung einer integrierten Gesamtschule Zeit benötigt und wesentlich mehr erfordert als lediglich "ein Schild auszutauschen". Ein solch umfassendes Projekt erfordert sorgfältige Planung, ausreichend Ressourcen und die Unterstützung der gesamten Schulgemeinschaft. Pitzer und Dörr betonten, dass eine integrierte Gesamtschule nur an Orten funktionieren könne, wo diese das einzige Angebot einer weiterführenden Schule nach der Grundschule bildet. Das das Konzept der IGS sieht ausdrücklich vor, dass man alle Arten von Schülerinnen und Schülern benötige, um ein vielfältiges und integratives Lernumfeld zu schaffen.
Zum Abschluss des Gesprächs äußerte der Fraktionsvorsitzende Michael Busold seine Entschlossenheit: „Wir werden an diesem Thema dranbleiben. Wir sind weiter dafür, dass es ein solches Angebot auch im Landkreis Fulda geben muss.“. Die SPD sieht die Einrichtung einer integrierten Gesamtschule als entscheidenden Schritt zur Verbesserung der Bildungslandschaft im Landkreis Fulda. Der Wunsch besteht darin, Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrem Hintergrund die bestmöglichen Bildungschancen zu bieten. +++

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