In Fulda wird zu Beginn des Jahres 2024 ein „Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ)“ eröffnet, das im Einzugsgebiet Osthessen die spezialisierte, interdisziplinäre und ambulante Betreuung von Kindern im Alter von 0 bis 18 Jahren mit Beeinträchtigungen der körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung sicherstellen wird. In der einzigartigen Vernetzung ambulanter und stationärer Strukturen wird die spezialisierte Schwerpunktpraxis für Neuropädiatrie/Epileptologie von Dr. Cornelia Langner und ihrem Ehemann, Professor Dr. Jens-Oliver Steiß in einer neuen sektorenübergreifenden Struktur, dem „Zentrum für interdisziplinäre Neuro- und Jugendpsychiatrie (KJP) des Herz-Jesu-Krankenhauses (HJK) in Fulda ihre besondere Fachkompetenz in das neue Sozialpädiatrische Zentrum ein.
Im kooperativen Modell bietet das Sozialpädiatrische Zentrum ergänzende Versorgungsstrukturen und – konzepte für die spezialisierte, interdisziplinäre ambulante Untersuchung und Behandlung von Kindern bis zum vollendeten 18. Lebensjahr mit vermuteten oder bestätigten Beeinträchtigungen der körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung. Die medizinische Versorgung erfolgt unter Einbezug des familiären und außerfamiliären Umfeldes der Patienten. Die Leitung des SPZ wird der Neuropädiater (Facharzt für Kinderneurologie) Dr. Matthias Bollinger in Zusammenarbeit mit Dr. Cornelia Langner übernehmen, die neben ihrer Praxistätigkeit dann auch im SPZ mitarbeiten wird. Das weitere Team setzt sich aus Kinder- und Jugendpsychologen, Physio- und Ergotherapeuten, Sozialpädagogen sowie geschultem medizinischen Personal und weiteren fachärztlichen Disziplinen zusammen. Ziel ist es, die Entwicklung der Kinder durch individuelle Therapiepläne nachhaltig zu fördern und zu stärken und ihnen eine bestmögliche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.
Ergänzende Versorgungsstrukturen und -konzepte für die ambulante Versorgung für Kinder mit Beeinträchtigungen
„Das SPZ hat eine lange Geburtsgeschichte“, hoben der Vorstandsvorsitzende Krankenversorgung der Klinikum Fulda gAG, Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Menzel, und die Geschäftsführerin der MVZ Osthessen GmbH, Simone Del Duca, im Rahmen des gestrigen Pressegespräches als Auftakt der Informationskampagne zum SPZ im INO-Zentrum des Klinikums Fulda unisono hervor. Zuvor galt es, einen ganzen Anforderungskatalog von der Vorhaltung eines gewissen personellen Bestands (falls es zu Ausfällen kommt, in doppelter Form) bis zur Erfüllung von räumlichen Vorgaben sicherzustellen. Als kein leichtes Unterfangen gestaltete es sich zudem, die Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung zu überzeugen. Seit dem 26. Juni dieses Jahres steht fest: Die medizinische Versorgung in der Region Osthessen wird im kommenden Jahr um ein Sozialpädiatrisches Zentrum ergänzt. Bislang gibt es in Hessen 7 solcher Zentren. Die angrenzenden Sozialpädiatrischen Zentren sind in Würzburg (Bayern) und Suhl (Thüringen) verortet. Das SPZ finanziert sich über die Krankenkassen. Fördergelder gibt es keine.
„Finanziert wird das SPZ über Quartalspauschalen. Die Investitionskosten werden nicht gesondert gefördert. Hier geht die Klinikum Fulda gAG, was die Räumlichkeiten anbetrifft, in Vorleistung. Wir haben das mal durchgerechnet und hoffen, dass wir, wenn sich die Nachfrage entsprechend unseren Erwartungen gestaltet, was die Betriebskosten anbetrifft, auf ein ausgeglichenes Ergebnis kommen werden“, so Vorstandssprecher Krankenversorgung Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Menzel, der unterstrich, dass das SPZ keine Institution ist, in der auf Gewinnmaximierung gesetzt werde, sondern vielmehr eine Anlaufstelle, „wo wir uns als Klinikum Fulda in der Rolle der Verantwortung sehen, dieses Angebot hier vor Ort zu ermöglichen.“
Dr. Bollinger: Die Institution stellt keine Konkurrenz zur bestehenden Grundversorgung dar
„Wir schaffen mit dem SPZ keine Konkurrenz zu einer bestehenden Grundversorgung, sondern versteht sich als ein weiterer Mosaik in dem ganzen Spektrum der vorherrschenden gesundheitlichen Versorgung“, unterstrich Dr. Matthias Bollinger, Facharzt für Kinderheilkunde, der die Vorteile des zukünftigen Zentrums hervorhob. „Ein großer Vorteil besteht in der Struktur. So sind es vor allem die kurzen Wege und die Bündelung eines Teams bestehend aus Fachexperten, die für die Eltern eine hochqualifizierte Anlaufstelle in unterschiedlichsten medizinischen und sozialen Fragestellungen sein werden. Der andere Vorteil ist der Faktor Zeit. So kann es zu Anfangszeiten schon mal vorkommen, dass sich für die Patientinnen und Patienten eine Dreiviertelstunde bis 1 Stunde Zeit (1 Termin in der Woche) genommen werden kann. Eine große Errungenschaft ist die Verknüpfung von unterschiedlichen medizinischen Fachgebieten und sozialen Einrichtungen. „Ein Kind mit besonderen Bedürfnissen ist auf ein stützendes und begleitendes familiäres Umfeld angewiesen. Aber auch Geschwisterkinder dürfen nicht die Leidtragenden sein und auf der Strecke bleiben“, weiß der Kinderarzt. „Das SPZ fungiert als gewöhnliche Facharztpraxis für Kinder- und Jugendmedizin (0 bis 18 Jahren) nur mit dem Unterschied, dass das Zentrum von Eltern mit ihren Kindern mit genetischen Syndromen aufgesucht wird. Oftmals gehen diese genetischen Syndrome mit weiteren Erkrankungen einher. Hier setzt das SPZ an, indem es den Ursachen auf den Grund geht“, so Kinderärztin Dr. Cornelia Langner. Und Dr. Bollinger ergänzte: „Die Kinder mit genetischen Syndromen – und dabei handelt es sich immer seltener um den genetischen Defekt, Trisomie 21 (Downsyndrom) – haben nicht nur ein Problem oder eine Baustelle, sondern oft fließt ein Problem ins andere.“
Prof. Repp: SPZ ist ein großer Erfolg für die Patienten und ein außerordentliches Verdienst aller daran Beteiligten
„Dass das SPZ hier vor Ort entstanden ist, ist als großer Erfolg für die Patientinnen und Patienten zu werten – aber ein außerordentlicher Erfolg aller Beteiligten und eine geniale Verknüpfung der vorhandenen Kompetenzen in der Region“, so der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Fulda, Professor Dr. Reinald Repp, am gestrigen Mittwoch in Fulda. Außerordentlich ist es insbesondere auch deshalb, dass mit der Etablierung des SPZs nach Repp „keine redundanten Strukturen geschaffen“ werden, sondern „sektorenübergreifend und darüber hinaus ein Kernbereich etabliert wird, wo alle unter dem Dach des SPZs Hand in Hand zusammenarbeiten sowie darüber hinaus mit allen in der Region – an vorderster Stelle die Frühförderung – aber auch viele niedergelassene Praxen in Fulda – mit eingebunden sind.“ Repp weiter: Denn nur so können wir in der Region für die Patientinnen und Patienten das Beste erreichen.“ Sein besonderer Dank galt Simone Del Duca (Geschäftsführerin MVZ Osthessen) für ihren „außerordentlichen Optimismus und ihr hohes Engagement“. Simone Del Duca zeigt maßgeblich sich für die Realisierung eines SPZs in Fulda verantwortlich, ohne deren Einsatz es das SPZ am Standort Fulda nicht geben würde, so der Klinikdirektor Repp abschließend.
Ein weiterer Dank vonseiten des Vorstandssprechers des Klinikums ging an den Landrat des Landkreises Fulda, Bernd Woide (CDU), seinen Ersten Kreisbeigeordneten und Gesundheitsdezernenten, Frederik Schmitt (CDU), sowie an dessen Vorgänger in dieser Verantwortlichkeit, den heutigen Oberbürgermeister der Stadt Fulda und Aufsichtsratsvorsitzenden der Klinikum Fulda gAG, Dr. Heiko Wingenfeld (CDU). Am 2. Januar 2024 wird das Team des bestehend aus Ärztinnen und Ärzten, Physio- und Ergotherapeuten, Sozialpädagogen und geschultem medizinischen Personal im „Zentrum für interdisziplinäre Neuro- und Sozialpädiatrie“ – kurz: ZiNO – im „Sozialpädiatrischen Zentrum“ in Fulda, dem achten an der Zahl in Hessen, seine Arbeit aufnehmen. Bis dahin sollen weitere Informationsveranstaltungen über die Arbeit des SPZs informieren. Die Anzahl des Personals wird sich an der Nachfrage orientieren. Weitere Beteiligte des Zentrums sind Priv.-Doz. Dr. Frank Theisen, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda sowie Dr. Gunter Isselstein, Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Fulda. +++ jessica auth








