„Solche Menschen brauchen wir“ – Landrat Dr. Mischak verabschiedet Dr. Grün in den Ruhestand

Landrat Dr. Jens Mischak und Dr. Torsten Scheid, der Leiter des Amtes für Veterinärwesen und Verbraucherschutz, verabschieden Tierarzt Dr. Dieter Grün (Mitte), der 40 Jahre lang die Schlachttier- und Fleischuntersuchungen in Ulrichstein, Mücke und Teilen von Feldatal durchgeführt hat. Foto: Sabine Galle-Schäfer

Fast vier Jahrzehnte lang war Dr. Dieter Grün als Landtierarzt im Vogelsbergkreis im Einsatz – nun verabschiedet er sich aus einem zentralen Teil seines Berufslebens. Nach rund 40 Jahren Tätigkeit gibt er die Fleischbeschau für das Vogelsberger Veterinäramt auf. Bei einer feierlichen Verabschiedung würdigten Landrat Dr. Jens Mischak und Amtsleiter Dr. Torsten Scheid die Arbeit des Veterinärmediziners. In seiner eigenen Praxis im Grünberger Stadtteil Groß-Eichen will Grün allerdings weiterhin tätig bleiben und sich künftig auf die Behandlung von Kleintieren konzentrieren.

Grün gilt als Landtierarzt alter Schule – bodenständig, verlässlich und mit einem reichen Erfahrungsschatz aus jahrzehntelanger Praxis. Neben seiner eigenen Tierarztpraxis war er seit 1987 im Auftrag des Veterinäramts für die Fleischbeschau zuständig. Zu seinen Aufgaben gehörten Schlachttier- und Fleischuntersuchungen in gewerblichen Schlachtbetrieben ebenso wie bei Hausschlachtungen. Dabei kontrollierte er unter anderem Schweine, Rinder, Schafe und Ziegen, entnahm Trichinenproben bei Wildschweinen sowie TSE-Proben bei Schafen und Ziegen.

Landrat Mischak würdigte den Veterinärmediziner für seine „praktische, gewissenhafte und fleißige Arbeit“. Grün habe mit seiner Tätigkeit viel bewirkt und über Jahre hinweg ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein gezeigt. Gerade angesichts zahlreicher Veränderungen in der Branche habe er stets Fingerspitzengefühl bewiesen und auch schwierige Situationen sehr gut gemeistert, so der Landrat.

Auch Amtsleiter Scheid hob die besondere Haltung des Tierarztes hervor. Grün habe seinen Beruf nicht lediglich als Arbeit verstanden, sondern als Aufgabe. Selbst widrige Umstände hätten ihn nicht von seiner Pflicht abgehalten. Bei starkem Schneefall sei er etwa einfach zwei Stunden früher aufgebrochen, um rechtzeitig zur Fleischbeschau zu erscheinen. Für Hindernisse wie Windbruch habe er vorsorglich eine Bügelsäge im Kofferraum mitgeführt. „Solche Menschen wie Sie, die das Rad noch am Laufen halten, wenn etwas nicht so klappt, solche Leute brauchen wir“, betonte Scheid.

Der Geehrte selbst bestätigte schmunzelnd die Schilderungen. Tatsächlich habe die Säge stets im Auto gelegen, und bei Schnee und Eis sei er oft mitten in der Nacht aufgebrochen. Mit Humor erinnerte er sich auch an eine ungewöhnliche Begegnung aus seinem Berufsalltag: Bei einem Besuch auf einem Hof habe er nicht nur nach einem Kalb gesehen, sondern zugleich einen Bruch beim Bauern festgestellt. Dieser sei noch am selben Tag operiert worden.

Besonders eindrücklich schilderte Grün auch die früher zahlreichen Hausschlachtungen. Allein im Monat November habe er einst zwischen 150 und 200 solcher Termine wahrgenommen. Dabei sei es meist „zünftig“ zugegangen, mittags habe es traditionell Schlachtekohl für alle gegeben. Für ihn sei stets klar gewesen, diese Abläufe nicht zu stören und seine Arbeit pünktlich zu beenden.

Mit sichtbarem Stolz blickt der Tierarzt auf seine berufliche Laufbahn zurück. Seine Aufgaben habe er stets korrekt erfüllt, betont er. Auseinandersetzungen habe es dabei nie gegeben – selbst dann nicht, wenn ein Tier beanstandet werden musste. +++


Popup-Fenster

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*