Endlich sahen die heimischen Zuschauer in der Johannisau Leon Pomnitz dort, wo er eigentlich herkommt. Der Ideenlieferant und Abschluss-Vorbereiter der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz rückte eins vor, von der Sechs in die vordere Reihe. Das erwies sich als guter Schachzug, verlieh dem Vorgehen seines Teams mehr Struktur in der Offensive. Es hatte mehr mit Fußball zu tun - verhindern konnte es die 1:2-Heimniederlage gegen die widerstandsfähige und ebenso um die ersten Punkte der noch jungen Saison der Regionalliga Südwest ringende TSG Balingen indessen nicht.
Das Trainerteam der SGB hatte sich einiges einfallen lassen - ihre Mannschaft kam mit neuem Gesicht daher in der Anfangsbesetzung. Kapitän Marius Grösch und Milian Habermehl bildeten die Innenverteidigung, Roko Ivankovic und Hans Nunoo Sarpei die Sechs - und vorn waren vier Spieler aufgeboten, die ständig rochierten und immensen Laufwand verrichteten: Nick Berger, Leon Pomnitz, Tim Korzusckek und Moritz Dittmann.
Die TSG aber zauberte von Beginn an ihre DNA auf den Platz. Sie lief früh an, attackierte und störte zeitig - und zeigte ihre Spielstärke. Vor allem der schnelle Pedro Almeida Morais erfreute sich auf der linken Offensivseite vieler Freiheiten, aber auch über Halim Eroglu und Zentrumsstürmer Simon Klostermann ging‘s Richtung letztes Drittel. Da aber mangelte es an Mut, Überzeugung, Entschlossenheit und Zielstrebigkeit.
Darauf aber - und das ist eine positive Erkenntnis bei der SGB - reagierte der Gastgeber. Er schloss das Zentrum, in dem der zweikampfstarke und präsente Sarpei überzeugte, besser. Und er fand zu sich. Und was könnte mehr befügeln als ein Torerfolg? Auch wenn der eher kurios zustande kam- aber egal. Pomnitz entledigte sich der Bedrängnis mit einem langen Ball nahe der rechten Seiten- und Mittellinie - es sah fast wie ein Befreiungsschlag aus - die Kugel erreichte Korzu mitten am Sechzehner, der SGB-Angreifer profitierte von einem haarsträubenden Stellungsfehler des Gastes, und Korzu traf zum 1:0. Wie eine Erlösung schien es. Und manch einer hörte die Steine fast bis zum Uniplatz plumpsen.
Weniger gut, wie die SGB wenig später den Ausgleich kassierte. Rechtsverteidiger Arlind Iljazi, der zwei Tage nach seinem Geburtstag keinen guten Tag erwischte und der manch positiver Leistung keine hinzufügen konnte, wollte die Kugel aus dem Strafraum befördern, Almeida Morais setzte nach, erreichte den Ball und spielte ihn - und Iljazi musste aus der Bewegung heraus foulen. Andererseits: Er sah Almeida ja nicht, der von hinten kam - unglücklich. Kein Vorwurf. Der ist eher ans Team gerichtet, den Ball schneller aus dem eigenen Sechzehner zu bekommen. Es war im dritten Spiel der dritte Elfer gegen die SGB. Das ärgerte später auch Trainer Daniyel Cimen.
Zunächst weniger seine Mannschaft, die bis zur Pause ihre beste Phase hatte. Das Teamgefüge nahm Konturen an: Die Vierer-Kette, in der Grösch ein gutes Bild abgab, stand hoch und weitgehend sicher, die Abstände waren gering (aber immer noch zu groß), die Mannschaft drückte Spiel und Gegner ihren Stempel auf und arbeitete gut zusammen und miteinander, und die „Viererbande“ vorn bewegte sich unermüdlich - doch jedem wurde klar: Dieser Aufwand kostete Körner.
Zwei Dinge fielen nicht eben positiv auf. Bei dieser guten Struktur und Überlegenheit hätte die SGB das zweite Tor machen müssen bis zur Pause. Erst wurde der Schuss des aktiven Pomnitz abgeflacht (27.), dann strich ein Kopfball knapp vorbei (29.), später setzte Berger nach, vermochte mit dem Ballgewinn aber wenig anzufangen (38.). Aus einer Gelegenheit aber hätte mehr herausspringen müssen: Nach Sarpeis Zulieferarbeit, der prima seinen Körper einsetzte, kam Berger halbrechts im Strafraum an die Kugel, schloss aber selbst ab aus spitzem Winkel - er hätte besser nach innen gelegt (42.).
Kritikpunkt zwei - und darüber sollte sich die SGB Gedanken machen: Oft hatte man das Gefühl, dass ein Spieler fehlte im Vorgehen. Einer, der hätte helfen und unterstützen können. Das war in der ersten Halbzeit der Fall, als das Team das zweite Tor hätte machen sollen - und auch im zweiten Abschnitt, als die SGB Druck machte im Aufbau, eine Drangphase bot, aber keine zwingenden Chancen folgten. Es waren nur Ansätze - und von anderen Betrachtungen sollten sich Verantwortliche der SGB keinen Sand in die Augen streuen lassen.
Ob Sarpeis Schuss (49.) - der Sechser kam, und das ist positiv, im zweiten Abschnitt zunehmend in offensive Räume - Ivankovics Kopfball (52.), Dittmanns Flachschuss (57.) oder der Versuch des gerade erst eingewechselten Reinhard auf Dittmann (68.) - all dies ist der Beleg dafür. Weil aber Balingen im Spiel blieb, zäh war und stets kämpferisch verteidigte, war das späte 2:1 für den Gast alles andere als unverdient. Klostermann hatte einen langen Ball per Kopf verlängert - ehe aus halbrechter Position der Treffer entstand. Cimen kommentierte das nachher so: „Wir wussten, dass Klostermann ein gutes Timing beim Kopfball hat. Und einmal war halt unsere Absicherung nicht da.“
Dennoch: Bei der SGB gab es manch Positives zu sehen. Die lange passende Struktur, das Bemühen, Druck auf Ball und Gegner auszuüben und positive Impulse im Spiel mit Ball. Andererseits: Die Durchschlagskraft fehlt, Effektivität im Abschluss, ein cleveres, der Mannschaft zupass kommendes Verhalten und der Fakt, Kräfte und Energien zu sparen, die man in entscheidenden Situationen besser einsetzen könnte. Aber insgesamt war es Mut, der nicht belohnt wurde.
Auch Rainer Martikers Sichtweise war so falsch nicht - vielmehr traf sie den Nagel auf den Kopf. „Balingen war die bessere Mannschaft. Vor allem auch im Pressing. In diesen Situationen waren sie immer mit einem Mann in Überzahl. Und nach vorne geht ein bisschen wenig bei uns“, sagte der Stadionsprecher, die Pressekonferenzen Moderierende und das gute, alte Kind des TSV Lehnerz.
Balingens Coach Murat Isik war „überglücklich. Nicht nur über den ersten Saisonsieg und das Ergebnis. Auch und vor allem über den mutigen Auftritt“. Weil er ehrlich und glaubwürdig daherkam, nahm man ihm auch dies ab. „Fulda ist ein sympathischer Verein. Ich habe Respekt gespürt. Und gerade das ist im heutigen Fußball total abhanden gekommen. Wir haben uns hier aufgehoben gefühlt.“
Den Respekt sollte der Anhang der SGB bisweilen auch gegenüber „ihrer Mannschaft“ haben. Sie anfeuern und unterstützen. Und auf drei Punkte zu setzen bei der nächsten Ausfahrt Schott Mainz.
SG Barockstadt: Duda - Iljazi (74. Kraft), Grösch, Habermehl, Schmitt (74. Hillmann) - Ivankovic (86. Siebert), Sarpei - Berger (66. Reinhard), Pomnitz, Korzuschek, Dittmann (86. Stadler)
TSG Balingen Fußball: Klose - Eisele, Schmitz, Fionouke (63. Moutassime) - Laifovic, (63. Maier), Deininger, Pilic (75. Schmidt), Eroglu, Almeida (89. Fritschi), Klostermann
Schiedsrichter: Torben Huss
Zuschauer: 1.280
Tore: 1:0 Tim Korzuschek (14.), 1:1 Denis Lafitovic (23., Foulelfmeter), 1:2 Amnay Moutassime (88.) +++ rl

Sehe das ein wenig anders. Die Barockmannschaft ist nicht gefestigt. An vielen Stellen verunsichert und hat kein Gesamtgefüge. Es fehlen die Spieler die Verantwortung übernehmen ( wie Patrick Schaaf es getan hat) . Junge Spieler verunsichert , der Spielfluss in den einzelnen Mannschaftsteilen fehlt. Der Trainer hat seine Spieler bekommen , jetzt muss er liefern. Er wechselt zu spät aus. Das Management hat in die Quantität investiert, nicht in die Qualität. Die ‚Breite‘ hilft nicht , sondern lieber 1-2 Topspieler (zB. Im Sturm). Sofortiges handeln ist erforderlich. Sonst wird’s schwer !! Und für mein Verständnis ein viel zu großer Trainerstab. Weniger ist mehr. Warten wir ab , aber nicht zu lange !!!