SG Barockstadt Fulda-Lehnerz – Ein Abend im Bad der Emotionen

Tolle Fans, tolle Stimmung, toller Fußball-Abend: Wem die Atmosphäre auf dem Bieberer Berg – hier, wo sich schon so manches als Drama hochgepushte Erlebnis hessischen und deutschen Fußballs abspielte -, nicht unter die Haut ging, der lebt Fußball nicht. 5.468 Zuschauer waren dabei, als die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz ins Endspiel um den Hessenpokal einzog. Mit 3:2 nach Elfmeterschießen setzte sie sich durch beim Liga-Konkurrenten Kickers Offenbach. Nach regulärer Spielzeit hatte es 0:0 gestanden.

Keine Frage. Dieses Datum geht in die Vereinsgeschichte ein. Erstmals – am Dienstag, 24. März 2026 – glückte der SG Barockstadt der Einzug ins Pokalfinale auf Hessenebene. Und mit einem bisschen Glück könnte sogar der in den DFB-Pokal gelingen. Manchmal ist Fußball halt der Nährboden für Träume. Auf einem Banner der Fans war das zu lesen: Gemeinsam für den Traum. Nirgendwo sonst kann man Erwartungen und ihren Höhepunkt, Identifikation und Verbrüderung so herstellen und bündeln wie im Fußball. Er taugt halt doch als Abbild der Gesellschaft.

Zum Spiel selbst muss man sagen, dass der OFC einen Lohn verdient gehabt hätte. Im Boxen würde man sagen, Punktsieger. Offenbach arbeitete und biss sich gut rein ins Spiel – durch Aggressivität, Leidenschaft und vor allem gewonnene Zweikämpfe. Gut aus Fuldas Sicht, dass Keanu Kraft nach zehn Minuten und Berlinskis flachem Abschluss kurz vor der Torlinie rettete – Barry hatte Berlinksi über den rechten Halbraum bedient, und der in in die Startelf gerutschte Dejanovic klug und geduldig vorbereitet.

Die SGB fing sich nach knapp 20 Minuten. Sie hielt jetzt besser dagegen – ihre Angriffe sahen flüssiger und strukturierter aus, fußballerisch war das Team aus Fulda besser. Die Torchancen? Na ja. Arcanjo Köhlers Freistoß aus aussichtsreicher und zentraler Position lenkte OFC-Keeper Brinkies in seinem 100. Pflichtspiel für den Verein über die Latte (20.), Göbels Rückpass nach resoluter Ball-Eroberung und Zweikampf-Verhalten geriet zu ungenau (22.) – und dann war ja Dittmanns Chance (39.). Sarpeis weiter und präziser Ball ermöglichte es ihm, für Torgefahr zu sorgen – allerdings war er im Zweikampf und nicht eben mit dem Gesicht zum Tor, „Ditti“ versuchte es erst mit der Hacke, dann klebte Brinkies an ihm. Gewiss, etwas Raum hatte „Ditti“ Brot seiner „zweiten Chance“, hätte er „chippen“ sollen?

Mit Beginn des zweiten Abschnitts aber erkannte man bald, dass sich ein Spieler zum dem des Abends herausschälen sollte: SGB-Keeper Samuel Zapico. Binnen weniger Minuten war er mehrfach zur Stelle und rettete seinem Team die Haut. Zunächst nach Breitenbachs Ecke und nach Borsums Kopfball (53.), dann phänomenal nach Berlinskis Kopfball (56.) – und schließlich rettete Kraft gegen Borsum (57.). In der Entstehung dieser Chancen taten sich beim OFC Goselink hervor – der über rechts zu viel Platz hatte – und Breitenbach, der jeden ruhenden Ball brachte.

Der OFC war deutlich überlegen anfangs der zweiten Hälfte. Und über weite Strecken. Das Stadion kam. Die SGB verteidigte indessen mit Herz und Leidenschaft – und sie fing sich. Allmählich und mit viel Arbeit ging das vonstatten. Nach knapp 70 Minuten eröffnete sich dem Gast noch einmal eine Möglichkeit: Bei einer Konter-Situation gab Arcanjo Köhler links raus zu Dittmann, der zog davon, gab zu Köhler zurück, dessen Abschluss hängenblieb – Glück aber für den OFC, als Borsum hier noch einmal nachzog, eine Folge darüber aber ausblieb. Die SGB kämpfte und hatte ihr Herz auf dem Platz gelassen.

Bis die Entscheidung im Elfmeterschießen gipfelte. Und sich das Schießen vom Punkt aus wieder mal auf die Seite des „Elfmetertöters“ Zapico neigte. Er reagierte nach drei OFC-Schüssen klasse und wehrte drei Elfer ab – für die SGB trafen Sebastian Schmitt, Marius Grösch und Moritz Dittmann. Der Rest war Jubel. Grenzenloser Jubel.

Und das Fazit von Fuldas Coach? „Wir sind über den Einzug ins Finale natürlich mega-happy und glücklich“, sagte Daniyel Cimen. „Wir haben eine ordentliche erste Halbzeit gespielt, waren in der zweiten aber 20 oder 25 Minuten nicht so gut, hatten da keine Entlastung. Offenbach wollte das ja unbedingt in 90 Minuten, wir haben aber mit Herzblut verteidigt.“ Am 23. Mai steigt das Endspiel im Hessenpokal. Vermutlich gegen den Drittligisten Wehen Wiesbaden. Auch eine Chance, in den DFB-Pokal zu rutschen, gibt es noch. Nach gegenwärtigem Stand müsste die SGB den Hessenpokal gewinnen. Oder Wehen würde am Ende der Saison 4. der Dritten Liga. Oder …

Vorerst aber gehen sie weiter, die „Hessenderby-Festspiele“ der SGB in den Punktspielen der Regionalliga Südwest. Beginnend mit der Partie am Freitag in Haiger, am Karsamstag schon gibt es ein Wiedersehen mit Kickers Offenbach, ehe es freitags nach Alzenau geht, dann ist unter der Woche der KSV Hessen zu Gast.

Doch an diesem Pokal-Abend auf dem Bieberer Berg, von dem blieb allerhand zurück. Für alle, die bereit waren, in den Emotionen zu baden.

Kickers Offenbach: Brinkies – Borsum, Dejanovic (84. Korb), Barry (89. Staude), Knothe, Arh Cesen, Berlinski (73. Mustafa), Skolik (41. Goselink), Karada, Breitenbach, Marcos

SG Barockstadt: Zapico – Kraft (88. Iljazi), Habermehl (90.+4), Frey, Schmitt – Sarpei, Ivankovic – Dittmann, Arcanjo Köhler (72. Klein), Pomnitz – Göbel (84. Pourié)

Schiedsrichter: Marcel Rühl

Zuschauer: 5.648

Tore im Elfmeterschießen: 0:1 Sebastian Schmitt, 0:2 Marius Grösch, 1:2 Sascha Korb, 2:2 Ouassim Karada, 2:3 Moritz Dittmann +++ rl


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