SG Barockstadt Fulda-Lehnerz - Cimen fordert mehr Mut im Spiel mit dem Ball

Sgb 1
Daniyel Cimen. Foto: rl

Der Saisonauftakt missglückte. Das aber ist kein Beinbruch, schließlich war es nur ein Spiel. Dennoch hinterließ die 0:1(0:0)-Heimpremiere der SG Barockstadt gegen die Stuttgarter Kickers in der Fußball-Regionalliga Südwest einiges. Darunter vieles, das nicht neu ist. Dies hier ist natürlich kein Spielbericht, eher eine kritische Nachbetrachtung und ein Stückchen Analyse.

Cimen ist für seine sachliche Bewertung bekannt. Dafür, Dinge realitätsnah herunterzubrechen und zu beurteilen. Stets bleibt er bei sich, spricht aber die Dinge auf den Punkt an. „Mit Ball haben wir vor allem in der ersten Halbzeit nicht an die Leistung in den Testspielen anknüpfen können. Es gilt, das aufzuarbeiten. Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass Vorbereitung eben Vorbereitung ist - und Punktspiele was anderes sind.“ Der SGB-Coach hatte sich erhofft, dass sein Team mutiger auftritt mit Ball. „Das müssen wir besser machen“, schob er nach.

Der fehlende Mut, wenn sein Team in Ballbesitz ist, war schon in der Rückrunde zu Beginn des Jahres ein Thema. Das fußballerisch beherrschende; gut, dass die SGB da umdachte, sich ihrer Stärken im Verhalten gegen den Ball besann - und so die nötigen Punkte für den Klassenerhalt sammelte. Als wollte man eine Schablone über das Vorgehen im Frühjahr legen, so gestaltete sich aber das Geschehen auch jetzt gegen die Stuttgarter Kickers. Das Team vom Degerloch, das auf vier seiner Leistungsträger verzichten musste und eine arg verjüngte Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 24,0 Jahren auf den Platz schickte, stellte die bessere Mannschaft. Ohne Frage. Die Betonung liegt auf Mannschaft.

Von der eher offenen Anfangsphase abgesehen, bestimmte der Gast das Spiel. Aktiver, besser im Zusammenspiel, galliger im Zweikampf, stets waren die Spieler, auch in engen Räumen, in Überzahl, strukturierter war das, gut im Gegenpressing war das Team, das auch Vorteile in der Handlungsschnelligkeit hatte - auch wenn es im Spielaufbau an Tempo fehlte. Im letzten Drittel die Präzision, oft auch die Tiefe. Jedenfalls in der ersten Halbzeit war das so. Die SGB reagierte meist und hatte das Nachsehen. Der Abstand zwischen den Mannschaftsteilen war zu groß. Viel zu groß. Riesengroß. So war es fast unmöglich, Druck auf den Gegner auszuüben. Selten hat man gesehen, dass der Neuner oder die Spitze Moritz Reinhard so viele defensive Meter machen musste. Ohne Erfolg. Er hatte schlichtweg keine Unterstützung. Gut und positiv, dass die letzte Reihe, die Abwehrkette, gut und sicher stand - auch wenn sich die Außenverteidiger hier und da taktisch nicht gut verhielten.

Im zweiten Abschnitt nahm der Vergleich vor 1.580 Zuschauern in der Johannisau an Fahrt auf. Es konnte nur besser werde, dachte man sich aus Fuldaer Sicht. Hillmann kam bei der SGB für Berger und rückte auf seine gewohnte Außenverteidiger-Position, der Ex-Aachener Schmitt ging eins vor. Vielleicht sollte sich der erste vielversprechende Angriff als Mutmacher herausschälen, als der auf rechts gewechselte Dittmann aufdrehte und flankte, „Hilles“ Direktversuch aber hängenblieb (48.). Beide Teams wurden forscher, zwingender und eine Spur entschlossener. Ehe sich binnen einer Minute Wegweisendes abspielte. Erst aus Sicht der Gäste in einer „Dreifach-Chance“, als zunächst Borac köpfte, SGB-Keeper Duda mit tollem Reflex abwehrte, Hencke mit links den Pfosten traf und Braig in einer umstrittenen Szene gefoult wurde - Sekunden später traf Tim Korzuschek den Pfosten (53.). Letztgenannte Chance aber für die Bemerkung, auch ein 1:1 wäre für den Ausgang gerecht gewesen, heranzuziehen - das allerdings wäre ungerecht. Es war, genau genommen, die einzig echte Torchance der SGB. Im Spiel, das Fußball heißt.

Wenig später das Spielentscheidende - und es war, aus SGB-Sicht, irgendwie symbolisch in seiner Entstehung. Fulda reagierte nach einem tiefen Ball des Gegners - und Aaron Frey, der neben seinem neuen Kollegen Pietro Besso ein solides Spiel machte in der Innenverteidigung, war gezwungen, eine Grätsche anzusetzen. Im Strafraum. Die Elfmeter-Chance ließ sich David Tomic, in der ersten Halbzeit oft abkippender Sechser, nachher offensiver, nicht nehmen zum 1:0-Siegtreffer seines Teams. Die SGB mühte sich in der Folge, kämpfte, Greifbares in Sachen Torchancen kam aber nicht heraus. Höchstens der Moment, als Reinhard durch energisches Gegenpressing fast einen Elfer herausgeholt hätte (82.). Die Kickers indessen hatten eine vorzügliche Defensivleistung geboten, was auch Trainer Marco Wildersinn freute: „Wir haben über 90 Minuten gut verteidigt und am Ende uns gegen alles gestemmt und in alles reingeworfen.“

Die Chance, es besser zu machen, bietet sich der SGB, die mit Keeper Justin Duda, Pietro Besso, Sechser Nicola Arcanjo Köhler und Nick Berger vier Neue in der Anfangsformation stellte, schon am Samstag. Dann tritt sie beim Traditionsverein Eintracht Trier an, Beginn 14 Uhr.

Ach ja, zwei Gedanken bleiben. Die SGB sollte darauf achten, ihren Fans etwas zurückzugeben; dass die sagen können, die Mannschaft hat zwar verloren, aber sie hat alles gegeben. Auch so mancher aus der großen Schar der Helfer scheint sich mehr Beachtung oder Akzeptanz zu wünschen. Diese Worte aber sind positiv und anregend gemeint.

SG Barockstadt: Duda - Iljazi, Besso, Frey, Schmitt (83. Göbel) - Arcanjo Köhler (89. Siebert), Pomnitz, Berger (46. Hillmann), Korzuschek, Dittmann (83. Stadler) - Reinhard (83. Habermehl)

Stuttgarter Kickers: Dumrath - Udogu, Danquah, Petrovic, Borac, Tomic (84. Blank), Zaiser (84. Schwab), Kiefer, Hencke, Berisha (75. Fundel), Braig

Schiedsrichter: Veron Besiri

Zuschauer: 1.580

Das Tor: 0:1 David Tomic (65., Foulelfmeter) +++ rl


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2 Kommentare

  1. Leser-Feedback zum regionalen Fußball bei fuldainfo

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