Schulbauturbo im Main-Kinzig-Kreis

Der Main-Kinzig-Kreis treibt den Ausbau der Bertha-von-Suttner-Schule in Nidderau deutlich schneller voran als ursprünglich geplant. Nachdem im vergangenen Jahr die letzten formalen Hürden für die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe genommen worden waren, steht nun die zügige bauliche Umsetzung im Fokus. Nach einer Richtungsentscheidung von Schuldezernent Jannik Marquart im Frühjahr dieses Jahres setzt der Kreis auf eine serielle Bauweise, die als schneller und kostengünstiger gilt. Das Vergabeverfahren ist inzwischen weitgehend abgeschlossen. Läuft alles nach Plan, sollen die neuen Klassenräume nicht erst 2029, sondern bereits zum Schuljahr 2026/2027 bezugsfertig sein.

„Wir zeigen, was der Schulbauturbo in der Praxis bedeuten kann – und wir nutzen alle Spielräume hier aus“, erklärte Kreisbeigeordneter Marquart. Eine derartige Beschleunigung wäre nach seinen Worten bis vor Kurzem noch undenkbar gewesen. Der Main-Kinzig-Kreis beschreite damit neue Wege, von denen langfristig alle im Kreisgebiet profitieren könnten.

Der Neubau gilt als von hoher Dringlichkeit. Der Kreisausschuss und die Koalition im Kreistag setzten eine klare Priorität darauf, einen weiteren Schulstandort zu schaffen, an dem Schülerinnen und Schüler das Abitur ablegen können, sagte Marquart. Seit der Entscheidung zugunsten der Bertha-von-Suttner-Schule verzeichne die Nidderauer Schule zudem einen zusätzlichen Zulauf. Darauf reagiere der Kreis als Schulträger mit einer umfassenden Beschleunigung aller Schritte von Planung über Vergabe bis hin zum Bau, verbunden mit einer erheblichen Kostenersparnis.

Am Donnerstag stellte Marquart das Vorgehen und die Vergabeentscheidung dem Haupt- und Finanzausschuss vor. Am Freitag befasste sich zunächst der Kreisausschuss und anschließend der Kreistag mit einem entsprechenden Dringlichkeitsantrag. Der Kreistag stimmte der Vergabe und dem eingeschlagenen Weg in seiner Sitzung einstimmig zu.

Vorausgegangen waren rund sechs Monate intensiver Vorbereitung innerhalb der Kreisverwaltung, begleitet von einem engen Austausch mit externen Experten aus dem Vergaberecht. Für das Projekt hatte sich eigens ein Expertenteam um den Rechtsanwalt Harald Nickel von der Kanzlei Nickel gebildet, das nach Angaben des Kreises maßgeblich zur Beschleunigung des Verfahrens beigetragen hat.

Geplant ist die vollständige Fertigstellung des vierstöckigen, barrierefreien Neubaus bis zum Frühjahr 2027. Trotz des hohen Zeitdrucks und einer Kostenersparnis von rund sechs Millionen Euro im Vergleich zu einer klassischen Bauweise werde das Gebäude allen qualitativen Anforderungen gerecht, betonte Marquart. Unter den Bietern hätten sich namhafte Unternehmen aus dem Bereich des seriellen Bauens mit herausragenden Referenzen befunden. Eine weitere Voraussetzung für die Einhaltung des Zeitplans sei das enge Zusammenwirken aller Beteiligten, insbesondere des Main-Kinzig-Kreises, der Stadt Nidderau, der Schulleitung, der politischen Gremien sowie weiterer Stellen in baurechtlichen Fragen. Dies sei gegeben, wofür er sich ausdrücklich bedankte.

Serielles Bauen bedeutet nach Angaben des Kreises, dass standardisierte, zugleich aber flexibel nutzbare Raumkonzepte umgesetzt werden, die sich rasch an schulische Bedürfnisse anpassen lassen. Im Vergleich zu individuell geplanten Neubauten verkürzten sich Planungs- und Bauzeiten erheblich, zudem könnten Kosten gesenkt werden, da Planung und Ausführung aus einer Hand erfolgen und die Materialbeschaffung optimiert wird. Auf diese Weise werde der Neubau mit Kosten von rund 10,7 Millionen Euro deutlich unter dem finanziellen und zeitlichen Rahmen eines traditionellen Baus realisiert, ohne Abstriche bei Qualität und Funktionalität.

Im Mai 2024 hatte der hessische Minister für Kultus, Bildung und Chancen die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe an der Bertha-von-Suttner-Schule genehmigt. Zu diesem Zeitpunkt war eine bauliche Umsetzung bis zum Schuljahr 2029/2030 vorgesehen. Die anschließend begonnenen Planungen in konventioneller Bauweise erwiesen sich jedoch angesichts stark steigender Schülerprognosen als nicht zielführend, da eine bedarfsgerechte Fertigstellung in diesem Zeitrahmen nicht möglich gewesen wäre.

Daraufhin übernahm Schuldezernent Marquart im Mai dieses Jahres die Verantwortung für das Projekt, verwarf die bisherigen Planungen und setzte den Ausbau mit dem Ziel einer deutlichen Beschleunigung neu auf. Die nun erfolgte Vergabe im Kreistag ist das Ergebnis dieser Neuausrichtung und zielt auf eine zeiteffiziente Realisierung innerhalb des kommenden Schuljahres ab, um den dringenden Bedarf an Schulraum zu decken. Statt 2029/2030 soll der Neubau bereits im Schuljahr 2026/2027 zur Verfügung stehen.

Marquart zeigte sich erfreut über die breite Unterstützung des Kreistags für den schulpolitischen Kurs des Kreisausschusses. Mit der Oberstufe erhalte die Bertha-von-Suttner-Schule zugleich ein neues, weithin sichtbares Aushängeschild. Das Projekt gehöre zu den größten Bauvorhaben des Kreises in den kommenden Monaten und sei von großer Bedeutung für die Schullandschaft. Der Kreis werde sein Versprechen für die Bildungslandschaft im Westen des Main-Kinzig-Kreises einhalten, betonte Marquart. Das Bauprojekt in Nidderau könne neue Maßstäbe für weitere Vorhaben setzen. Angesichts weiter steigender Bedarfe an Schul- und Nachmittagsbetreuungsplätzen sowie der finanziellen Vorgaben des Landkreises müsse schnell gehandelt werden. Serielles Bauen sei dafür eine geeignete Lösung. +++


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