Schröder-Geburtstagsfeier mit Putin sorgt für Wirbel

Berlin. Die Geburtstagsfeier des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD) in St. Petersburg, die auch Russlands Präsident Wladimir Putin besucht hatte, hat teils scharfe Kritik hervorgerufen. “Gazprom-Schröder feiert eine Geburtstagssause mit Putin, während deutsche Staatsbürger im Ukraine-Konflikt von pro-russischen Separatisten als Geiseln gefangengenommen sind. Unsere Jungs leiden bei Wasser und Brot im Verlies, Schröder feiert mit Schampus und Kaviar im Festsaal”, sagte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer der “Bild”. “Auch gerade als ein Bundeskanzler `a.D.` hätte er eine große Verantwortung für Frieden und Freiheit.”

Auch der innenpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Volker Beck, ging mit dem früheren Kanzler hart ins Gericht. “Die distanzlose Identifikation Schröders mit dem Despoten Putin ist ein trauriges Kapitel politischen Opportunismus. Man ist peinlich berührt”, sagte Beck “Handelsblatt-Online”.

Der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold kritisierte unterdessen Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidenten Erwin Sellering (SPD), der laut Medienberichten ebenfalls an der Geburtstagsfeier teilgenommen hatte. Es sei unerträglich, “dass ein amtierender SPD-Ministerpräsident mit Putin feiert, während sich die EU um eine gemeinsame Lösung des Ukraine-Konflikts müht. Sellering hat den Wandel durch Annäherung gründlich missverstanden und mit Anbiederung verwechselt”, sagte Giegold “Handelsblatt-Online”.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer, kritisierte die Geburtstagsfeier ebenfalls. “Der gewollte Schulterschluss mit Putin gerade jetzt ist eine Provokation”, sagte Strässer der “Welt”. Der SPD-Politiker fügte hinzu: “Denjenigen, die in Russland für die Einhaltung der Menschenrechte kämpfen und gegen die aggressive Außenpolitik Putins, muss die demonstrative Umarmung zynisch vorkommen.”

Der Vize-Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, sieht das Treffen zwischen Schröder und Putin in St. Petersburg anlässlich des 70. Geburtstags des Altkanzlers hingegen positiv. Schröder bekleide kein öffentliches Amt, daher könne er nicht bewerten, wer dem SPD-Politiker zum 70. Geburtstag gratuliert. “Wichtig scheint mir hingegen, dass deutsche Gesprächspartner Präsident Putin die Sorgen und Ängste der Menschen in Bezug auf die Sicherheit in Europa erläutern”, sagte Mützenich “Handelsblatt-Online”. “Der ehemalige Bundeskanzler Schröder hat an den Regeln und Normen der europäischen Friedensordnung mitgewirkt”, so Mützenich weiter. Er denke daher, dass Schröder ein “nachhaltiges Interesse” habe, diese Prinzipien zur Geltung zu bringen. “Wenn er dies in einem persönlichen Gespräch erläutern kann, wäre ein solcher Inhalt hilfreich”, betonte Mützenich. +++ fuldainfo

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1 Kommentar

  1. Wenn einer die Möglichkeit hat, ungezwungen und vertraulich mit Putin zu reden und ihm dabei vielleicht sogar ins Gewissen zu reden und dies als Freund zu tun, dann ist es Schröder.

    Ich glaube eher, daß Deutschland mit dem Ex Bundeskanzler einen guten Verbündeten hat, der nach wie vor sehr gute Kontakte in Russland hat und diese sicher auch dazu nutzt, auf unkonventionellem Wege Krisen, wie sie jetzt aufgetreten sind, zu entschärfen.

    Die Zeit wird es zeigen, ob bei diesem Geburtstag Schröder vielmehr die Gelegenheit genutzt hat, das zu tun, was der Rest von Europa EIGENTLICH tun müßte: nämlich mit Putin zu reden.

    Das, was sich manche Rüstungsfirmen gerne wünschen würden, nämlich die erneute Auferstehung des kalten Krieges ist ein böses und gefährliches Spiel, dem sich alle friedensliebenden Menschen, die den letzten Weltkrieg noch gut in Erinnerung haben, mit Macht entgegen stellen sollten.

    Russland ist unser Nachbar und viele Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion leben heute hier in Deutschland. Da von einem neuen Krieg oder der Gefahr dieses Krieges zu quatschen, ist deshalb höchst riskant.

    Die Politiker Europas täten daher gut daran, wieder mit Putin zu reden und Schröders Beispiel zu folgen!

    Einen schönen 1. Mai wünscht – die kleine Feder

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