Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat zum Holocaust-Gedenktag dazu aufgerufen, sich besonders um eine Erinnerungskultur für die jüngere Generation zu bemühen.
"Es muss uns bedrücken, wie viele junge Menschen in Deutschland kaum noch etwas über den Holocaust wissen", sagte Scholz der NBR sowie der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten". "Das ist eine Mahnung und ein Auftrag an uns alle, daran etwas zu ändern."
Der Kanzler nannte es "wichtig, dass wir möglichst vielen jungen Menschen ermöglichen, mit den noch lebenden Zeitzeugen zu sprechen. Und wir müssen die Erinnerung hochhalten, wenn die letzten Zeugen einmal nicht mehr leben."
Der internationaler Holocaust-Gedenktag wird am Montag begangen. Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Truppen das NS-Vernichtungslager Auschwitz. In diesem Jahr jährt sich die Befreiung zum 80. Mal. Eine jüngst veröffentlichte Umfrage hatte ergeben, dass etwa jeder zehnte junge Erwachsene in Deutschland noch nie etwas von den Begriffen Holocaust oder Schoah gehört hat.
NRW-Beauftragte warnt vor zunehmender Judenfeindlichkeit
Die NRW-Antisemitismusbeauftragte Sylvia Löhrmann (Grüne) warnt vor zunehmender Judenfeindlichkeit. "Die Mahnung, die von Auschwitz ausgeht, ist nach dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 noch wichtiger geworden", sagte sie der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung anlässlich des Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 80 Jahren. Der Antisemitismus sei heute sehr weit aufgefächert, sagte die frühere NRW-Schulministerin. "Wir dürfen nicht jenen auf den Leim gehen, die den Holocaust relativieren und die Opfer zu Tätern machen wollen. Antisemitismus geht uns alle an, das müssen wir begreifen." Teile der Gesellschaft hätten vergessen oder nie begriffen, was in Auschwitz geschah. "Wir nehmen eine Verschiebung nach rechts wahr, in NRW und weltweit, bei der demokratische Errungenschaften in Misskredit gebracht werden. Der Ruf nach einem starken Mann, der alles regelt, ist wieder zu hören", warnte Löhrmann.

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