Fulda/ Morles. Die Gemeinde Nüsttal-Morles ist auf der Zielgeraden: Nachdem sie letztes Jahr den Regionalentscheid gewann, muss sie sich nun im Landeswettbewerb für „Unser Dorf hat Zukunft“ behaupten. Für den entscheidenden Wettbewerbsvorteil entschloss sich die Gemeinde, gemeinsam mit dem Stromnetzbetreiber OsthessenNetz GmbH und dem Biosphärenreservat Rhön den Weißstorch in ihr Dorf zu holen. Dazu wird ebenfalls die ehemalige Auenlandschaft der Nüst renaturiert – eine Win-Win-Situation für Morles und den Storch.
„Ich wünschte mir, wir hätten jetzt schon einen Storch da.“ Die fünfjährige Emilia ist eine von den 40 kleinen Vogelfreunden des hiesigen Kindergarten St. Raphael, die am Dienstag gemeinsam mit Ewald Sauer vom Biosphärenreservat Rhön in Teamarbeit das Storchennest ausgekleidet haben. Während sich die Jungs auf das große Geäst stürzten, fühlten sich die Mädchen eher für das feine Reisig und die Ästhetik verantwortlich. Forstoberrat Sauer erklärte den Vorschulkindern, welche Bequemlichkeit der Weißstorch braucht. Als es aber daran ging, den Komfort mit Pferdemist zu fundieren, war der Naturschützer allein an der Front. Für die Auskleidung mit Moos konnten sich die Kinder eher erwärmen und arbeiteten mit vollem Körpereinsatz wieder mit.
„Wir wünschen der Gemeinde Nüsttal-Morles viel Erfolg beim Wettbewerb ‚Unser Dorf hat Zukunft‘. Natürlich freuen wir uns, dass wir mit unserem Engagement den Arten- und Umweltschutz weiter voran bringen können. Gleichzeitig wird mit dieser Initiative der ländliche Raum weiter gestärkt und die nächste Generation für wichtige Themen sensibilisiert“, so Michael Kimmel, Geschäftsführer der OsthessenNetz GmbH.
Zur gestrigen Aufstellung des Storchennestes nahe der Nüst versammelten sich viele Schaulustige auf der angrenzenden Weidefläche: Freiwillige, Eltern, Erzieher, Vertreter des Ortsbeirates und natürlich die Kinder aus dem Kindergarten St. Raphael. Hier erfuhren sie von Ewald Sauer viel Neues über den Storch. „In der Region haben wir bereits einige Jungstörche gesichtet, die im nächsten Jahr schon geschlechtsreif sein könnten. Perfekte Voraussetzungen. Wenn wir dann auch noch der Nüst ihren Schwemmbereich zurückgeben, sind die Lebensbedingungen optimal. Denn gerade in solchen Auenlandschaften findet der Weißstorch den Großteil seiner Nahrung. Und in diesem Fall sogar direkt vor der Haustür.“
Die Nest-Konstruktion wurde einmal mehr von den Auszubildenden der Lehrwerkstatt der RhönEnergie aus Metall gefertigt. In enger Zusammenarbeit mit dem NABU Haunetal wurde allerdings die bewährte Konstruktion leicht abgewandelt: So wurden die Verstrebungen enger gesetzt, damit sich der Pferdemist als Dämmstoff und Komfortzone besser im Horst hält. Mit der Polsterung aus Dung hatten die Naturschützer bisher gute Erfahrungen gemacht. Davon soll jetzt auch Morles profitieren. Der Holzmast unter der Bruthilfe stammt ebenfalls aus den Beständen der OsthessenNetz GmbH.
Ob Nüsttal-Morles mit diesem ganzheitlichen Engagement die Jury überzeugen kann, wird sich am 29. Juni zeigen. An diesem Tag besucht die Wettbewerbs-Kommission die Gemeinde. Aber nicht nur der Weißstorch kann in diesem Wettbewerb punkten. So schuf und schafft die Gemeinde artenreiche Ausgleichsflächen sowie Bruthilfen für Schwalben und andere seltene Arten. Gemeinsam mit dem Kindergarten wird zusätzlich ein großes Insektenhotel gebaut. +++ fuldainfo

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