Rhein würdigt Schwarz-Schilling

Ministerpräsident Boris Rhein (CDU)

Der Tod von Christian Schwarz-Schilling markiert das Ende eines politischen Lebens, das weit über Parteigrenzen hinaus Wirkung entfaltet hat. Mit 95 Jahren ist der frühere Bundesminister am Ostermontag im Kreis seiner Familie gestorben – und hinterlässt eine Lücke, die sich nicht allein an Ämtern oder Auszeichnungen messen lässt.

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein reagierte tief betroffen auf die Nachricht und würdigte Schwarz-Schilling als „prägende Stimme der Demokratie“. Es ist eine Formulierung, die in der politischen Sprache schnell verwendet wird – und doch in diesem Fall erstaunlich präzise wirkt. Denn Schwarz-Schilling war nie nur Amtsträger, sondern stets auch Vermittler, Mahner und Europäer aus Überzeugung.

Sein politisches Wirken spannte sich über Jahrzehnte: Als Bundesminister prägte er zwischen 1982 und 1992 zunächst das Post- und Fernmeldewesen, später die Telekommunikation – in einer Zeit, in der die Liberalisierung dieses Sektors die Grundlagen für die digitale Entwicklung legte. Doch wer ihn allein darauf reduziert, greift zu kurz. Früh schon richtete sich sein Blick über nationale Grenzen hinaus, insbesondere auf den Balkan.

1995 wurde Schwarz-Schilling zum internationalen Streitschlichter für die Föderation Bosnien-Herzegowina berufen. Eine Aufgabe, die diplomatisches Geschick ebenso verlangte wie persönliche Standfestigkeit. Zwischen kroatischen und muslimischen Volksgruppen zu vermitteln, bedeutete mehr als politische Gespräche zu führen – es war der Versuch, Vertrauen dort wiederherzustellen, wo es längst zerstört schien. Später setzte er dieses Engagement als Hoher Repräsentant fort.

Auch jenseits offizieller Funktionen blieb er aktiv. 2003 gründete er eine eigene Stiftung, die sich der Völkerverständigung und der Unterstützung von Flüchtlingen widmet. Organisationen wie Pro Asyl oder die Gesellschaft für bedrohte Völker fanden in ihm einen Unterstützer. Sein Einsatz für Menschenrechte war kein politisches Schlagwort, sondern gelebte Haltung.

Rhein erinnerte daran, dass Schwarz-Schilling sich bleibende Verdienste um die Völkerverständigung erworben habe. Als Schlichter und Versöhner werde er in Erinnerung bleiben – ebenso wie durch seinen unermüdlichen Einsatz für Frieden und Menschenrechte. Worte, die den Versuch unternehmen, ein Lebenswerk in knappe Sätze zu fassen, wohl wissend, dass es sich darin kaum vollständig abbilden lässt.

Auch innerhalb der hessischen CDU hinterlässt Schwarz-Schilling tiefe Spuren. Die Hessenunion würdigte ihn als prägende Persönlichkeit. Generalsekretär Leopold Born sprach von Dankbarkeit und Respekt vor einem „ereignisreichen und bewegten Leben“. Tatsächlich war Schwarz-Schilling über Jahrzehnte eine zentrale Figur: von 1967 bis 1980 Generalsekretär der CDU Hessen, zugleich über lange Zeit stellvertretender Landesvorsitzender.

Sein politischer Weg führte ihn durch alle Ebenen: vom Hessischen Landtag, dem er von 1966 bis 1976 angehörte, in den Deutschen Bundestag, dessen Mitglied er von 1976 bis 2002 war. In der Exekutive ebenso präsent wie in der Legislative, verband er politische Gestaltung mit langfristiger strategischer Arbeit innerhalb der Partei.

Auszeichnungen begleiteten diesen Weg, ohne ihn zu definieren: der Hessische Verdienstorden 1990, das Große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland 1992, die Wilhelm-Leuschner-Medaille 2002 als höchste Ehrung des Landes Hessen, schließlich 2007 der Hessische Friedenspreis. Sie markieren Stationen eines Engagements, das sich immer wieder neu ausrichtete, aber seinem Kern treu blieb.

Bis zuletzt blieb die Verbindung zur Partei bestehen. Noch vor Kurzem wurde Schwarz-Schilling für 65 Jahre Mitgliedschaft in der CDU Hessen geehrt – ein Zeitraum, der politische Entwicklungen umfasst, die heute fast historisch wirken.

Mit seinem Tod verliert Hessen nicht nur einen ehemaligen Minister, sondern eine Persönlichkeit, die Politik als Verpflichtung verstand: zur Vermittlung, zur Verantwortung, zum Ausgleich. Oder, weniger pathetisch formuliert: einen, der daran glaubte, dass politische Arbeit dann ihren Wert entfaltet, wenn sie den Menschen dient – und nicht sich selbst. +++


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