Priesterweihe in Fulda: Ivan Kolodii folgt seiner Berufung

Vor Kurzem gestaltete Ivan Kolodii im Fuldaer Dom den ökumenischen Friedensgottesdienst mit. Hintergrund war der vierte Jahrestag des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. Foto: Marzena Seidel

Für Ivan Kolodii ist der 15. März ein ganz besonderer Tag. In der Fuldaer Stadtpfarrkirche wird der 31-Jährige an diesem Sonntag zum Priester geweiht. Die Weihe erfolgt nach dem byzantinischen Ritus der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche (UGKK). Spender der Priesterweihe ist Bischof Dr. Bohdan Dzyurakh, Apostolischer Exarch der UGKK in Deutschland.

Der Weiheritus weist verschiedene liturgische und rituelle Besonderheiten auf. Ein wesentlicher Unterschied zum römisch-katholischen Ritus liegt im eigenen liturgischen Ausdruck und in der kirchlichen Tradition. Dazu gehört auch die Möglichkeit, dass Männer, die sich für ein Leben in der Familie entschieden haben und bereits vor der Diakonenweihe verheiratet waren, zu Priestern geweiht werden können. Kolodii ist seit Juni 2023 mit Anna Kolodii verheiratet. Die Weihe am 15. März empfängt er von Bischof Dr. Bohdan Dzyurakh, dem Apostolischen Exarchen der UGKK in Deutschland.

Der gebürtige Ukrainer Ivan Kolodii war zuvor im September 2025 in der Stadtpfarrkirche zum Diakon geweiht worden. Zuvor hatte er im Sommer 2017 in seiner Heimat Ivano-Frankivsk das Masterstudium der Katholischen Theologie und die Seelsorgeausbildung am Priesterseminar der Griechisch-Katholischen Kirche erfolgreich abgeschlossen. Im Anschluss bekam er die Möglichkeit, in Deutschland ein Vertiefungsstudium zu beginnen mit dem Ziel, den akademischen Grad des Lizentiats zu erwerben. „Am Priesterseminar in Fulda habe ich die deutsche Sprache gelernt und meine Lizentiatsarbeit im Fachbereich Altes Testament geschrieben“, berichtet er.

Schon zu Beginn seiner anschließenden Ausbildung zum Pastoralreferenten formulierte Ivan Kolodii einen Wunsch, der für ihn bis heute gilt: „Von ganzem Herzen möchte ich meine Berufung und die Kenntnisse, die ich während des Studiums erworben habe, für die Kirche einsetzen. Die schönste Berufung besteht darin, dem Nächsten zu dienen und dadurch ein Werkzeug in Gottes Händen zu sein.“

Dankbar blickt er auf die Unterstützung zurück, die er auf seinem Weg erfahren hat. Besonders nennt er den Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber sowie Bischof Bohdan Dzyurakh, den Apostolischen Exarchen der UGKK in Deutschland. Geprägt und gefördert haben ihn außerdem – auf unterschiedliche Weise – sein Spiritual im Priesterseminar in der Ukraine, Pfarrer Jaroslaw Tymischak, Weihbischof Mykola Symenyschyn von Iwano-Frankiwsk, Fuldas Stadtpfarrer Stefan Buß und der Fuldaer Klinikpfarrer Peter Bierschenk. Als großes Vorbild nennt Kolodii zudem den Kapuziner und Ordenspriester Pater Pio, der in seinem ganzen Tun und seiner Hingabe für die Menschen da gewesen sei und Christus nachgefolgt sei.

Die Menschen in ihren Nöten nicht allein zu lassen – dieses Anliegen verbindet er auch mit dem Krieg, der seit nunmehr vier Jahren in der Ukraine tobt. „Ich kenne keine Familie, die nicht betroffen ist“, sagt Kolodii. Verwandte und Bekannte seien an der Front eingesetzt oder gestorben, so auch ein Mitseminarist. Man könne in dieser Situation nur auf Gott vertrauen und um Frieden bitten. Gerne erinnert er sich an den ökumenischen Friedensgottesdienst am 28. Februar im Fuldaer Dom. Dieser habe gezeigt, wie wichtig es sei, in diesen Zeiten für Kriegsflüchtlinge da zu sein. „Trost spenden und Hilfe geben. Da sein und die Menschen nicht alleine lassen. Auch damit folgen wir Christus nach.“

Doch wie begann eigentlich sein Weg, der Berufung zu folgen? Zu Beginn des Priesterseminars in seiner ukrainischen Heimat sei er zunächst von dem Gedanken geleitet gewesen: „Ich schaue erst einmal und entscheide mich dann.“

In diesem Zusammenhang zitiert Ivan Kolodii gerne aus dem Matthäusevangelium (17,1–8), die Verklärung des Herrn. Dieses zentrale Ereignis beschreibt, wie Jesus auf einem hohen Berg vor Petrus, Jakobus und Johannes in göttlichem Licht erscheint. Die Jünger erleben zunächst die Herrlichkeit Gottes, und Petrus sagt: „Herr, es ist gut, dass wir hier sind.“ Darauf folgt die bewusste Entscheidung, bei Gott zu bleiben: „Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen …“

Ähnlich habe auch er es erlebt, erzählt Kolodii. Wie die Jünger auf dem Berg zunächst die Verklärung und die Herrlichkeit Gottes gesehen hätten und dann erkannten, wie gut es sei, in seiner Gegenwart zu sein, so habe auch er sich entschieden, in dieser Gegenwart Gottes zu bleiben. Aus dieser Erfahrung heraus sei der Entschluss gereift, die Ehre Gottes nicht nur für sich zu betrachten, sondern sie im aktiven Dienst als Priester mit den Menschen zu teilen.

Ihm sei bewusst geworden, dass er von Gott eingeladen sei, in seinen Dienst zu treten. Ursprünglich habe er allerdings ganz andere berufliche Pläne gehabt: Entweder Lehrer wollte er werden oder im Hotel- und Gaststättengewerbe arbeiten.

Geradezu ins Schwärmen gerät der 31-Jährige, wenn er über Fulda spricht. Hier habe er eine sehr herzliche Aufnahme erfahren dürfen, die Stadt sei für ihn „ein Stück Heimat“ geworden, in der er sich sehr wohl fühle. „Die Menschen sind freundlich, begegnen einem immer mit einem Lächeln.“ Diese Erfahrung mache er immer wieder bei Begegnungen in seinem Arbeitsfeld, der Stadtpfarrei.

Nach der Priesterweihe wird Ivan Kolodii für beide Kirchen im Einsatz sein – was zunächst sogar der Zustimmung des Papstes aus Rom bedarf. Dies bedeutet in erster Linie einen Dienst für „seine“ Ukrainisch-Griechisch-Katholische Kirche und darüber hinaus auch für die römisch-katholische Kirche, hier in der Stadtpfarrei Fulda.

Hintergrund: Wer heute Priester im Bistum Fulda werden möchte, durchläuft eine klar strukturierte Ausbildung, die sich deutlich von früheren Wegen unterscheidet. Während die Priesterausbildung lange Zeit unmittelbar in Fulda stattfand, setzt das Bistum inzwischen auf Kooperationen mit anderen Diözesen, spezialisierte Ausbildungsorte und eine intensive persönliche Begleitung der Bewerber.

„Im persönlichen Gespräch versuchen wir, Motivation und innere Neigung zum Priestertum sorgfältig zu klären und zu begleiten. Zugleich achten wir darauf, dass die notwendige menschliche, geistliche und fachliche Eignung für diesen Dienst gegeben ist“, betont Regens Dr. Dirk Gärtner, Leiter des Bischöflichen Priesterseminars in Fulda.

Begleitet wird diese Phase von der Berufungspastoral des Bistums. In Gesprächen, Veranstaltungen und geistlichen Angeboten werden Berufene dabei unterstützt, eine Vision für ihr Leben zu entwickeln. Erst wenn diese Phase der Selbstfindung und geistlichen Klärung tragfähig abgeschlossen ist, folgt der nächste Schritt auf dem Weg zum Priestertum: die Bewerbung als Priesterkandidat beim Regens der Diözese Fulda.

Zum Vorbereitungsjahr, das sich der Phase der Orientierung und Selbstfindung anschließt, gehen Kandidaten aus dem Bistum entweder nach Freiburg, Bamberg oder Trier, deren Programme jeweils eigene Schwerpunkte setzen.

Die anschließende Studienphase von zehn Semestern mit dem Abschluss eines Magister theologiae absolvieren die Priesteramtskandidaten aus Fulda derzeit an der Ludwig-Maximilians-Universität in München oder an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt.

Neben klassischen Bewerbern haben auch Quereinsteiger eine Chance: Männer, die bereits ein Theologiestudium abgeschlossen haben, sich auf dem Weg der Lehrerausbildung befinden oder andere Vorstudien mitbringen und sich erst später für den priesterlichen Dienst entscheiden. Darüber hinaus ist es auch möglich, Priester zu werden, ohne das Abitur zu besitzen. Spätberufene mit abgeschlossener Berufsausbildung und einiger Berufserfahrung können sich im Priesterseminar St. Lambert Lantershofen auf den priesterlichen Dienst vorbereiten. +++ red.


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