„Priester mit Sehnsucht in ihren Herzen“

Traditionelle Hrabanus-Maurus-Akademie – Festvortrag thematisierte Wahrheiten der Schrift

Fulda. „Unser Bistum braucht Priester, die ‚mit lauterem Herzen Gott suchen‘, also Priester mit Sehnsucht in ihren Herzen, die sich nicht mit vorschnellen Antworten zufriedengeben“, unterstrich der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen am Montag im Auditorium maximum der Theologischen Fakultät Fulda. Der Oberhirte, der in seiner Eigenschaft als Großkanzler der Theologischen Fakultät ein Schlusswort zur traditionellen Hrabanus-Maurus-Akademie sprach, bezeichnete es als Aufgabe der Professoren und Studenten der Theologie, sich dem großen Geheimnis Gottes je und je zu nähern. Anbetung sei keine Unterwerfung, sondern „dankbares Anerkennen, dass Gott sich von uns finden lässt“. Der Bischof zitierte den 1945 von den Nationalsozialisten ermordeten Jesuiten Alfred Delp: „Das gebeugte Knie und die hingehaltenen leeren Hände sind die beiden Urgebärden des freien Menschen“. Die Suche nach Gott habe auch den roten Faden im Leben des Fuldaer Abtes Hrabanus Maurus gebildet, der seine Arbeit ganz in den Dienst der Kirche gestellt habe. In der heutigen gesellschaftlichen Atmosphäre sei die Suche nach Gott nicht mehr selbstverständlich, denn Gleichgültigkeit und Indifferentismus, „die eigentlichen Feinde der Wahrheit“, raubten die Kraft, in die Glaubenswirklichkeit hinüberzuschauen, und lägen „wie Mehltau“ über dem geistigen Leben der modernen Gesellschaft.

Verabschiedung langjähriger Dozenten und Ehrung von Abschlussarbeiten

Zu Beginn der Festakademie hatte Rektor Prof. Dr. Christoph Gregor Müller den Bischof sowie Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez, die Domkapitulare und Professoren der Theologischen Fakultät und zahlreiche Gäste aus Gesellschaft, Kirche und Wissenschaft begrüßt. Im Laufe der Veranstaltung wurde der Referent, Hochschuldozent Dr. Klaus Dorn (Marburg), für 35 Jahre Lehrtätigkeit mit einer Festschrift geehrt und in den Ruhestand verabschiedet. Der Rektor dankte des Weiteren Offizialatsrat Eric Janson und Studienrätin Dr. Andrea Paul für ihr langjähriges Wirken am Katholisch-Theologischen Seminar der Universität Marburg. Sodann sprach er dem scheidenden Justitiar des Bistums, Dr. Albert Post, und Domkapitular Professor Dr. Lothar Wächter seinen Dank für ihre Lehrtätigkeit an der Theologischen Fakultät aus. Ihre Promotionsurkunden erhielten Justin Kamwanya Kishimbe aus dem Kongo und Nazariy Mysyakovskyy aus der Ukraine. Für ihre akademischen Abschlussarbeiten wurden den angehenden Pastoralreferentinnen Sarah Benkner, Katharina Kraus und Victoria Angelstein der mit je 1.000 dotierte Eduard-Schick-Preis verliehen. Die Akademieveranstaltung wurde von Marius Hübner, Dominik Ritter und Raphael Weichbrodt mit hebräischen Liedern und Musikstücken umrahmt.

Festvortrag über die Wahrheiten der Schrift an alttestamentlichen Beispielen

In seinem Vortrag „Die verschiedenen Wahrheiten der Schrift“ verdeutlichte Dr. Dorn am Beispiel der alttestamentlichen Könige Joschija und Ahab, wie die historischen Ereignisse und die Situation der Erzählzeit sich unterschieden. Joschija habe als idealer König gegolten, der aber eines gewaltsamen Todes starb, während der als schlecht eingestufte Ahab friedlich entschlafen war. Für die Verfasser der Texte passte dieser Kontrast nicht zusammen, so dass sie die Geschichte im Sinne der Heilsgeschichte neu interpretieren mussten. So sei der gewaltsame Tod des Joschija durch eine Prophetie der Hulda und ein Sterben erst nach der Verwundung in der heiligen Stadt Jerusalem umgedeutet worden. „Die verschiedenen Deutungen der Geschichte neben der keineswegs unterschlagenen Historie auszuhalten ist das eigentlich Bewundernswerte der alttestamentlichen Geschichtsschreibung“, betonte Dr. Dorn. +++ (pm/bpf)

Zieherser Hof

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.