Es spricht viel dafür, dass sich dieses Datum und dieser Tag im Leben des Para-Radsportlers Maximilian Jäger einprägen und einen besonderen Platz einnehmen. Am Freitag, 4. September, wurde der Bad Brückenauer in Huntsville im US-Staat Alabama Weltmeister im Einzel-Zeitfahren. Damit wiederholte er seinen Triumph aus dem Jahr 2023, als er sich in derselben Disziplin zum Titelträger und Besten der Welt krönte.
Die Freude war überschäumend. Einiges musste raus, nachdem das Resultat feststand. „Eine Riesen-Erleichterung“, sprudelte es aus Maxi Jäger, „ich hatte hart darauf hingearbeitet“. Sein Freudenschrei kennzeichnete die gelöste Stimmung – so, dass sowohl der Teammanager als auch der Bundestrainer erschraken. „Der aktuelle Titel bedeutet mir mehr als der von vor drei Jahren. Weil der Ausgang so knapp war“, schob der Weltmeister nach.
Auf der 14,8 Kilometer langen Strecke kam Jäger mit der Zeit von 22 Minuten, 22 Sekunden und 0,7 Millisekunden ins Ziel. Mit einer Sekunde und 0,1 Millisekunden Vorsprung auf den zweitplatzierten Briten Callum O‘Neill – so eng geht es bisweilen im Spitzensport zu. Und Jäger benannte sein Ziel. „Letztes Jahr war ich ja Vize-Weltmeister. Die Erwartung war schon sehr hoch. Ich wollte auf jeden Fall aufs Podium.“ Er präzisierte, dass sein Wunsch schon der Titel des Vize-Weltmeisters gewesen sei, „aber dass es zu Platz eins reichte …“ Ihm schienen die Worte zu fehlen.
Die Temperaturen in Huntsville waren extrem hoch, als Maximalwert zeigte das Thermometer 39 Grad. Der Veranstalter hatte Kühlungen auf der Strecke angebracht, einer „überdimensionalen Dusche“ ähnlich. „Die Kühlung ist sehr wichtig bei diesen Bedingungen. Sie hilft immens“, erklärte der Titelträger. Das Rennen entwickelte sich buchstäblich zum „heißen Kampf“. Was Maxi zudem gelegen kam: Bundestrainer Gregor Lang fuhr hinter ihm her auf der Strecke. „Er hatte einen Knopf im Ohr und ist hinter mir her gefahren. Er musste aber kaum was sagen“, erklärte der spätere Erste. Als die letzten zwei Kilometer anbrachen, meldete sich der Bundestrainer, um seinen Schützling mit Worten der Motivation zu unterstützen. „Komm, Maxi. Hau nochmal alles raus.“
Der Lohn war der Weltmeister-Titel. Alles löste sich in diesem Moment auf. Alles. Die ganze Anspannung fiel ab. Maximilian Jäger war überwältigt. Er musste Freudentränen verdrücken. Auch das dreiwöchige Trainingslager in Freiburg vom 3. bis zum 23. August hatte sich ausgezahlt.
Sportler wollen immer gewinnen und möglichst weit vorne landen – doch eher zweitrangig in diesem Zusammenhang seine Platzierung im Straßenrennen. Maxi Jäger kam als achtbarer Fünfter ins Ziel. 15 Starter nahmen den Kurs in Angriff, 13,6 Kilometer mussten dreimal absolviert werden – macht 41 Kilometer. Wegen unsportlichen Verhaltens eines Konkurrenten stürzte Jäger zwei Kilometer vor dem Ziel. Er fiel „zum Glück in eine Wiese“ – aber auch der Bordstein war im Spiel. An dem blieb Maxi hängen. Und zum weiteren Glück war der Bundestrainer in der Nähe. Er half.
Diese Szene zeigt, dass Freud und Leid, gerade im Spitzensport, nah beieinander liegen. Und wie grausam und bitter die Szenerie bisweilen ist. Im Kampf um Meter oder Sekunden. Im Kampf um Vorteile. Auch wenn sie noch so klein und gering sind. Beide Fahrer – Maxi und jener, der ihn zum Sturz zwang – waren lange vorn und bestimmten das Rennen. Sei‘s drum: Maximilian Jäger legte noch einmal alles rein und fuhr mit einer Minute Rückstand noch auf Rang fünf. Das deutsche Team legte natürlich Protest ein gegen das unsportliche Verhalten des Konkurrenten.
Der Bad Brückenauer zog indessen ein Fazit, das positiv daherkommt. „Ich bin mit meiner Leistung mehr als zufrieden. Weltmeister im Zeitfahren – mehr geht nicht. Das ist das Zweithöchste nach einer paralympischen Medaille.“ Es fühlte sich gut an, der schnellste Zeitfahrer der Welt zu sein. +++ rl

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