Neues Touristik-Angebot der Stadt Tann hatte Premiere

Mit dem Oldtimer-Bus und edlen Tropfen im Kofferraum ins Mittelalter

"In vino veritas" - in diesem Sinne räumte Andreas Knüttel vom Haselsteiner Geschichtsverein mit mancher um die Burg Haselstein rankenden Legende auf. Links Michael Zörgiebel vom Tanner Tourismusbüro, das die Wein-Erlebnisreisen veranstaltet. Foto: S. Limpert

„Wenn sich Burg und Schloss im Tanner Weinglas spiegeln“, lautet der Untertitel zu einer „Geistreichen Erlebnisreise“, zu der seit neustem die Tourist-Info Tann einlädt. Rund 1430 Liter Riesling, 3000 Liter Frankenwein, 4000 Liter Wein aus Münnerstadt und 1000 Liter vom eigenen Weingut in der Wetterau: Diese Menge – so erfuhren die elf Tour-Teilnehmer unterwegs – war 1564 zur Hochzeit des jüngsten Sohnes Eberhards von der Tann in die Rhönstadt geliefert worden.

Dagegen nahm sich der Weinkonsum während der ersten Rundfahrt geradezu bescheiden aus: Sechs Flaschen von vier Sorten Frankenwein des Weinguts Von der Tann aus Iphofen bei Würzburg leerten die Premiere-Gäste. Während Wein im Mittelalter die gesündere Alternative zum häufig verunreinigten Wasser darstellte, führte die Hitze an diesem Tag dazu, dass die Teilnehmenden auch gerne zu Mineralwasser und Saft griffen.

Einen Eindruck davon, wieviel Mühe es früher kostete, Trinkwasser und andere Lebensmittel auf die Burgen zu schaffen, vermittelten die Aufstiege zu den Ruinen Auersburg und Haselstein. Genau zu einem solchen Aha-Erlebnis vor Ort soll die Fahrt beitragen: „Wir wollen als Fortsetzung unserer Ausstellung über Adel und Ritter der Rhön die Historie unserer Heimat erlebbar machen“, erklärt Initiator Manfred Dehler die Idee hinter der Tour.

Wer gerade den steilen Berg zur Burg Haselstein hinaufkeucht, versteht sofort, warum die Vorfahren auf halber Höhe einen Vorratskeller angelegt hatten. Details zu diesem sogenannten Eselskeller erläuterte Andreas Knüttel vom Haselsteiner Geschichtsverein. Er zeigte auch, wo die Esel tatsächlich gestanden hatten, löste das Rätsel um einen vermeintlichen Geheimgang und berichtete Allgemeines über die Burg, auf der Eberhard von der Tann 1495 das Licht der Welt erblickt hatte. Die grandiose Aussicht, gekrönt von einem Gläschen Rotling in der Hand, belohnte für die Anstrengung. Trotzdem sollen die Gäste künftig vorher entscheiden, ob sie den Aufstieg wagen oder lieber weiter unten im Schlosshof den Wein genießen möchten.

Mit den Bergen zu kämpfen hatte auch der 31 Jahre alte, von Fahrerin Anke Landsiedel gelenkte Nostalgie-Bus der RhönEnergie Fulda, den die Stadt für die Erlebnistouren anmietet. Der Oldtimer hat keine Klimaanlage, aber Hauptsache, die Getränke blieben in der Kühltasche im Kofferraum des Busses wohltemperiert. Dass es gemächlich durch die Rhöner Landschaft – von Tann und Hilders über Schloss Bieberstein nach Haselstein und von dort nach Point Alpha ging – trug zum besonderen Flair des Ausflugs bei. Außerdem nutzte Dehler die Fahrzeit, um aus der Tanner Geschichte und vom harten, aber mitunter ausschweifenden Leben auf mittelalterlichen Burgen zu erzählen.

Roland Frormann, ehemaliger Geschäftsführer der Touristik-GmbH des Landkreises, zeigt sich nach der Teilnahme von der Tanner Fahrt, die über die eigene Stadtgrenze hinausblickt, angetan: „Für Besucher ist es reizvoll, wenn das Gemeinsame einer Gegend vermittelt wird. Die Darstellung der Geschichte im Zusammenhang – und dazu die Kombination mit der Weinverkostung – ist in der Rhön bislang einmalig.“

Doch nicht nur an Touristen richtet sich das Angebot. „Wir waren zuletzt während unserer Schulzeit auf der Auersburg“, sagt die Tannerin Erna Hütter, die gemeinsam mit ihrem Mann teilnahm. „Häufig kennt man die nächste Umgebung nicht“, ergänzt Hans-Joachim Hütter. „Auf Burg Haselstein waren wir beide jetzt das erste Mal.“ Die Erlebnisreise hat dem Ehepaar so gut gefallen, dass es schon die nächste Tour gebucht hat. Diese findet am Samstag, 22. September, ab 14 Uhr statt und startet und endet am ZOB in Fulda. Sie führt in etwa fünf Stunden über die Milseburg, Auersburg, Tann und die Burgreste in Petersberg-Steinau – alles Orte, an denen sich auch Tanner Geschichte widerspiegelt. +++ sl

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