Neues Schmuckstück in Bad Salzschlirf – Historischer Dreiseithof saniert

Ehemalige Herberge von Badgründer Martiny

Der Giebel erhielt eine neue Außendämmung, die Gefache wurden neu ausgemauert, und auch die Fenster wurden erneuert.

Bad Salzschlirf. In der von vielen Fachwerkhäusern gesäumten Kirchstraße des Kurorts Bad Salzschlirf prangt seit Kurzem ein neues Schmuckstück. Familie Seibert hat den 1750 erbauten Dreiseithof in der Nummer 9 mit dem Hausnamen „Lerche“ von Grund auf saniert und daraus ein Heim mit besonderer Wohnqualität geschaffen.

Im Jahr 2012 übernahm Patrick Seibert das Wohnhaus des Hofs, der bis in die 1990er Jahre von seinen Großeltern bewirtschaftet wurde und danach in den Besitz des Onkels überging. Immer war das Ziel, irgendwann selbst dort einzuziehen. „Die Alternative wäre ein Neubau auf der grünen Wiese gewesen, aber wir wollten schon immer lieber ein Zuhause mit Tradition und mittendrin im Ort“, erklärt der 40-jährige Familienvater seine Motivation. Das Wohngebäude war zwar nie unbewohnt, allerdings entsprach es weder den Ansprüchen der neuen Eigentümer an modernes Wohnen noch den Auflagen des Denkmalschutzes.

Die Sanierung des Wohngebäudes samt Abriss veralteter Stallungen dauerte schließlich vier Jahre. Ein Team aus vier bis fünf Helfern stemmte die Arbeit überwiegend in Eigenleistung. Im ersten Jahr wurde das Haus komplett entkernt. Dabei mussten auch Wände weichen, um größere Räume zu schaffen. Drei weitere Jahre wurden für die Aufbauzeit verwendet. Für die Begradigung von Innenwänden kamen 20 Tonnen Lehm als Putzmasse zum Einsatz. Die holzverkleidete Giebelseite bekam eine neue Außendämmung, die Hofinnenseite eine Innendämmung. Insbesondere die Giebelverschalung unterlag besonderen Denkmalschutzauflagen. „Die Zusammenarbeit mit dem Amt für Denkmalschutz verlief sehr konstruktiv. Ich habe die Auflagen immer mehr als Unterstützung denn als Hemmnis empfunden“, beschreibt Seibert seine Erfahrungen.

In den 1970er Jahren hatte Seiberts Großvater die Fenster vergrößert und eine neue Toilette eingebaut. Hierfür und auch für den Bau eines Seiteneingangs, der einen schnelleren Zugang zu den Stallungen ermöglichte, wurde teilweise das alte Fachwerk zerstört. All diese „Bausünden“ wurden von den Seiberts nach und nach beseitigt. Die Fassade des Wohnhauses habe zeitweise nur noch als Holzskelett dagestanden. Die Gefache mussten anschließend mit Lehmstein neu ausgemauert werden. Die wunderschön gearbeitete Eingangstür ist ein einflügeliger Nachbau der zweiflügeligen Original-Tür, die nicht mehr richtig schloss. Auch die Fenster wurden als zweiflügelige Varianten erneuert. Unzählige Arbeitsstunden und etwa 200.000 Euro Materialkosten sind in die Sanierung des „Lerche-Hauses“ geflossen. Eine Förderung durch den Landkreis in Form einer Kreisbeihilfe zu den Fenstern steht in Aussicht.

Es sei ein Mammutprojekt gewesen, aber aufgeben sei für ihn und seine Familie nie in Frage gekommen. Dafür fühlen sich die Seiberts auch viel zu sehr mit ihrem Ort verbunden, für dessen kulturelle Belebung sie sich seit rund 14 Jahren im „Dreschhall-Team“ ehrenamtlich engagieren. Der lose Zusammenschluss von rund 40 befreundeten Aktiven hat unter anderem den Gradierpavillon im Kurpark gebaut. Auch der neue H2O-Park, dessen Eröffnung 2018 geplant ist, ist ihr Projekt. Über so viel Einsatz für die Attraktivität seines Heimatortes freut sich auch Bürgermeister Matthias Kübel. „Es ist toll, dass sich junge Leute so für die Erhaltung des kulturellen Erbes von Bad Salzschlirf einsetzen.“

Die viele Arbeit kann sich sehen lassen. Heute entspricht das Wohngebäude des „Lerche-Hofs“ wieder seiner ursprünglichen Erscheinung. Zwei hübsch bemalte Figurenreliefs in Höhe des Obergeschosses schmücken die Hofinnenseite, und die Inschrift auf der Stockschwelle verweist in weißen Lettern auf Bauherr, Baumeister und Baujahr. Im Juli 2016 konnte die erst vor wenigen Wochen auf vier Personen angewachsene Familie Seibert endlich einziehen. Auch im Inneren ist das Fachwerk in Form freigelegter Balken sichtbar. Das viele Holz sorgt für eine behagliche Atmosphäre – eine echter Landhaustraum. „Wir fühlen uns hier absolut wohl. Im Sommer ist es durch den Lehmputz schön kühl, im Winter dank moderner Fußbodenheizung und zusätzlichem Ofen schnell warm“, erzählt Sina Seibert.

Ein bisschen Historie hat Patrick Seibert beim Umbau schließlich auch ausgegraben. Es gebe Schriftstücke, die belegen, dass der Badgründer und Ehrenbürger des Kurorts, Dr. Eduard Martiny, zwischen 1840 und 1850 einige Zeit in dem Haus gewohnt haben soll. +++

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