Neue Umlage: Familien zahlen rund 580 Euro mehr für Gas

Sozialverbände pochen auf schnelle Entlastungen für Ärmere

Die Höhe der neuen Gasumlage steht fest: Ab Oktober zahlen Gaskunden für jede verbrauchte Kilowattstunde zusätzlich 2,419 Cent. Für eine Familie mit einem Verbrauch von 20.000 kWh bedeutet das Mehrkosten von 484 Euro pro Jahr. Wird auf die Gasumlage zusätzlich die Mehrwertsteuer fällig, steigen die Kosten sogar auf 576 Euro. Das zeigen Berechnungen des Vergleichsportals Verivox.

Gasumlage erhöht Gasrechnung um 16 Prozent

Die jährlichen Gaskosten für den Musterhaushalt (20.000 kWh) belaufen sich im August 2022 auf durchschnittlich 3.568 Euro. Mit Einführung der Gasumlage steigen die Kosten um 576 Euro (brutto) auf 4.144 Euro an. Das entspricht einer Mehrbelastung von 16 Prozent. Für einen Single-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 5.000 kWh verteuert sich die jährliche Gasrechnung um 144 Euro (brutto), ein Paar-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 12.000 kWh zahlt 345 Euro (brutto) mehr. „Die Gaspreise haben sich im Jahresvergleich bereits jetzt fast verdreifacht. Mit der neuen Umlage verteuert sich Gas weiter. Viele Haushalte werden dadurch massive finanzielle Probleme bekommen“, sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox. Neben der Gasumlage kommen auf Verbraucher weiter steigende Kosten zu: Für August, September und Oktober haben örtliche Gasgrundversorger 166 Preiserhöhungen um durchschnittlich 47,7 Prozent angekündigt. Das entspricht Mehrkosten von rund 914 Euro im Jahr. Die Gasumlage ist hier noch nicht einmal berücksichtigt. Die Versorger reichen damit die hohen Einkaufspreise an ihre Kunden durch. So sind die Einfuhrpreise für Erdgas, die vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gemessen werden, auf Jahressicht um gut 200 Prozent gestiegen. An den Spotmärkten, wo Gas kurzfristig gehandelt wird, haben sich die Preise für Erdgas in den letzten zwölf Monaten mehr als versiebenfacht. „Die neue Umlage katapultiert die Gaspreise auf fast 21 Cent pro Kilowattstunde. Sie könnten allerdings noch deutlich höher steigen, denn die Großhandelspreise für Gas liegen derzeit sogar über diesem Niveau. Ein Ende der Preiserhöhungen ist also noch nicht in Sicht. Dieser Winter wird mit Sicherheit der teuerste aller Zeiten werden,“ sagte Thorsten Storck weiter.

Sozialverbände pochen auf schnelle Entlastungen für Ärmere

Mehrere Sozialverbände pochen nach der Bekanntgabe der Höhe der geplanten Gasumlage auf schnelle weitere Hilfen des Staates für ärmere Haushalte. „Die Bundesregierung darf die Menschen mit kleinem Geldbeutel jetzt nicht allein lassen“, sagte der Präsident des Sozialverbands Deutschland (SoVD), Adolf Bauer, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Bundesregierung müsse endlich effektiv und zielgerichtet Rentnern, Menschen in Grundsicherung und Geringverdienern helfen. Es brauche jetzt schnell „armutsfeste Regelsätze“ in der Grundsicherung sowie die Einführung der Kindergrundsicherung. „Außerdem ist eine Wohngeldreform nötig und die bislang völlig ignorierten Millionen Menschen in Rente brauchen schnell eine 300-Euro-Energiepauschale.“ Bauer warnte davor, dass die Gasumlage in Höhe von 2,419 Cent die Teuerungsrate in Deutschland nochmals deutlich erhöhen werde. „Auf einen Familienhaushalt kommen damit zusätzlich zu den gestiegenen Gaspreisen durch die Gasumlage Mehrkosten von mehreren hundert Euro zu“, sagte Bauer. „Es ist außerdem zu befürchten, dass viele, bei denen es bisher gerade so gereicht hat, durch die verzögerte Wirkung der Gasumlage rückwirkend in die Grundsicherung abrutschen.“ Auch vom Paritätischen Gesamtverband kamen Forderungen nach Entlastungen. „Wir nehmen die Bundesregierung beim Wort und erwarten umfassende Hilfen für alle, die sie benötigen“, sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider am Montag. „Es braucht hier kein Entlastungspäckchen für alle, sondern ein großes Paket für die Armen.“ Konkret fordere der Verband eine Anhebung des Regelsatzes auf 678 Euro und eine Ausweitung des Wohngeldes, damit es einen Ausgleich für alle gestiegenen Kosten gebe. Diese Maßnahmen müssten umgehend, nicht erst ab Januar 2023 getroffen werden.

Zwölf Importeure haben für Gasumlage 34 Milliarden Euro angemeldet

Hinter der geplanten Gasumlage in Höhe von 2,419 Cent pro Kilowattstunde stecken die Anmeldungen von zwölf Gasimporteuren im Umfang von insgesamt 34 Milliarden Euro. Das teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Montagmittag mit. Die Gesamtsumme beziehe sich auf den Umlagezeitraum bis Anfang April 2024 und entspreche 90 Prozent der erwarteten Ersatzbeschaffungskosten für diesen Zeitraum. Zunächst handelt es sich dabei nur um Prognosen. „Am Ende des Umlagezeitraums wird dann anhand der tatsächlichen Kosten abgerechnet“, so das Wirtschaftsministerium. Diejenigen Gasimporteure, die wegen ihrer Ersatzbeschaffungskosten für ausfallendes russisches Gas die Umlage in Anspruch nehmen wollten, konnten 90 Prozent ihrer voraussichtlichen Mehrbeschaffungskosten geltend machen. Dabei durften nur Mengen angerechnet werden, die ursprünglich in Bestandsverträgen in Bezug auf russische Erdgaslieferungen zugesichert worden waren. Die entsprechenden Lieferverträge mussten vor dem 1. Mai 2022 abgeschlossen worden sein. Welche Unternehmen letztlich ihre Kosten angemeldet haben, teilte das Ministerium zunächst nicht mit. RWE und Shell hatten angedeutet, auf die Umlage zu verzichten. Diese Unternehmen hatten zuletzt Milliardengewinne gemeldet. +++

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Letzte Aktualisierung: 02.10.2022, 05:22 Uhr
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