
Vier Monate nachdem die Tafel Fulda e.V. von der Weserstraße im Kohlhäuser Feld in ihre neuen Räumlichkeiten unterhalb des Bürger- und Mehrgenerationenhauses am Aschenberg umgezogen war und hier bereits seit Dezember des vergangenen Jahres Lebensmittel ausgegeben werden, haben die Verantwortlichen im Rahmen einer kleinen Feierstunde zur offiziellen Eröffnung am Dienstagnachmittag Rückschau auf die vergangenen Monate, die herausfordernd gewesen seien, gehalten.
20 Jahre war der Verein, der sich hauptsächlich durch Spenden und seine Mitgliedsbeiträge finanziert, im Stadtteil Kohlhaus verortet, ein zunehmender Kundenstamm und damit einhergehend wachsende Herausforderungen, hatten den Umzug in die deutlich größeren Räumlichkeiten erforderlich gemacht. Die Idee, eine ehemalige Lebensmittelmarktimmobilie am Aschenberg für die Tafel zu nutzen, sei zunächst mit Zurückhaltung aufgenommen worden. Nach gemeinsamen Besichtigungen und sorgfältiger Prüfung habe sich jedoch gezeigt, dass der Standort erhebliches Potenzial bietet, die Arbeit der Einrichtung nachhaltig zu verbessern. Unterstützt von regionalen Unternehmen, Handwerksbetrieben und Planbüros investierte schließlich die Stadt in den Umbau der rund 738 Quadratmeter großen Fläche. Die Räumlichkeiten sollen in den nächsten Wochen weiter ausgebaut und an die Anforderungen des Vereins angepasst werden.
Der erste Vorsitzende der Tafel Fulda e.V., Stefan Schunck, dankte der Stadt Fulda und den anwesenden Vertretern der Unternehmen sowie allen Unterstützern der Fuldaer Tafel. Das Prinzip der Tafel sei klar: Überschüssige Lebensmittel würden gerettet und für einen kleinen Betrag an bedürftige Menschen, die berechtigt sind, bei der Tafel einzukaufen, weitergegeben. Woche für Woche steuern die Helferinnen und Helfer zwischen 50 und 60 Supermärkte, Bäckereien sowie Großhandelsbetriebe an, sammeln dort Waren ein, sortieren diese in den eigenen Räumen und geben sie anschließend an ihre Kundinnen und Kunden aus.
Anspruch auf die Unterstützung haben in der Regel Menschen mit Sozialausweis, geringem Einkommen oder Grundrente. Derzeit versorgt die Fuldaer Tafel rund 500 bis 600 Bedarfsgemeinschaften. Dahinter stehen etwa 1.500 bis 1.600 Menschen, die wöchentlich die Möglichkeit haben, dort einzukaufen. Eine Lebensmitteltüte mit Obst, Gemüse, Backwaren und Milchprodukten kostet drei Euro. Getragen wird die Organisation größtenteils von ehrenamtlichem Engagement aus der Bürgerschaft. Rund 120 Bürgerinnen und Bürger arbeiten bei der Fuldaer Tafel ehrenamtlich; lediglich eine Mitarbeiterin ist hauptamtlich beschäftigt. Auch der Vereinsvorstand engagiert sich ehrenamtlich. Insgesamt zählt der Verein in Fulda etwa 400 Mitglieder.
Die anwesenden Vertreter aus der heimischen Kommunalpolitik, Verbänden und Hilfs- und Rettungsorgansisationen würdigten die Einrichtung als „wichtigen Ort der praktischen Hilfe und des sozialen Zusammenhalts.“ Finanziert wird die Arbeit ausschließlich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge, die sich auf 36 Euro jährlich belaufen. Öffentliche Zuschüsse erhält die Tafel nicht. Laufende Kosten wie Miete, Energie oder Sachaufwand werden aus den Beiträgen gedeckt. Für die logistischen Aufgaben stehen aktuell fünf Transporter zur Verfügung.
Gegründet wurde die Einrichtung im Jahr 2003 von engagierten Bürgerinnen und Bürgern, die angesichts sozialer Herausforderungen in Fulda konkrete Hilfe leisten wollten. Aus ersten Gesprächen entstand eine Initiative, die sich im Laufe der Jahre zu einer festen Institution der sozialen Unterstützung in der Region entwickelte.
Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) hob insbesondere die langfristige Wirkung der Einrichtung hervor. Bürgerschaftliches Engagement über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg sei keineswegs selbstverständlich und habe Vorbildcharakter für die Stadtgesellschaft, während Fuldas Bürgermeister Dag Wehner (CDU) den Blick vor allem auf die Entstehung des neuen Tafelstandortes lenkte. Gerade während der Corona-Pandemie habe sich die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Tafel intensiviert. In einer Zeit großer Unsicherheit sei deutlich geworden, wie stark die Not vieler Menschen gewachsen sei. Gemeinsam habe man schnell und unbürokratisch Lösungen gefunden, um die Versorgung mit Lebensmitteln unter strengen Hygieneauflagen wieder aufzunehmen. Diese Erfahrungen hätten schließlich auch Gespräche über eine dauerhaft bessere räumliche Lösung angestoßen.
Auch Manuela Strube (SPD), Bürgermeisterin der Stadt Baunatal a.D. und Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales, zeigte sich bei ihrem Besuch beeindruckt von den neuen Räumen. Sie sprach von einem in Hessen nahezu „einmaligen Projekt“ und hob insbesondere die zentrale Rolle des Ehrenamts hervor. Ohne die freiwilligen Helferinnen und Helfer könne keine Tafel bestehen, betonte sie und dankte den zahlreichen Unterstützern ausdrücklich für ihren Einsatz. Das Motto „Lebensmittel retten und Menschen helfen“ verbinde alle Tafeln in Hessen, sagte Strube. Zugleich seien die Einrichtungen für viele Menschen weit mehr als reine Ausgabestellen. Sie böten Halt, Begegnung und soziale Kontakte – oft auch Schutz vor Einsamkeit. In Verbindung mit weiteren Angeboten entstünden Orte des Austauschs, an denen Menschen zusammenkommen könnten.
Strube verwies zudem auf die Größe der Fuldaer Einrichtung, die zu den größten Tafeln des Landes zähle. Ihren Angaben zufolge würden rund 700 Bedarfsgemeinschaften mit etwa 1.800 Menschen unterstützt, getragen von mehr als 130 Ehrenamtlichen. Dieses Engagement bezeichnete sie als „sehr, sehr stark“. Ihr Dank galt neben den Helferinnen und Helfern auch dem Vorstand, der die organisatorischen und administrativen Aufgaben bewältige und die Arbeit der Tafel wie ein kleines Unternehmen strukturiere.
Das Land Hessen habe das Projekt ebenfalls unterstützt, erklärte Strube weiter. Das Ministerium habe unter anderem 10.000 Euro bereitgestellt und einzelne Ausstattungsmaßnahmen finanziert. Darüber hinaus verwies sie auf die Unterstützung eines Zentrallagers in Wetzlar, über das unter anderem dringend benötigte Hygieneartikel an die Tafeln verteilt werden. Gerade solche Produkte seien für viele Betroffene unverzichtbar, würden von Unternehmen jedoch nicht immer in ausreichender Menge gespendet.
Mit Blick auf die Zukunft zeigte sich die Staatssekretärin zuversichtlich. Die breite Unterstützung vor Ort und das starke Engagement vieler Beteiligter ließen optimistisch auf die weitere Entwicklung der Fuldaer Tafel blicken. Zugleich unterstrich sie die Bedeutung gesellschaftlicher Wertschätzung für das Ehrenamt und sprach sich für dessen weitere Förderung aus.
Auch Maja Weise-Georg vom Landesverband Tafel Hessen würdigte die Arbeit der Einrichtungen und rief zu stärkerer Unterstützung für Bedürftige und Ehrenamtliche auf. Die Stippvisite bei der Tafel in Fulda habe sie zuversichtlich gestimmt; zugleich habe das Zusammentreffen und die Begegnung mit den Menschen bei der Tafel auch etwas „Persönliches und Vertrautes“ gehabt, zumal sie sich Fulda – nicht zuletzt durch ihr Studium und ihre frühere berufliche Tätigkeit als Rechtsanwältin – seit vielen Jahren verbunden fühle.
Weise-Georg lobte das Engagement der Beteiligten vor Ort und bezeichnete die Entwicklung der Fuldaer Tafel als „herausragend“ und in dieser Form nahezu „einzigartig in Hessen“. Bereits in ihrer früheren Tätigkeit im Sozialministerium habe sie die Arbeit der Tafeln unterstützt, heute engagiere sie sich ehrenamtlich im Vorstand des hessischen Landesverbandes. An ihrer Überzeugung habe sich bis heute nichts geändert: Die Tafeln leisteten für viele Menschen eine unverzichtbare Arbeit. Die neue Ausgabestelle am Aschenberg sei ein „sichtbares Zeichen der Anerkennung“ und verbessere den Alltag sowohl der Bedürftigen als auch der Ehrenamtlichen ganz konkret. Zugleich machte Weise-Georg deutlich, dass die Tafeln auf verlässliche Rahmenbedingungen, gesellschaftliche Wertschätzung und ausreichende finanzielle Unterstützung angewiesen seien, um ihre Arbeit langfristig sichern zu können.
Einigkeit herrschte bei allen Beteiligten darüber, dass die Fuldaer Tafel weit mehr ist als eine Einrichtung zur Lebensmittelausgabe. Sie gilt als Ort der Begegnung, praktizierter Nächstenliebe und gesellschaftlichen Miteinanders. Mit dem neuen Standort am Aschenberg soll diese Arbeit unter besseren Bedingungen fortgeführt und dauerhaft gesichert werden. +++

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