Naherholung dank der Autobahn

Der Baggersee im Schlitzer Stadtteil Pfordt entstand durch den Bau der A 7

Pfordersee

Etwa zehn Kilometer trennen den Pfordter See und die Anschlussstelle Hünfeld/Schlitz der Autobahn A 7 bei Michelsrombach. Die Geschichte des Naherholungsgebiets ist eng mit einer der wichtigsten Verkehrsadern Deutschlands verbunden. Dass es den See ohne die Autobahn gar nicht gegeben hätte, wissen oft nur noch die Altvorderen. Denn am 30. Juli 2018 jährte sich zum 50. Mal die Eröffnung des Teilstücks der A 7 zwischen Bad Hersfeld und Würzburg.

Das Planungsteam Autobahn-Neubau in Kassel mit Elmar Rützel (links) im Jahr 1962Der Pfordter See mit seinem kleinen Ableger und einer Gesamtfläche von fast 14 Hektar ist eigentlich eine ehemalige Kiesgrube, die beim Abbau von Kies und Sand für den Straßenoberbau des Autobahnteilstücks zwischen Bad Hersfeld und Würzburg entstanden ist, dessen. Für den Neubau der Autobahn wurden im Bereich der Landkreise Bad Hersfeld und Fulda in den Jahren 1962 bis 1968 große Mengen an Kies, Sand, Splitt und Gesteinsmehl benötigt. Bereits Ende der fünfziger Jahre hatten die konkreten Planungen für den Bau der Rhönlinie, wie sie nun genannt wurde, unter der Verantwortung des Straßenneubauamts Hessen-Nord in Kassel begonnen.

Da der Transport des benötigten Materials mit der Bahn von Eschwege bis zum eigens dafür eingerichteten Deckenbahnhof in Eichenzell-Welkers nur für den Abschnitt von Fulda-Nord bis zur Landesgrenze Hessen/Bayern möglich war und sich für die Gesamtastrecke als wirtschaftlich und logistisch ungeeignet erwies, wurden im gesamten Fuldatal Probebohrungen vorgenommen, um herauszufinden, ob sich die benötigten 1,8 Millionen Tonnen Sand und Kies für den Teilabschnitt vom Hattenbacher Dreieck bis zur Anschlussstelle Fulda-Nord auch vor Ort finden ließen.

Hier kam den Planern zu Gute, dass mit dem jungen Diplomingenieur Elmar Rützel aus dem Eichenzeller Ortsteil Rönshausen ein ortskundiger Fachmann zur Verfügung stand. Direkt nach dem Studium trat der damals 23-Jährige im Jahr 1962 seinen Dienst beim Straßenneubauamt Hessen-Nord in Kassel an und wirkte im Planungsteam mit, das das Großprojekt betreute. Der spätere Leiter der Autobahnmeisterei Fulda überwachte die Fachfirmen bei den Erkundungsbohrungen und arbeitet dann auch an der Überwachung des Autobahnbaus mit.

„Bei den Probebohrungen im gesamten Fuldatal wurden wir schließlich im Schlitzerland fündig. Die Qualität von Kies und Sand aus dem Becken bei Pfordt wurde bei der Baustoff- und Bodenprüfstelle in Kassel geprüft und für den Autobahnbau als geeignet befunden“, erinnert sich der 79-Jährige. Alsbald begannen die Verhandlungen der einschlägigen Kies- und Sandförderfirmen mit den Eigentümern der Grundstücke, und so manches Vertragsgespräch wurde abends in der Gaststätte abgeschlossen. Die Fachfirmen aus dem Raum Eschwege kauften den Bauern das Gelände ab, und die Förderung konnte aufgenommen werden.

Unmittelbar vor Ort wurde ausgehoben, aufbereitet und fraktioniert. „Riesige Bagger, Förderbänder, Aufbereitungsanlagen und Materiallager für die einzelnen Körnungen kamen in Pfordt zum Einsatz. Von hier aus konnte das Material für die untere Lage direkt zur Autobahn beispielsweise nach Michelsrombach in die Autobahntrasse verbracht oder für den Oberbau in die Mischanlagen nach Niederaula/Niederjossa transportiert werden“, weiß der pensionierte Diplomingenieur zu berichten.

Auf diese Weise entstanden nach und nach die beiden Pfordter Seen, von denen der größere durch die Stadt Schlitz nach Beendigung der Arbeiten am Teilabschnitt der A 7 im Jahr 1968 als Badesee angelegt wurde. Ein einzigartiges Naherholungsgebiet war entstanden, das nicht nur die Bevölkerung aus dem Vogelsberg anzog, sondern auch die Bewohner aus den Landkreisen Fulda und Bad Hersfeld nutzten eifrig die neue und sehr willkommene Freizeitanlage, die mit Umkleiden und WC ausgestattet wurde.

Bis heute – nunmehr 50 Jahre nach seiner Entstehung – präsentiert sich der Pfordter See als beliebtes Ausflugsziel für Badegäste, Angler, Camper, Surfer, Wanderer und Radfahrer. Das Baden ist in der Öffnungszeit von Mitte Mai bis Mitte September allerdings nur gestattet, wenn die grüne Flagge gehisst und somit die Wachstation mit einer Badeaufsicht besetzt ist. Jedoch liegt der idyllische Baggersee im Schlitzerland landschaftlich so schön, dass Erholung auch ohne den Sprung ins kühle Nass garantiert ist. +++

 

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