Nach Wirthwein-Schließung: Beschäftigte begegnen Automobilzulieferer mit Notwehrmaßnahmen

Die Beschäftigten des Eichenzeller Automobilzulieferers Wirthwein wurden auf einer Mitarbeiterversammlung am 08.05.2020 darüber informiert, dass sie zum 31.12.2020 gekündigt werden und der Produktionsstandort geschlossen wird. „Viele von uns sind über 20 Jahre hier beschäftigt und haben gute Arbeit gemacht und jetzt sollen sie ohne einen Cent Abfindung vor die Tür gesetzt werden“, machen die bei der Wirthwein Eichenzell GmbH & Co. KG langjährig Beschäftigen ihrem Unmut in einer Pressemitteilung der IG Metall Hanau-Fulda Luft. Da in dem Betrieb noch kein Betriebsrat gebildet war, gibt es keinen Sozialplan, der die wirtschaftlichen Nachteile der Beschäftigten bei dieser unternehmerischen Entscheidung ausgleicht. Die IG Metall hat als Notwehrmaßnahme gegen die unwürdige, respektlose und wenig wertschätzende Behandlung der langjährigen Beschäftigten, dem familiengeführten Unternehmen Wirthwein aus Creglingen (Baden-Württemberg) Tarifforderungen für einen Sozialtarifvertrag übermittelt. Mit den Tarifforderungen sollen Abfindungen und der Ausgleich der sozialen Nachteile für die Betroffenen und deren Familien durchgesetzt werden, heißt es in der Mitteilung weiter.

„Die Beschäftigten dürfen nicht die Kosten der Corona-Krise tragen“

Auf die Verhandlungsaufforderung der IG Metall habe die Wirthwein Eichenzell GmbH & Co. KG laut der Mitteilung der IG Metall Hanau-Fulda nicht reagiert. Aus diesem Grund ruft die IG Metall alle rund 80 Beschäftigten zu einem Warnstreik auf. Am morgigen Freitag, den 29. Mai 2020, wird daher gegen 13:45 Uhr – nach einer Betriebsversammlung im Betrieb zur Einleitung einer Betriebsratswahl – der Protest in Form eines Autokorsos durchgeführt. Ziel des Autokorsos ist das Fuldaer Arbeitsgericht. Dort sollen die Kündigungsschutzklagen der betroffenen Beschäftigten persönlich übergeben werden. Der Warnstreik am Freitag wird ab 11:55 Uhr bis Montag Arbeitsbeginn andauern. Hierzu Robert Weißenbrunner, 1. Bevollmächtigter Geschäftsführer der IG Metall Hanau-Fulda: „Wirthwein braucht nicht zu glauben, dass die Beschäftigten auch noch Samstags- und Sonntagsarbeit machen, um die unternehmerische Entscheidung zu befördern und damit die Arbeitsplätze so schnell wie möglich zu verlagern. „Wir sind zutiefst empört über das Verhalten des Unternehmens. Gerade in Zeiten der Krise wie jetzt in der Corona-Pandemie dürfen die Kosten der Krise nicht die Beschäftigten tragen, während sich reiche Unternehmen aus der Verantwortung stehlen. Daher sind Betriebsräte und eine starke Organisation wie die IG Metall mit vielen Mitgliedern jetzt notwendig, damit die Beschäftigten bei Wirthwein nicht hinten runterfallen.“

„Eine Lösung der Situation kann nur am Verhandlungstisch gefunden werden“

IG Metall-Verhandlungsführer Uwe Zabel von der IG Metall Bezirksleitung Mitte fordert die Wirthwein Eichenzell GmbH & Co. KG nachdrücklich am Verhandlungstisch zur Findung einer vernünftigen Lösung auf. Uwe Zabel: „Eine Lösung des Konflikts bei Wirthwein kann es nur am Verhandlungstisch der Tarifverhandlungen geben.“ Dass das Unternehmen die Beschäftigten gnadenlos zum Nulltarif „arbeitslos macht“ und ohne soziale Absicherung „rauswirft“, widerspreche laut Zabel dem eigenen Credo des sozialen Engagements und der vom Unternehmen Wirthwein öffentlich postulierten Verantwortung gegenüber der Region und den Familien der Mitarbeiter. Die IG Metall ist sich gerade in der aktuellen Lage der Corona-Pandemie ihrer hohen Verantwortung bewusst. Nichtsdestotrotz kann sie nicht auf das hohe Gut der Grundrechte verzichten. Schon bei der Planung und Organisation dieser Demonstration und möglicher Warnstreiks hat die IG Metall deshalb die aktuelle Gesundheitsgefährdung durch das Infektionsgeschehen im Kontext von Covid-19 berücksichtigt, heißt es von Seiten des Unternehmens in der Mitteilung abschließend. +++ pm/ja

Zum Ablauf des Warnstreiks am Freitag, 29. Mai 2020, gegen 13:45 Uhr: Auftaktkundgebung und Aufstellung des Demonstrationsautokorsos vor dem Firmensitz der Wirthwein Eichenzell GmbH & Co. KG (Bürgermeister-Ebert-Straße 18, 36124 Eichenzell). Die Auftaktkundgebung wird vor dem Haupteingang als Mahn und Protestwache durchgeführt. Es folgt anschließend in der Bürgermeister-Ebert-Straße die Aufstellung zum Autokorso mit dem Ziel Arbeitsgericht Fulda (Am Hopfengarten 3, 36037 Fulda).

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