Musical Funny Girl feierte im Rahmen der 69. Bad Hersfelder Festspiele Premiere

Kleiner Star ganz groß - Katharine Mehrling rührt und verzaubert  

Gestern Abend feierte das Musical Funny Girl im Rahmen der 69. Bad Hersfelder Festspiele auf der Bühne der Stiftsruine Premiere. Das Musical verlangt nach einer ganz großen Show-Treppe und traumhaften Kostümen – und das wunderbare Ensemble um Katharine Mehrling (Fanny Brice) und Alen Hodzovic (Nick Arnstein) bekommt diese ganz große Show-Treppe. So steht es in der Pressemitteilung – eine These, die viele aus dem Publikum unterschrieben hätten, denn wieder einmal kam ein Stefan Huber-Musical an.

Funny Girl erzählt die Geschichte der Funny Brice (gespielt von Katharine Mehrling), die ihre „vermeintlichen Schwäche“, für ein Leben im Scheinwerferlicht des Theaters aufgrund ihres äußerlichen Erscheinungsbildes nicht zu entsprechen, nach jahrelanger sowie vielseitiger Bühnenengagements aber über sich hinauswächst und zu ihrer Stärke macht und damit die Herzen der Zuschauer im Sturm erobert. Funny Brice hat dem Schönheitsideal dieser Zeit nicht entsprochen. „Sie hat diese, vermeintliche Schwäche zu ihrer Stärke gemacht und ihr Aussehen ironisiert“, sagt Katharine Mehrling über ihre Rolle. Unterstützt wird die Protagonistin von dem Komödianten Eddy Ryan (gespielt von Marc Seitz). Doch von Funny Girl ist nicht nur die Geschichte von Funny Brice und ihrer ungewöhnlichen Karriere und dem Konflikt zwischen Familie und Showgeschäft, sondern auch die ihres Mannes, Nick Arnstein, den im Stück Alen Hodzovic verkörpert. Nick Arnstein ist gutaussehend und selbstbewusst und damit eigentlich das Gegenstück zu Funny. Er selbst glaubt aber, die Anerkennung seiner Mitmenschen nur durch seinen, im Glücksspiel erworbenen Reichtum zu erhalten. Nick ist sich viel zu stolz, sich von seiner erfolgreichen Gattin Funny aushalten zu lassen, sobald ihn das Glück am Spieltisch verlässt. Hierzu Regisseur Stefan Huber: „Er ist ein professioneller Spieler, der zu seinem Vorteil einen flexiblen Umgang mit Recht und Gesetz pflegt und dafür mehrere Male im Gefängnis landet.“ Genau diese, zwielichtige Seite der Rolle des Nick Arnstein ist es, die Alen Hodzovic an seiner Rolle besonders fasziniert: „Das ist nicht einfach eine glatte Musicalfigur, sondern vielmehr ein Charakter, der einbricht, dem die ‚Felle wegschwimmen‘; Der Gegenpart einer starken, emanzipierten Frau ist für ihn auch bedrohlich.“

Gelegenheit, ihr „Können“ unter Beweis zu stellen, bekommt Funny Brice in der Show von Florenz Ziegfeld (gespielt von Heinrich Schafmeister). Der amerikanische Theater- und Filmproduzent war bekannt für aufwendige Bühneninszenierungen. „Dieser Mann entdeckt in Funny Brice die Komödiantin und holt sie in seine Show“, beschreibt Heinrich Schafmeister seine Rolle als leidenschaftlicher Theatermacher, dem die Qualität und spektakulären Effekte wichtiger waren, als die damit verbundenen Kosten. Funny liebt Nick. Um ihren Mann auf seiner Reise begleiten zu können, bricht sie sogar den Vertrag mit Ziegfeld. Aber schon bald merkt sie, wie sehr sie das Showgeschäft vermisst und kehrt auf die Bühne zurück. Währendessen verwickelt sich ihr Mann in immer fragwürdigere Geschäfte… – beide können eben das Spiel nicht lassen. Funny Girl ist aber nicht nur die Geschichte zweier Spieler, „es ist auch die Geschichte einer starken Frau, eine Emanzipationsgeschichte“, sagt Regisseur Stefan Huber. Für Funny Brice stellt sich immer wieder die Frage, ob sie ihr Leben ausschließlich der Karriere als „gefragte Künstlerin“ widmen- oder sich für das gemeinsame Leben mit Nick Arnstein entscheiden soll. Am Ende ist es in Funny Girl nicht die Liebe „zueinander“, sondern der Egoismus beider „Spieler“, der ihnen ein gemeinsames Leben versagt.

Stefan Hubers Funny Girl vereint auf amüsante, sensible und tragische Weise Elemente des Epischen Theaters (Bertolt Brecht) und des Drama Musicals (Michael Kunze). Der Zuschauer freut sich mit den Fröhlichen, schmunzelt mit den Komödianten und leidet mit den Leidenden; Gleichzeitig legt das Musical wie ein Gleichnis den Blick für die „reale Welt“ und „gesellschaftlichen Verhältnisse“ frei. Bei den Drama Musicals des internationalen Musikautors und Story Architekten Dr. Michael Kunze (Elisabeth, Tanz der Vampire) durchläuft der Protagonist (in Funny Girl ist Funny Brice die Protagonistin) eine Metamorphose, eine Wandlung; Er ist am Ende nicht mehr der gleiche Charakter wie am Anfang. Genau eine solche Wandlung macht auch Funny Brice. Zwar ist diese am Anfang von ihrem „Talent“ überzeugt und glaubt fest an weitere Engagements, dennoch weiß sie instinktiv, dass sie für die „schillernde Theaterwelt“ aufgrund ihrer „viel zu kurzen Beine“, „geringen Oberweite“ sowie ihres witzigen, äußerlichen Erscheinungsbildes nicht dem „gefragten Typ“ entspricht. Als sie Nick kennenlernt und er ihr immer wieder sagt, „wie schön sie ist“, scheint sie dies mehr und mehr anzunehmen… Am Ende ist sie fest entschlossen, Nick aus seiner, für ihn „ausweglos erscheinenden“ Lebenslage zu helfen und ihm die hohe Summe von 68.000 US-Dollar zu geben („Mein Geld ist auch Dein Geld“). Als Nick nach eineinhalb Jahren aus dem Gefängnis kommt und er persönlich nicht mehr an eine gemeinsame Zukunft glaubt, offenbart sie dem Zuschauer vorerst bereit für eine glückliche Zukunft mit Nick zu sein; Da er ihr aber zuvor kommt und sagt, dass es „zu spät“ ist, offenbart sie ihm gegenüber, die Rede „sooft geprobt“ zu haben und es wohl doch das Beste sei, „getrennte Wege“ zu gehen.

Funny Brices wahre Befindlichkeit, ihr Charakter am Ende des Stückes eröffnet Blicke unterschiedlicher Betrachtungsweisen, deshalb kann hier von einer veränderten Persönlichkeit, eines veränderten Charakters gesprochen werden, dieser sich im weiteren Handlungsverlauf zunehmend auf Nick Arnstein ausrichtet. Noch deutlicher wird diese Persönlichkeitsveränderung bei Nick Arnstein, dem Antagonisten des Stückes. Nick ist zu Beginn des Stückes gutaussehend, selbstbewusst und erfolgreich – am Ende ein „gebrochener Mann“; Wenige Szenen zuvor noch bei Hodzovics Solo (Jetzt kommt meine Zeit) lässt nichts auf diesen Abstieg hindeuten (Retardierendes Moment). Am Ende befindet sich Funny Brice auf der Höhe ihrer Karriere, eine Karriere, die ihr durch den „Spieler“ Nick Arnstein überhaupt erst ermöglicht wurde, was hinsichtlich seiner „eigenen seelischen Verfassung“ am Ende in Zügen an das Bürgerliche Trauerspiel erinnern lässt.

Solide Leistung des Ensembles

Trotz kühler Witterung unterhielt das Festspielensemble des Musicals Funny Girl am gestrigen Freitagabend auf regennasser Bühne und viel nicht ein einziges Mal aus der Rolle. Selbst die Steppeinlagen wurden trotz rutschigem Bühnenboden professionell bis zum Ende durchgezogen. Musikalisch unterstützt wurde das Ensemble um Katharine Mehrling und Alen Hodzovic von dem Orchester der Bad Hersfelder Festspiele 2019 unter der Leitung von Christoph Wohlleben, was gestern Abend wieder einmal in Topform war. Alles in allem: Eine gelungene Premiere des Musicals Funny Girl in der 69. Festspielsaison. +++ ja

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