Ministerpräsident Bouffier eröffnete Hersfelder Festspiele

Bad Hersfeld. Gestern sind im nordosthessischen Bad Hersfeld im Landkreis Hersfeld-Rotenburg die traditionellen Bad Hersfelder Festspiele eröffnet worden. Bei dem Festakt zur Eröffnung der 67. Festspiele in der Stiftsruine gedachten der Schirmherr der Bad Hersfelder Festspiele Ministerpräsident Volker Bouffier und der Erste Vizepräsident der EU-Kommission Frans Timmermans nicht nur dem vor kurzem verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl, sondern transferierten sein - in seiner Kanzlerschaft (1982 bis 1998) - politisches Wirken nicht nur auf das heutige Europa, sondern auch auf die Historizität der Zeitgeschichte – hier nach den Politikern im Besonderen, die Kunstform des Theaters sowie das, was Theater mit seinem Rezipienten macht, und damit auch im Hinblick auf die bewegenden Zeiten in Europa - nicht nur eine bedeutende Rolle, sondern vor allem auch und gerade im Hinblick auf dessen politische Haltung sowie dessen politisches Handeln - eine herausragende Rolle spiele.

Ministerpräsident Volker Bouffier würdigte gestern Nachmittag in seinem Grußwort die Bad Hersfelder Festspiele als „besondere Jahreszeit“, diese mit Beginn einer jeden Festspielsaison Einzug in Bad Hersfeld hält und als „besonders heller Stern am Firmament“ der hessischen, kulturellen Ereignisse, weit über die Region hinausstrahlt und somit - nicht nur hessen- oder deutschlandweit, sondern auch europaweit – „das ist mindestens der Anspruch, den wir haben“ - wahrgenommen werden.

Nach Frans Timmermans soll der Mensch - inspiriert durch die Kunst, die das Theater schafft und an der sich das Theater bereichert, - die Katharsis erfahren, die ihn dazu einlädt, wie dazu aufruft, zu der Ideologie zu finden, die sich gegen alle Formen von Faschismus und Nationalsozialismus richtet.

In Bezug auf Timmermans lange geschichtsträchtige Rede sagte der Hessische Ministerpräsident: „Das, was sie über Deutschland gesagt haben und wie sie es gesagt haben, das hat mich sehr berührt. Sie haben heute als Holländer katholischen Glaubens zu uns gesprochen – doch, was für mich noch viel wichtiger ist - sie haben heute als jemand zu uns gesprochen, der sein Land repräsentiert, das unter Deutschland zweimal furchtbar gelitten hat. Es ist nicht selbstverständlich, dass jemand aus einem Nachbarland, die sich auch lange schwergetan haben mit den Folgen insbesondere des zweiten Weltkrieges, so zu uns steht; Das war nicht nur kenntnisreich - das war mit Herz – das war mit großer Sympathie und dafür bedanke ich mich bei ihnen.“

Der Bürgermeister der Stadt Bad Hersfeld Thomas Fehling erinnerte bei dem Festakt an die Anwesenheit Martin Luthers in der heutigen Stiftsruine. Am 01. Mai 1521 sei Martin Luther in Bad Hersfeld gewesen und habe von der Kanzel der Stiftskirche (heutige Stiftruine) aus gepredigt. „So kommt es, dass die Stiftsruine, diese nicht nur für die Stadt Bad Hersfeld eine wichtige Bedeutung hat, auch in Bezug auf Martin Luther eine ganz eigene Geschichte erzählen kann.“

„Wir müssen unsere Gegenwart in den Stücken erkennen“ – so der Intendant der Bad Hersfelder Festspiele Dr. Dieter Wedel einst auf einer Pressekonferenz anlässlich der 65. Bad Hersfelder Festspiele in 2015. Nimmt man dieses Zitat und überträgt dies auf die gestrige Premiere seiner jüngsten Inszenierung „Martin Luther – Der Anschlag“ (2017), so lassen sich die heutigen Unruhen und Terroranschläge, begründet durch die jeweiligen individuellen Überzeugungen, aufrechterhalten durch den religiösen Glauben, gewiss wiedererkennen - zumindest, was die Filmeinspielungen auf den Videoleinwänden und die Kampfszenen auf der Bühne in seiner dramaturgischen Gesamtheit des Bühnengeschehens seines Stückes anbetrifft. Bis hierhin scheint Wedel den Nerv der Zeit getroffen zu haben; Sucht man allerdings nach der Besonderheit, die ein Theaterstück von einem bedeutenden Regisseur und Drehbuchautoren sowie Theaterintendanten, wie Dr. Dieter Wedel, erwarten lässt, so blieb diese bei der Uraufführung seiner Bühnenfassung von „Martin Luther – Der Anschlag“ und damit der Eröffnungspremiere der diesjährigen Festspielsaison der legendären Bad Hersfelder Festspiele am Freitagabend für viele Zuschauer aus. Zu wenig Tiefgang habe Wedels Theaterstück nach Meinung der Zuschauer, zu rasch aufeinanderfolgende Lebensphasen des Protagonisten in nicht chronologischer Reihenfolge auf die Bühne gebracht, gepaart mit mäßigen Leistung der Darsteller. Bleibt für Viele die Frage: Warum hat Wedel das große Potential, welches die traumhafte und geschichtsträchtige Kulisse der Hersfelder Stiftsruine sowie das Leben Martin Luthers inkludiert, künstlerisch so wenig durchdacht auf die Bühne gebracht? Fragwürdig - vor allem für Theatergänger und Geschichtskenner - war das Engagement von Moderatorin Mareile Höppner und Moderator Jan Hofer im Stück. Am Ende war man beim Applaus geteilter Meinung – von Wedels Muse und seiner Bedeutung für die Bad Hersfelder Festspiele.  +++ jessica auth

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6 Kommentare

  1. Ein ehrlicher und wie gewohnt sehr informativer Beitrag.

    Wenn man bedenkt, was Luther einst mit seiner Kritik am katholischen System riskiert hat - nämlich das eigene Leben - kann man über die offenbar schlechte Inszenierung von Wedel und die fehlende Kritik daran nur milde lächeln.

    Heutzutage wagt kaum noch jemand, "bedeutende Persönlichkeiten", die schlechte Arbeit liefern, offen zu kritisieren. Und immer mehr Politiker sagen selten das, was sie auch denken. Angesichts der vielen prominenten Gäste und der Location wäre das aber auch sehr schwierig gewesen.

    Und man muss auch berücksichtigen, wie schwierig es für einen Regisseur manchmal ist, Schauspieler mit ausgeprägtem Ego für ein gemeinsames Projekt zu begeistern. Denn es gibt gerade im Schauspielerbereich viele Egomanen, die nur daran interessiert sind, sich selber zu verkaufen. Doch gesellschaftliche und eben auch solche Theaterprojekte gelingen nur, wenn alle am gleichen Strang ziehen. Leider gelingt das eben nicht immer.

  2. Ich verstehe die Lobeshymnen der Medien ehrlich gesagt nicht! Ich finde das Luther kein großer Wurf ist. Was haben die Journalisten die davon berichten für eine Wahrnehmungsgabe? Morgens am Gericht, abends Kultur oder was? Genau so kommt es mir vor. Auch das sich Menschen vor dem Mikrofon positiv äußern, obwohl Sie in der Ansammlung von Menschen in der Pause, gerade was anders gesagt haben, ist mir ein Rätsel. Traut sich wirklich keiner die Wahrheit zu sagen, zuschreiben? Wir sind eine traurige Gesellschaft.

  3. Wenn ich die anderen Medienbeichte sehe, Frage ich mich wirklich was die gesehen haben. Ich war auch da und was fdi hier geschrieben hat ist ja noch geschmeichelt.

  4. Ich kann mich Bert nur anschließen und in Osthessen ist es mit den Medien besonders schlimm. Auch was da bei einem privaten hessischen Radiosender -was mit f..- dazu veröffentlicht wurde, entbehrt jeder Grundlage. Wenn man nicht in der Lage ist, eine solche Veranstaltung journalistisch einzuordnen und entsprechend zuberichten, muss man es lassen.

  5. Das ist wie beim Essen. Wenn die Geschmacksnerven mal von der vielen Chemie verkorkst sind, huldigen die meisten den letzten Mist. An denen aber genau orientiert sich auch die der Prostitution anheimgefallene Werbepresse. Das wissen wir. Wer sich da nicht willenlos anschließt, kriegt keine Aufträge. Eben: vorne hui. Hinten pfui.
    Wenn nix mehr geht, decken die schönen Fotos den Schlamassel immer wieder zu.
    Wo leben wir? Wie lange wird das noch gehen, ohne dass wir kulturell total verarmen. Jedenfalls- so was SCHLECHTES habe ich noch nie gesehen.

  6. Wenn ich die wohlwollende Berichterstattung bei den anderen sehe, frage ich mich, wie das Marketing gemacht wurde. Sorry, das sind keine Berichte, von dem Stück, was ich gesehen habe. Das Stück ist in meinen Augen nichts aber rein gar nichts! Das kann man noch nicht einmal mit der berühmten "Rosa Brille" schön schreiben. Da sind andere Kräfte am Werk! Ich verstehe die Menschen nicht, die das nicht sehen wollen.

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