Mehr Ausbildungsstellen und mehr Bewerber – Junge Flüchtlinge finden Weg in die Ausbildung

Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber um einen Ausbildungsplatz ist in Osthessen erfreulicherweise gestiegen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr der Berufsberatung suchten über die Arbeitsagentur Fulda 1.545 junge Frauen und Männer eine Ausbildungsstelle, was einem Plus von 61 zum Vorjahr entspricht (+4,1 Prozent). Dieser Anstieg ist weit überwiegend auf das Plus bei Bewerberinnen und Bewerbern mit Fluchthintergrund zurückzuführen. Mit 2.583 lag auch die Zahl der Ausbildungsplätze, die die Agentur für Arbeit akquiriert hat, um 5,7 Prozent höher als im Vorjahr. Damit ist die traditionell hohe Ausbildungsbereitschaft der Betriebe in unserer Region noch einmal gewachsen. Rechnerisch kamen rund 169 Ausbildungsstellen auf 100 Bewerber. Damit stellte sich die Ausbildungsmarktlage für Bewerberinnen und Bewerber deutlich günstiger als im Bundes- und Hessendurchschnitt dar. „Nirgendwo in Hessen haben junge Menschen so gute Chancen, einen zukunftsträchtigen Ausbildungsplatz zu erhalten, wie in unserer Region“, beschrieb Waldemar Dombrowski Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda, die Lage. Gemeinsam mit den regionalen Netzwerkpartnern analysierte er heute im Rahmen der Ausbildungsmarktkonferenz in der Arbeitsagentur Fulda das zu Ende gegangene Ausbildungsjahr 2017/18.

Lediglich 25 junge Frauen und Männer blieben bisher ohne Lehrstelle oder eine schulische Alternative. „Ein Großteil dieser jungen Menschen ist erst in den Sommermonaten auf die Berufsberatung zugekommen und konnte deshalb den Wunschberuf oder eine andere Alternative nicht realisieren“, kommentierte Waldemar Dombrowski. Zum Geschäftsjahresende blieben 355 Ausbildungsstellen unbesetzt. Unter anderem werden noch Kaufleute im Einzelhandel und Hotelfachleute gesucht. Gute Chancen auf einen Ausbildungsvertrag hat auch, wer eine Ausbildung zum Kaufmann bzw. zur Kauffrau für Bürokommunikation oder zum Informatikkaufmann/frau anstrebt. Sogar Plätze in Dualen Studiengängen sind noch frei (u.a. Bachelor of Arts (FH) – Fahrzeugtechnik).

Die Bilanz der Daten zur Ausbildungsvermittlung bedeutet nicht das Ende der Vermittlungsaktivitäten. Ottokar Schwerd, Teamleiter der Berufsberatung, appelliert: „Jugendliche und junge Erwachsene, die bislang weder einen Ausbildungsplatz noch eine tragfähige Alternative gefunden haben, sollten zwecks Beratung und Nachvermittlung umgehend Kontakt mit der Berufsberatung aufnehmen. Jugendliche, die sich über ihren Berufswunsch noch nicht klar sind, haben die Chance, dies praxisorientiert im Rahmen einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme herauszufinden. Noch sind einige Plätze frei. Auch Auszubildende, die während der Probezeit ihre Stelle verlieren, sollten sich umgehend wieder bei der Berufsberatung melden, um möglichst nahtlos eine Anschlussalternative zu finden.“ Eine Terminvereinbarung bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda ist möglich unter der Service-Rufnummer 0800 4 5555 00 (kostenfrei).

„Nach einem Rückgang im vergangenen Jahr, haben die Unternehmen im Verantwortungsbereich der IHK Fulda dieses Jahr rund sieben Prozent mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen. Insbesondere im Handel, im Kaufmännischen und auch im IT-Sektor, hat es ein Plus bei den Ausbildungsverträgen gegeben. Die Unternehmen wirken damit dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel aktiv entgegen. Aus unseren Unternehmensgesprächen wissen wir, dass auch dieses Jahr nicht alle Ausbildungsplätze besetzt werden konnten. Das gilt insbesondere für die gastronomischen Ausbildungsberufe wie auch für die Logistik. Wie stark sich die Unternehmen um Auszubildende bemühen, zeigen die vielen Anmeldungen zur Bildungsmesse im Jahr 2019. Unsere Ausbildungsbetriebe engagieren sich auch sehr stark bei der Integration von jungen Menschen mit Migrationshintergrund. Auch dieses Jahr haben sich erneut rund 50 geflohene junge Menschen eine Ausbildung bzw. Einstiegsqualifizierung in Industrie, Handel und Dienstleistung begonnen. Damit diese Maßnahmen erfolgreich sein können, ist in den Unternehmen von Beginn an eine sehr umfassende und intensive Förderung der Sprach- und Lesekompetenz notwendig. Wir sind daher den heimischen Berufsschulen sehr dankbar, dass sie die Sprachförderung durch zusätzliche Unterrichtsangebote begleiten und unterstützen“, so Stefan Schunck, Hauptgeschäftsführer der IHK Fulda.

„Nachdem wir in den letzten beiden Jahren jeweils zweistellig bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Handwerk zugelegt haben, rechnen wir in diesem Jahr ‚nur noch‘ mit einem einstelligen Plus. Wir hoffen, dass wir die Zahl 600 (Vorjahr 578) erstmalig seit langem wieder überschreiten werden. Auch wenn der Effekt durch Flüchtlinge in der Ausbildung demnächst wieder nachlassen wird, rechnen wir auch in Zukunft mit stabilen Ausbildungszahlen. Die Vorteile der dualen Ausbildung werden wieder besser wahrgenommen, der Trend zur akademischen Ausbildung scheint sich etwas abzuschwächen. Zunehmend setzen wir auch auf junge Leute von außerhalb der Region, die bereit sind, für eine Ausbildung im Handwerk zu uns zu kommen“, so Dr. Herbert Büttner, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Fulda.

Drei Betriebe mit Ausbildungszertifikat ausgezeichnet

Darüber hinaus zeichnete Waldemar Dombrowski folgende regionale Betriebe für ihr besonderes Engagement im Bereich Ausbildung mit dem Ausbildungszertifikat der Bundesagentur für Arbeit aus:

Roland Böhm Karosserie- und Fahrzeugbau GmbH & Co. KG, unter anderem für die beispielhafte Qualität der Ausbildung; unter den rund 100 bisherigen Auszubildenden schafften es viele bis zu Landes- bzw. Bundessiegern.

Neuland GmbH & Co. KG - Stellt jedes Jahr mehrere Azubis im kaufmännischen Bereich und als Holzmechaniker/in ein und setzt für die Ausbildung Kaufmann/-frau – Büromanagement nur den Hauptschulabschluss voraus.

Werner Noll GmbH u. Co. KG Nutzfahrzeug-Spezialbetrieb (A423A03812): Der Arbeitgeber nutzt vielfältige Möglichkeiten der Akquise von Auszubildenden, gibt schwächeren Kandidaten eine Chance und gehört zu den wenigen Betrieben der Region, die in Teilzeit ausbilden.


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