Mauersegler-Projekt startet mit Verzögerung

Studentin sucht noch Helferinnen und Helfer für Mauersegler-Projekt

Studentin Marlene Klisa und Jonas Thielen, Sachgebietsleiter Naturschutz beim Land-kreis Fulda, hoffen auf Unterstützung im Mauersegler-Projekt. Unter anderem in Wüsten-sachsen ist der Segler bereits gesichtet worden. Foto: Anna-Lena Bieneck

Mehr als zwei Monate saß die 24-jährige Marlene Klisa aus Coburg unfreiwillig in Wien fest, nun ist sie endlich in der Rhön angekommen. Mit mehreren Wochen Verspätung startet die Studentin in Kooperation mit der Hessischen Verwaltung des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön das erste flächendeckende Mauersegler-Projekt im Landkreis Fulda. Hierfür sucht sie freiwillige Unterstützer, die helfen, das Vorkommen des rasanten Fliegers zu dokumentieren, heißt es in einer Mitteilung.

Auf Hilfe ist die Studentin vor allem wegen der zwangsweisen Verzögerung angewiesen. „Eigentlich wäre ich seit März regelmäßig in der Region unterwegs. In dieser Zeit hätte ich mich mit dem Landkreis vertraut gemacht und Kartierer kennenlernen können. Doch Corona hat die Pläne erst mal zunichtegemacht.“ Umso mehr freut sie sich, nun endlich in der Rhön an-gekommen zu sein. Und die Zeit drängt: „Ende Juli werden die meisten Mauersegler schon wieder in Richtung Süden fliegen. Bis dahin den kompletten Landkreis zu kartieren, ist allein kaum zu schaffen. Ich freue mich über jeden Einzelnen, der helfen kann“, sagt die gebürtige Hanauerin, die in Coburg aufgewachsen ist und derzeit im Master Naturschutz- und Biodiversitätsmanagement an der Universität Wien studiert. „Schon in meiner Schulzeit hat mich die Vogelwelt fasziniert“, erzählt Klisa. 2017 fing sie dann an, als ehrenamtliche Tierpflegerin in der Wildtierhilfe Wien zu arbeiten. Hier kam sie erstmals mit dem wendigen Flieger in Kon-takt: „Im Sommer zählten neben vielen Jungvögeln oft auch Mauersegler zu den Pfleglingen.“ Im Jahr 2018 nahm sie schließlich an einem großen Freiwilligenprojekt der Stadt Wien zur Brutplatzkartierung der Mauersegler teil. „Hier habe ich dann noch mehr über ihre Lebensweise erfahren. Ihre spezielle Anpassung an das Leben in der Luft macht sie zu meinen Favoriten in der Vogelwelt.“

Fast jeder hat ihn schon einmal gesehen – oder zumindest gehört: den Mauersegler (Apus apus), der hierzulande den Sommer einläutet. Die schrillen Rufe der Luftakrobaten sind vor allem in den Abendstunden zu hören, wenn sie um die Häuser „segeln“. Die ehemaligen Felsenbrüter haben sich in Städten und zunehmend auch in Dörfern angesiedelt. Unter den Dä-chern und in winzigen Gebäudenischen und -löchern finden sie geeignete Brutstätten. Neben dem schwindenden Nahrungsangebot durch das Insektensterben stellen Sanierungsarbeiten an Gebäuden und Neubauten eine der größten Gefahren dar. „Um für den Schutz der Segler und ihrer Brutstätten sorgen zu können, ist es wichtig, diese vorab ausfindig zu machen“, erklärt Klisa. Das soll nun ihm Rahmen ihrer Masterarbeit geschehen.

Der Fokus der Kartierung liegt nicht auf der Stadt Fulda, sondern auf der Rhön und dem weiteren ländlichen Raum des Landkreises. „Bisherige Studien über den Mauersegler sind vor allem in Städten durchgeführt worden – diese sind schließlich auch sein Hauptverbreitungsgebiet. Das heißt aber nicht, dass er ländliche Siedlungen meidet.“ Das beweisen zahlreiche Anrufe aus der Region, die nach einem ersten Aufruf zum Projekt eingegangen waren. „Ich habe schon 25 Meldungen über Brutstätten erhalten – der Großteil stammt zwar aus der Stadt Fulda, aber auch in Burghaun, Wüstensachsen und Eiterfeld wurde der Mauersegler gesichtet“, sagt Klisa. „Ziel ist nun, flächendeckend nach Brutplätzen zu suchen, sie zu charakterisieren und Vergleiche zur Stadt herzustellen.“ Warum die Rhön? „Neben den verschiedensten Dorfgrößen und -formen bietet die Region auch eine große Diversität an Landschaftsformen. Das macht das Gebiet so spannend, denn eine Frage meiner Arbeit beschäftigt sich auch damit, inwieweit Dorfgröße und Landschaftsformen Auswirkungen auf die Brutplatzwahl hat“, erklärt Klisa. Jonas Thielen, Sachgebietsleiter Naturschutz, ergänzt: „Mit dem Projekt wird erstmals eine flächendeckende Übersicht über die Verbreitung der Mauersegler im Landkreis Fulda ermöglicht – das ist die Voraussetzung für mögliche folgende Schutzmaßnahmen.“

Zur Erfassung des Mauersegler-Vorkommens hat Marlene Klisa den Landkreis in Quadranten eingeteilt (zu sehen auf www.biosphaerenreservat-rhoen.de). Sieben Quadranten sind bereits vergeben, für rund 50 weitere sucht sie noch nach Unterstützern – zum Beispiel in Tann, Rasdorf, Marbach und Hofbieber. Für unerfahrene Kartierer hat sie einen Leitfaden erstellt. Wer bei der Mauersegler-Kartierung im Landkreis Fulda helfen möchte, kann sich per Mail an mauerseglerrhoen@gmail.com oder an die Hessische Ver-waltung des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön unter Telefon (06654) 9612-0 wenden (neue Nummer ab 1. Juli 2020: (0661) 6006 7800). +++ pm

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