Main-Kinzig-Kreis: Not- und Gemeinschaftsunterkünfte befinden sich in der Vorbereitung

Der Main-Kinzig-Kreis hat für die Unterbringung von Asylsuchenden und Geflüchteten weitere wegweisende Entscheidungen getroffen. Der Kreisausschuss beschloss am Dienstag den Erwerb einer größeren, leerstehenden Gewerbeliegenschaft in Bad Soden-Salmünster, die ab Frühjahr für bis zu 150 Personen als Notunterkunft genutzt werden soll. Auf der Zielgeraden befinden sich zudem die Vorplanungen für eine Notunterkunft und eine Gemeinschaftseinrichtung in zwei weiteren Kommunen im Kreisgebiet. Bereits in den Wochen von Ende November bis Ende Januar werden Wohn- und Schlafplätze im Jugendzentrum Ronneburg, in der neuen Leichtbauhalle an der Kreisrealschule Gelnhausen (jeweils Notunterkunft) sowie in der Containeranlage in Freigericht-Altenmittlau (Gemeinschaftseinrichtung) erstmals belegt. An diesen drei Standorten sind die Arbeiten bereits weit vorangeschritten.

„Der Main-Kinzig-Kreis baut seine Kapazitäten für die Unterbringung Geflüchteter noch einmal massiv aus. Durch unseren Austausch mit den Kommunen wissen wir, dass das vor Ort in den meisten Städten und Gemeinden ebenso geschieht und natürlich auch geschehen muss“, erklärt Landrat Thorsten Stolz. „Denn es ist unsere gemeinsame Verpflichtung, sowohl gesetzlicher als auch humanitärer Art, Woche für Woche den bis zu 160 Menschen, die neu zu uns kommen, ein Obdach und eine Versorgung zu bieten.“ Seit Anfang des Jahres hat der Kreis bereits zehn Gemeinschaftseinrichtungen errichtet und betreibt in den Turnhallen in Birstein, Langenselbold und Wächtersbach sowie in der Mehrzweckhalle in Hanau-Mittelbuchen Notunterkünfte. Der Aufbau weiterer sechs Unterkunfts-Standorte bedeutet somit, dass der Kreis nun sowohl für die kurzfristige Unterbringung (Notunterkünfte) als auch für ein dauerhaftes Wohnen (Gemeinschaftseinrichtung) zusätzliche eigene Plätze schafft. „Wenn sich die Lage in den nächsten Wochen oder Monaten etwas entspannen sollte, werden wir zum frühest vertretbaren Zeitpunkt den Rückbau der Hallen-Notunterkünfte fortsetzen und die Turnhallen wieder dem eigentlichen Zweck für Schul- und Vereinssport überführen“, kündigt Thorsten Stolz an. „Wir wissen um die enormen Belastungen und Einschränkungen für den Schul- und Vereinssport und errichten aus genau diesem Grund zusätzliche Notunterkünfte außerhalb von Sporthallen.“

Neue Standorte für Erstunterbringung im Kreisgebiet

Nach dem Kreisausschuss muss am Freitag, 2. Dezember, noch der Kreistag über den Kauf der Bad Soden-Salmünsterer Immobilie abstimmen. Sie soll ab etwa Anfang Februar als Standort zur Erstunterbringung und –versorgung von Geflüchteten dienen. In dem Gebäudekomplex im Salmünsterer Gewerbegebiet sollen dem Beschluss des Kreisausschusses zufolge sowohl ein Betreiber als auch die zuständige Kreisverwaltung eine feste Erreichbarkeit einrichten. Aus der Notunterkunft heraus werden die Menschen nach kurzer Aufenthaltsdauer in die einzelnen Städte und Gemeinden im Kreisgebiet gebracht, wo sie dann dauerhaft unterkommen. Gleiches geschieht bereits an den Notunterkunfts-Stellen in den vier Hallen sowie, in Kürze, zusätzlich am Standort Kreisrealschule in Gelnhausen. Dort sind die Aufbauarbeiten der Leichtbauhalle und der angeschlossenen Versorgungszelte so gut wie abgeschlossen, so dass im Dezember die Belegung für bis zu 150 Personen beginnen kann. Im Jugendzentrum Ronneburg wird der Main-Kinzig-Kreis schon ab November zwei Häuser als Zwischenunterkunft nutzen, um über die Wintermonate die Kapazität zu erhöhen.

Neue Standorte für dauerhaftere Unterbringung im Kreisgebiet

In Freigericht geht der Aufbau der Wohncontaineranlage in der kommenden Woche los. Die Wohnmodule sind bereits zum großen Teil angeliefert worden. Als Nächstes geht es um die genaue Positionierung der zweigeschossig ausgerichteten Anlage. Die notwendigen Vorarbeiten am Untergrund und für die Versorgungsleitungen sind hingegen abgeschlossen. Aufgrund von Verzögerungen in einzelnen Gewerken geht der Main-Kinzig-Kreis von einer Erstbelegung im Laufe des Monats Januar aus. Bis zu 80 Menschen werden dann nahe der Freigerichthalle eine dauerhafte Unterkunft finden. Die Vorplanungen für die Anmietung einer Gewerbehalle und zum Aufbau einer Wohncontaineranlage in zwei weiteren Kommunen sind zudem weit gediehen. „Wir warten darauf, dass auch die zuständigen politischen Gremien vor Ort informiert sind. Dann geben wir die genaueren Standorte bekannt und gehen in die konkrete Umsetzung“, erklärt Landrat Thorsten Stolz. Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler erklärt, dass es bei all den Maßnahmen vor allem darum gehe, „den Puffer für die Kommunen zu vergrößern und unseren Teil der Verantwortung zu tragen“. „Die Städte und Gemeinden werden in Kürze mehr als 100 Menschen pro Woche eigenständig unterbringen. Das ist ein Kraftakt für die Kommunen und den Landkreis. Auf Dauer wird diese Aufgabe nur gemeinsam gelingen, und da sehe ich vor allem das Land Hessen stärker als bisher in der Pflicht, Platzkapazitäten auszubauen. Im Moment ist die Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen am Limit, da gibt es wenig Spielraum, Zuweisungen an die Kreise zu dämpfen oder zu reduzieren“, so Simmler. „Wir als Main-Kinzig-Kreis kommen den Städten und Gemeinden, wie schon im gesamten Jahr, solidarisch entgegen mit Hilfe eigener Einrichtungen. Sehr viel weiter als mit den nun auf den Weg gebrachten Einrichtungen können wir unsere Kreiskapazitäten jetzt allerdings nicht mehr steigern.“

Wenn sämtliche bestehenden und neuen Notunterkünfte bis im Frühjahr in Betrieb sind, liegt die Kapazität für die Erstunterbringung und –versorgung bei rund 800 Plätzen. In den Gemeinschaftseinrichtungen des Main-Kinzig-Kreises finden dann rund 1.200 Menschen eine Wohnstätte. Seit Anfang des Jahres haben rund 7.600 Geflüchtete und Asylsuchende im Main-Kinzig-Kreis eine neue Heimat gefunden. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2021 waren es 772. Sie werden nach einem vom Land Hessen festgelegten System seit März dieses Jahres über die Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen dem Main-Kinzig-Kreis (Notunterkünfte) zugeteilt und dann in Wohnungen beziehungsweise Gemeinschaftseinrichtungen in der Fläche des Kreises untergebracht. Der Main-Kinzig-Kreis nimmt mit bis zu 160 Personen auch im vierten Quartal dieses Jahres als Gebietskörperschaft die mit Abstand meisten Geflüchteten im gesamten Bundesland auf. Einen dringenden Gesprächswunsch über diese Verteilsystematik lässt die Landesregierung seit mittlerweile sieben Wochen unbeantwortet. „Wir befinden uns in einer besonderen Situation, die besondere Maßnahmen erfordern, und zwar von allen politischen Ebenen“, erklärt Landrat Thorsten Stolz. Niemand im Main-Kinzig-Kreis habe sich zu Beginn des Jahres vorstellen können, dass im Kreisgebiet binnen kurzer Zeit 19 behelfsmäßige Unterkünfte hätten geschaffen und ausgebaut werden müssen. „Wir stehen aber in einer Verantwortung und Verpflichtung, Menschen unterzubringen. Wir müssen auf kommunaler Ebene diese Unterbringungskapazitäten einfach schaffen. Einen Ausbau und eine Bereitstellung von Wohn- und Schlafstätten brauchen wir gleichwohl auch seitens der Landes- und der Bundesebene. Vor allem brauchen wir im Kreis und in den Städten und Gemeinden endlich Klarheit und Rückendeckung bei der finanziellen Absicherung unserer Maßnahmen“, so der Landrat. +++ pm

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