Lesung gegen weibliche Genitalverstümmelung in Kenia

Der gemeinnützige Verein „Lebendige Kommunikation“ (LebKom) mit Sitz in Fulda engagiert sich seit über 30 Jahren für die Gleichstellung und -behandlung von Mann  und Frau. Er ist im Nachgang  zur Weltfrauenkonferenz in Nairobi entstanden, auf der die Professorin Dr. Muthgard Hinkelmann-Toewe mit Kenianerinnen Freundschaft geschlossen hatte.

An der Hochschule Fulda erarbeitete sie wissenschaftliche Grundlagen für frauenstärkende Wege der Entwicklungszusammenarbeit und setzte diese Hand in Hand mit den kenianischen Frauen und dem eigens hierfür gegründeten Verein LebKom e.V. in die Praxis um. Einen Schwerpunkt bildet hierbei das Fulda-Mosocho-Projekt, das 2002 mit finanzieller Unterstützung der EU  ins Leben gerufen wurde und das seitdem für den nachhaltigen Schutz afrikanischer Mädchen vor Genitalverstümmelung (FGM) aktiv ist. Seit 2001 in Kenia zwar gesetzlich verboten, war dieser Brauch, der international als schwere Menschenrechtsverletzung gilt, in Mosocho – der Heimat der Kisii-Ethnie – traditionell so stark verwurzelt, dass die Beschneidungsrate in dieser Region Kenias  bei 96 Prozent lag.

Durch Wissenstransfer und Schulungseinheiten,  basierend auf dem „Wert-zentrierten Ansatz“ (wie Prof. Hinkelmann-Toewe die von ihr entwickelte psychosoziale Kommunikationsstrategie zur Umsetzung der Geschlechtergerechtigkeit genannt hat), konnte bereits innerhalb weniger Jahre ein grundlegender Bewusstseinswandel in der Bevölkerung und ein Rückgang der FGM-Rate auf weit unter 20 Prozent bewirkt werden.  Dadurch blieben bislang Zehntausende Mädchen vor FGM und den daraus resultierenden  lebenslangen Einschränkungen bewahrt und sind in ihren Familien und Gemeinden nun nachhaltig sicher.

2010 stellte UNICEF das Fulda-Mosocho-Projekt in einer internationalen Studie als eines der fünf erfolgreichsten heraus, die sich in Afrika für ein Ende von weiblicher Beschneidung einsetzen. Mittlerweile ist das Projekt infolge der großen Nachfrage auf die Nachbarregionen Marani und Kisii South ausgeweitet worden. Die behördlichen Vertreter von ganz Kisii County (mit einer Einwohnerzahl von 1,2 Millionen) haben die Projektverantwortlichen im August 2018 auf einer Sondersitzung gebeten, die Arbeit nach dem Wert-Zentrierten Ansatz auf alle elf Bezirke, in denen die Kisii leben, auszuweiten.  Informationen unter www.fulda-mosocho-project.com

Die Vorlese-Aktion ist Teil des bundesweiten entwicklungspolitischen Projektes „Weibliche Genitalverstümmelung – mehr Engagement für bedrohte Frauen und Mädchen in Afrika! Ehrenamt stärken, Jugend erreichen, Entscheidungsträger bewegen“ und wird von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und dem hessischen Wirtschaftsministerium (HMWEVL) gefördert.

 


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