Leichtathletik beim Hünfelder SV - Wenn Ehrgeiz aus dem Gesicht hüpft: Die rasante Entwicklung der Edda Bischof

Sie ist 16. Schnupperte beim TV Flieden in die Leichtathletik hinein. Seit gut einem Jahr ist sie indessen für den Hünfelder SV aktiv - und es ist frappierend, welche Entwicklung Edda Bischof in dieser kurzen Zeitspanne genommen hat. Ihr Schokoladen-Bereich sind die Wurfdisziplinen Kugelstoßen und Diskus - Eddas beste Empfehlung ist wohl, dass sie unter den Top 20 in Deutschland angekommen ist. Das klingt wie ein Bewerbungsschreiben. Sieht man sie, hüpft auf Anhieb der Ehrgeiz aus dem Gesicht. Zudem scheint sie sie sich wohl zu fühlen in ihrer Haut. Denn als sie zum Termin erscheint, hat sie soeben eine Präsentation in der Marienschule in Fulda hinter sich. Die Hausarbeit widmete sich dem Thema, ob sich Leistungssport positiv auf Körper und Seele auswirkt.

Man sieht Edda an, dass ihr das Thema Spaß machte. Irgendwie badet sie jetzt noch darin. „Es ging so über zwölf Seiten“, sagt sie, während ihre Augen leuchten. Man könnte auch sagen, ein zehnminütiges Referat halten. Es ist nicht überliefert, was besonders Rainer Hahn, Trainer-Diamant von Hünfelds jungen Leichtathleten, sich so vorgestellt hatte. Hahn weiß vieles über seinen Nachwuchs, auch was der tut und so treibt. Kurzum: Heraus kam eine 1. Edda und Rainer hatten wohl auch nichts anderes erwartet. Später mehr über dieses interessante Thema. Dass Edda von sich behauptet, „ich bin ein ehrgeiziger Mensch“, das verwundert nicht. Leichtathletik betreibe sie nicht als Hobby, „Leichtathletik ist mein Leben“, sagt sie wie aus der Startpistole geschossen.

Da kommt auch Hans-Otto Göbel - wenn man so will, der zweite Trainer-Diamant - um die Ecke hier in der Rhönkampfbahn. Er ist Eddas zweiter Trainer. „Edda hat sich bedeutend verbessert“, sagt er, als hätte es noch eines Beweises bedurft für die rasante Entwicklung der 16-Jährigen. In gut einem Jahr mit der Kugel von 10 Meter bis auf 13,75 Meter - im Diskus von 22 Metern bis auf 37 Meter. „Ich mach‘ beides sehr gerne. An den Würfen, da hängt mein Herz dran“, lässt sie ihrer Vorliebe freien Lauf. Ohne aber anzufügen: „Ich sprinte auch sehr gerne - das aber nur nebenbei.“

Nebenbei? Vor ein paar Tagen nahm Edda Bischof mit der 4x200-Staffel der Startgemeinschaft Hünfeld - Baunatal - Friedrichstein an den Hessischen Hallen-Meisterschaften in Frankfurt-Kalbach teil. „Top 5 wäre schön, Top 8 auch nicht schlecht“, lag Eddas Messlatte der Erwartung eher niedrig und sie fühlte sich bescheiden an. „Wir formulieren das anders“, konterte Rainer Hahn: „Treppchen auf alle Fälle.“ Dieses Ergebnis trat auch ein. Mit der U20-Staffel in der Besetzung mit Lotte Schwarz, Emma Röhrdanz und Greta Lucia Ritz (bis auf Greta alle hochgestartet) wurde das HSV-Team in 1:46,84 Minuten auch Dritter.

Fünf- bis sechsmal in der Woche trainiert Edda. Zwei Stunden umfasst allein der Trainingsaufwand - mal ganz von An- und Abreise abgesehen - und dieser beträchtliche zeitliche Aufwand muss in Absprache mit ihren Trainern organisiert werden. Hinzu kommen die Kader-Lehrgänge. Zweimal pro Woche geht‘s zum Kadertraining nach Frankfurt-Kalbach, das dauert dann etwas länger. „Mit Acht oder Neun“ fing Edda Bischof mit der Leichtathletik beim TV Flieden an, ihre erste Trainerin war Ramona Sitzmann, dann kam Fliedens „Leichtathletik-Legende“ (selten traf ein Etikett mal so zu) Gerhard Reichenauer hinzu.

Wie der Wechsel in die Rhönkampfbahn denn jetzt zustande kam? „Rainer hat mich bei den Hessen-Meisterschaften 2024 gecoacht“, erinnert sich Edda. „Bei der Team-DM im selben Jahr hatten wir eine Startgemeinschaft. Dadurch habe ich dann auch ab und zu hier in Hünfeld trainiert, weil ich kurzfristig benötigt wurde. Und da war für mich ziemlich schnell klar, dass ich wechseln wollte. Ich brauchte für meine Entwicklung einfach neue Impulse.“ Unterdessen leuchten Rainer Hahns Augen. Ach was, sie leuchten nicht nur. Sie strahlen derart, als seien Entwicklung und Erfolge in der jüngeren Vergangenheit eine Berufung. „In der U18 der Mädels haben wir jetzt fast alle aus der näheren und weiteren Umgebung, die leistungesmäßig was erreichen wollen, hier beim HSV. Wir möchten, dass sie zusammen Spaß haben und sich vernünftig entwickeln.“ Das klingt wie ein in Stein gemeißeltes Gesetz.

Und Edda Bischof ist mittendrin. Sie ist eine von fünf Athleten des hessischen Landeskaders beim Hünfelder SV. Greta Lucia Ritz, Amelie Witzel, Emma Röhrdanz und Felix Veith - das sind die anderen. Und wie die beiden Trainer jetzt Edda charakterisieren, halten Sie sich fest bei der Begrifflichkeit. „Der Wille zu wollen“, sagt Rainer Hahn - das reicht fast dazu, um es in der Rhönkampfbahn zu plakatieren. „Der Wille, sich weiter zu entwickeln“, fügt Hans-Otto Göbel hinzu. Die Frage bleibt: Warum sieht man das nicht in der Rhönkampfbahn? Und es gilt sicher auch für andere.

Eines vergisst Rainer Hahn nicht - und das gilt natürlich auch für Edda Bischof. „Wenn die Eltern nicht so dahinter stehen würden, wäre es nicht zu machen.“ Einmal pro Woche ist Eddas Vater Thorsten da, er fährt sie dann nach Frankfurt; sonst reist sie mit dem Zug an. Sie ist ziemlich gut ausgebucht, „das ist für mich kein Problem, das unter den Hut zu bekommen“, nimmt es die 16-Jährige hin, als sei es nichts Besonderes. Ihr Trainer Rainer Hahn erklärt indessen in eine paar Worten, was alles daran hängt, das aufwendige Unternehmen „Leichtathletik beim HSV“ zu bewältigen. Und das ist nur ein Rahmen. „Das Dreigestirn Athlet, Eltern und Trainer muss passen. „Es gab noch keinen Wettkampf, zu dem die Eltern nicht mitgefahren sind.“ Denn es ist ja klar: Eltern fördern ihre Kinder.

Jetzt ist es an der Zeit, dass Edda Bischof sich über ihre Coaches äußert. „Rainer ist sehr ehrlich. Sehr offen. Er nimmt kein Blatt vor den Mund.“ Und Hans-Otto? „Auch er ist immer ehrlich. Er kann mir in den Arsch treten. Im Wettkampf hört man das auch. Und ich gebe nochmal alles.“ Was sie ausdrücken möchte: Beide sind mentale Stützen für sie. Es besteht ein Vertrauensverhältnis. Und welche Rolle spielen für die 16-Jährige Schule und berufliches Vorankommen? Die Realschülerin betont: „Ich habe zwei Praktika im Kindergarten in Flieden hinter mir. Ich will noch weiter Schule machen und mich dem Sozialwesen auf der Konrad-Zuse-Schule in Hünfeld widmen.“ Berufswunsch? „Auf jeden Fall was mit Kindern.“ Zeit bleibt auch für die Labrador-Hündin Emma. „Mit ihr bin ich jeden Tag unterwegs. Von fünf bis zwölf Kilometern ist alles dabei.“ Es dauert nicht lange, und der Ehrgeiz hüpft aus Eddas Gesicht. +++ rl


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