Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sieht für eine künftige Finanzierung des Gesundheitswesens in Deutschland einen höheren Zuschuss aus Steuergeld als unausweichlich an. „Mittelfristig muss der Steuerzuschuss für die Kranken- und Pflegeversicherung erhöht werden“, sagte Lauterbach der „Rheinischen Post“. „Der Beitragssatz zur Gesetzlichen Krankenversicherung wird auch im nächsten Jahr wie bereits angekündigt erneut moderat steigen müssen. Aber wir werden an der Beitragsschraube nicht mehr oft drehen können.“ Derzeit gebe es keine Chance, den Steuerzuschuss zu erhöhen, weil Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) die Schuldenbremse einhalten wolle. „Dafür habe ich volles Verständnis. Das ist der Rahmen, in dem ich arbeite“, sagte Lauterbach. „Umgekehrt erwarte ich aber auch vom Finanzminister, dass er mich meine Arbeit machen lässt.“
Gesundheitsminister will Digitalisierung vorantreiben
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sieht in der Digitalisierung des Gesundheitswesens eine Voraussetzung für den Verbleib von Spitzenmedizin in Deutschland. „Ich habe eher Angst davor, dass wir in Deutschland der Bevölkerung keine Spitzenmedizin mehr bieten können, wenn wir nicht endlich bei der Digitalisierung aufholen“, sagte Lauterbach der „Rheinischen Post“. Deutschland sei diesbezüglich ein Entwicklungsland. „Wir reden viel und machen wenig“, sagte Lauterbach. „Ich werde das jetzt mit allem Druck voranbringen.“ So bekomme ab Januar 2025 jeder Patient automatisch eine elektronische Patientenakte von seiner Krankenkasse, es sei denn, er habe vorher aktiv Widerspruch eingelegt. „Wer heute zum Arzt geht, dem fehlen in seiner Akte oft alte Laborwerte, Informationen zu verordneten Medikamenten oder alte Befunde. Dies soll alles in der elektronischen Patientenakte gespeichert werden – und zwar sicher.“ So kämen nach Unter suchungen die neuen Befunde auch sehr viel schneller zum Patienten oder Hausarzt. Überdies gehe es beim E-Rezept voran, erklärte der Minister. „Wir haben bislang insgesamt 2,6 Millionen E-Rezepte in Deutschland eingelöst. Ich kann sagen: Es funktioniert.“ Die Apotheken hätten fast flächendeckend die Voraussetzungen dafür geschaffen. „Und mit den Digitalgesetzen verpflichten wir die Ärzteschaft jetzt ebenfalls zum Mitmachen“, sagte Lauterbach. +++
