Langzeitarbeitslosigkeit in Hessen – Arbeitsaufnahme ist schwer, aber möglich

Langzeitarbeitslose weisen mehrere Hemmnisse auf

Agentur für Arbeit

Wiesbaden. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist deutschlandweit von 1,7 Millionen im Jahr 2010 auf unter eine Million im Jahr 2017 gefallen und war damit um 9,3 Prozent geringer als noch 2016. Somit konnten auch Personen mit schwierigeren Ausgangsbedingungen am Arbeitsmarkt von der guten Wirtschaftsentwicklung der letzten Jahre profitieren. Auch in Hessen setzte sich dieser positive Trend fort: So waren 2017 nur noch rund 60.000 Personen langzeitarbeitslos (2010: 74.000), was etwa einem Drittel aller Arbeitslosen entsprach. Jeder zweite Arbeitslose in der Grundsicherung (SGB II) galt 2017 als langzeitarbeitslos und war somit 12 Monate und mehr ohne Beschäftigung. In der Arbeitslosenversicherung (SGB III) fiel 2017 lediglich jeder Zehnte unter diese Kategorie. Trotz eines kontinuierlichen Anstiegs der Beschäftigung und einer Abnahme der Arbeitslosigkeit hat sich der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen in Hessen kaum verändert. Ein vergleichsweise hohes Risiko langzeitarbeitslos zu sein haben ältere Menschen und Geringqualifizierte. Welche Faktoren zusätzlich eine Rolle spielen, haben die Forscher des IAB-Hessen in ihrer neuesten Studie dargelegt. Sie kommen zu der grundlegenden Aussage, dass Arbeitslose, die schon mindestens ein Jahr arbeitslos sind, geringere Chancen haben eine Beschäftigung am Ersten Arbeitsmarkt oder eine Selbstständigkeit aufzunehmen.

Langzeitarbeitslose weisen mehrere Hemmnisse auf
Wenn ein erfolgreicher Abgang in den Ersten Arbeitsmarkt gelingt, sind diese Beschäftigungsverhältnisse bei Langzeitarbeitslosen (86,2 Prozent) seltener sozialversicherungspflichtig als bei Nichtlangzeitarbeitslosen (91 Prozent). Das ist zum Teil auf eine höhere Anzahl von Vermittlungshemmnissen zurückzuführen. Individuelle Schwierigkeiten, wie ein fehlender Schulabschluss oder eine Schwerbehinderung, erschweren eine Integration in den Arbeitsmarkt. Neben der Dauer der Arbeitslosigkeit selbst, beeinflusst die schulische bzw. berufliche Qualifikation eine erfolgreiche Eingliederung in den Arbeitsmarkt am stärksten. 2016 hatte etwa jeder vierte Langzeitarbeitslose keinen Schul- und fast zwei Drittel keinen Berufsabschluss, während das nur bei rund jedem sechsten bzw. zweiten Nichtlangzeitarbeitslosen der Fall war. Je länger Personen arbeitslos sind, desto häufiger weisen sie mehrere Hemmnisse auf. Rund 55 Prozent aller Langzeitarbeitslosen, die 12 bis 18 Monate arbeitslos sind, haben neben der Langzeitarbeitslosigkeit höchstens ein zusätzliches Hemmnis. Bei Personen mit mehr als 48 Monaten Arbeitslosigkeit sind es nur noch 45 Prozent. Rund jeder vierte Langzeitarbeitslose weist dagegen vier oder mehr Hemmnisse auf. Diese „Mehrfachbetroffenheit“ ist eine Ursache für die großen Unterschiede in den Abgangsraten von Arbeitslosen.

DGB: Chancen von Langzeitarbeitslosen durch Qualifizierung verbessern
Der stellv. Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, Sandro Witt erklärte: „Die IAB-Studie bestätigt unsere Forderung nach einer gezielten abschlussorientierten Förderung von Langzeitarbeitslosen. Wer einen Schulabschluss und eine abgeschlossene Berufsausbildung hat, wird schneller in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt als jemand, bei dem das nicht der Fall ist. Arbeitslose, die auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen sind, müssen abschlussorientierte Weiterbildungsmöglichkeiten erhalten, die sie für den ersten Arbeitsmarkt fit machen. Der Weg aus der Langzeitarbeitslosigkeit darf nicht dauerhaft in Befristung und geringfügiger Beschäftigung münden. Die Instrumente für abschlussbezogene Weiterbildung sowohl im Jobcenter, als auch in der Agentur, müssen umfassend genutzt werden, um so Aufstiegsprozesse am Arbeitsmarkt zu fördern und zu stärken. Damit sich Arbeitslosigkeit nicht verfestigt, ist es wichtig, jetzt zu handeln, um Langzeitarbeitslosigkeit möglichst gar nicht erst aufkommen zu lassen. Die Arbeitgeber sind zudem gefordert, bei der Stellenbesetzung mehr als bisher auch Menschen in die Auswahl zu nehmen, die längere Zeit arbeitslos gewesen sind.“ Aus Sicht des DGB müssen zudem die Jobcenter sachgerecht mit Personal und Geld ausgestattet werden, damit das finanziell unterstützte Nachholen von Berufsabschlüssen auch darüber möglich ist. Werden die Jobcenter allerdings nicht auf eine stabile finanzielle Grundlage gestellt und realistische Verwaltungskosten zugrunde gelegt, wird es auch langfristig bei einer Unterfinanzierung der Jobcenter bleiben, so Witt. Auch die Landesregierung sei gefordert, aktiv zu werden und den Ausbau von öffentlich geförderter Beschäftigung auf den Weg zu bringen. Jobcenter und Arbeitsagenturen hätten damit einen erweiterten Handlungsspielraum für den Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit und deutlich bessere Möglichkeiten benachteiligten Zielgruppen stärker unter die Arme zu greifen. +++

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