Landkreis zahlt Beihilfe für passende Sprossenfenster in Fachwerkhaus

Der repräsentative Fachwerkgiebel mit Schmuckhölzern, geschnitzten Balkenköpfen und Füllhölzern wurde in 2009 nach Denkmalschutzvorgaben grundlegend saniert.

Hofbieber. Allmus ist bekannt für seine zahlreichen Fachwerkhäuser. Trotzdem stellt der Bauernhof der Familie Hau in der Johannesstraße 5 eine Besonderheit dar: Aufgrund der Giebelseite mit Schmuckhölzern in Form von gebogenen Streben und Rauten sowie geschnitzten Balkenköpfen und Füllhölzern wurde dem Haupthaus von der Denkmalschutzbehörde des Landkreises eine „bau- und kunstgeschichtliche Bedeutung“ als „repräsentatives ländliches Wohnhaus im Stil des Historismus mit Jugendstilelementen“ zugesprochen.

Eine solche Bauweise ist für die Entstehungszeit um 1900 kennzeichnend. Karl und Maria Bott hatten das Haus 1908 errichten lassen. Im Jahr 1959 erfolgte die erste grundlegende Renovierung: Die Nachkommen Hermann und Rosa Bott bauten die im Haupthaus integrierten Stallgebäude zu Wohnraum um. Doch erst 1976 geschah, was die Denkmalschutzbehörde heute als „Fehlgriff“ sieht: Der jetzige Eigentümer Aloys Hau, ein Neffe der Botts, hatte gemeinsam mit seiner Frau Erna die Landwirtschaft seiner kinderlosen Verwandten übernommen und in das Wohnhaus moderne, große Fenster einsetzen lassen. „Die sehen aus wie tote Augen“, urteilt Eva Kohlmann von der Denkmalschutzbehörde des Landkreises über solche Fenster in ansonsten original erhaltenen Gebäuden.

Um das historische Erscheinungsbild wiederherzustellen, unterstützt die Denkmalschutzbehörde Hausbesitzer dabei, solche „Modesünden“ wieder gutzumachen. Als im Jahr 2009 der repräsentative Fachwerkgiebel nach Denkmalschutzvorgaben grundlegend saniert wurde – neben einem Rotkalkputz erhielt er einen Anstrich mit Leinölfarben – sahen Besitzer und Denkmalbehörde dies als Gelegenheit, auch die großen Fenster durch Sprossenfenster zu ersetzen. Nachteile entstanden den Bewohnern dadurch nicht: „Die Sprossenfenster lassen genauso viel Licht in die Zimmer. Und gestrichen werden mussten die großen Holzfenster auch ab und zu“, sagt Aloys Hau.

Um den optischen Eindruck des gepflegten Fachwerkensembles zu perfektionieren, wollen die Besitzer nun Schritt für Schritt auch die Fenster auf der Hofseite austauschen, und zwar (wie schon beim Giebel) im Stil „Wiener Sprosse“. Diese Fenster sehen aus wie die einfach verglasten Originale, doch tatsächlich bestehen sie aus einer einzelnen große Scheibe mit wärmedämmender Doppelverglasung und aufgeklebter Sprosse. Diese Attrappe sieht den echten Sprossenfenstern mit mehreren kleinen Scheiben täuschend ähnlich, ist aber im Preis wesentlich günstiger. Da der Fenstertausch trotz dieses denkmalpflegerischen Kompromisses nicht billig ist, leistet der Landkreis aus seinem 25 000 Euro im Jahr umfassenden Budget für den Erhalt denkmalgeschützter Gebäude eine Kreisbeihilfe in Höhe von 1625 Euro. Vier Fenster sind 2017 mit Gesamtkosten in Höhe von 10 000 Euro erneuert worden.

Wenn Sohn Daniel, der die elterliche Landwirtschaft im Nebenerwerb weiterführt, den Ausbau der mittleren Etage fortsetzt, möchte er Schritt für Schritt auch die verbliebenen acht großen Fenster im Haus durch Sprossenfenster ersetzen. Dann sieht das Gebäude wieder aus wie auf den alten Schwarz-Weiß-Fotos, die Familie Hau in Ehren hält. Nur zwei Unterschiede entdeckt der aufmerksame Betrachter: 1968 befand sich die Feuerwehrsirene des Dorfes auf dem Dach des Hauses des damaligen Bürgermeisters Hermann Bott und an der Giebelwand prangte das Schild, das auf sein Amt hinwies. +++


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