Kreisbeigeordneter Frederik Schmitt im Gespräch

„15 bis 20 Prozent der Ansteckungen finden derzeit auf dem Arbeitsplatz statt“

Erster Kreisbeigeordneter und Gesundheitsdezernent des Landkreises Fulda, Frederik Schmitt (CDU)

Die Inzidenzzahlen in Fulda sind viel zu hoch; Wir müssen sie deutlich nach unten bringen!“ Mit diesem Appell wandte sich Fuldas Oberbürgermeister Dr. Wingenfeld (CDU) an diesem Wochenende an die Fuldaer Bürgerinnen und Bürger. Mit ein Grund, der uns dazu veranlasste, mit dem Ersten Kreisbeigeordneten und Gesundheitsdezernenten des Landkreises Fulda, Frederik Schmitt (CDU), zu sprechen – über die vergangenen Wochen und Monate vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, die den Landkreis Fulda im hessenweiten Vergleich besonders schwer getroffen hat. Seit Wochen verharrt die Region Fulda im Vergleich zu anderen Regionen auf einem relativ hohen Inzidenzwert. Wir wollten von dem Ersten Kreisbeigeordneten und Gesundheitsdezernenten des Kreises wissen, worauf sich dies seiner Meinung nach zurückführen lässt.

„Der sogenannten Wert der Inzidenz fasst die positiv getesteten Personen der letzten sieben Tage zusammen und setzt diese Zahl ins Verhältnis der Einwohner. Um Weihnachten und den Jahreswechsel herum hatten wir im Landkreis Fulda sehr hohe Inzidenzen. Diese stagnierten in der ersten und zweiten Januarwoche. Eine Zeit, in der der Landkreis Fulda von allen anderen Landkreisen in Hessen am stärksten betroffen war“, lässt Schmitt die vergangenen Monate Revue passieren. Ein Schwerpunkt der Ansteckungen mit dem Virus markierten die Alten- und Senioreneinrichtungen, aber auch in der allgemeinen Bevölkerung Fulda griff die Pandemie um sich. „Ein Großteil der Infektionen geschah im privaten Bereich zuhause – aber auch bei Treffen mit Freunden“, so Gesundheitsdezernent Schmitt. Zu Beginn der zweiten Welle gingen die Infektionszahlen innerhalb von sehr kurzer Zeit (3 Wochen) im Landkreis stark zurück und fielen von über 300 auf Inzidenzwerte von um die 50. „Ende Februar hatten wir eine sehr geringe Krankheitslast“, erinnert sich Schmitt. Nach einem Wert der Inzidenz von 55 – 60 begann die dritte Welle und die Inzidenzzahlen stiegen auch im Landkreis Fulda wieder auf 330 an. „Seit dem sind wir jetzt die vergangenen 14 Tage sehr langsam – zunächst gleichbleibend – auf einem Plateau geblieben. Die letzten Tage fallen die Zahlen wieder.” Der aktuelle Wert der Inzidenz liegt bei 219,6 (Stand: 02.05 2021).

Markierten noch zu Beginn der Pandemie Altenpflegeheime und Seniorenzentren einen Infektions-Hotspot, ereignen sich heute dort nur noch sehr wenige bis gar keine Infektionsfälle. „Wir haben heute eigentlich keinerlei Infektionen mehr in Alten- und Seniorenzentren. Dieser Einrichtungen sind nicht mehr betroffen von größeren Ausbrüchen oder Infektionsfällen“, so Schmitt. Und weiter: „Von 100 Infektionsfällen können wir 50 Fälle nachverfolgen, dass sich die Ansteckungen im unmittelbaren Umfeld des Infizierten ereigneten, also bei ihm zuhause oder in seinem unmittelbaren Umfeld (Freundes- und Bekanntenkreis). 25 Prozent der Infektionen können wir jedoch nicht nachverfolgen, wir können jedoch Rückschlüsse ziehen, dass aktuell 15 bis 20 Prozent der Fälle auf dem Arbeitsplatz (Betriebe, Firmen) stattfinden. Das ist das, was wir seit mehreren Wochen und Monaten wahrnehmen. Und zwar in allen Bereichen (Verarbeitungsgewerbe, Dienstleistungen etc.).“

Die Anzahl der infizierten Personen ist hier sehr unterschiedlich: „Mal handelt es sich um kleine Ausbrüche von fünf bis sechs Personen, mal um größere von bis zu 50 Personen. Je nach Größe des Betriebes. Man muss aber auch wissen, dass diese 15 Prozent der sich infizierten Personen auf die Ausbreitung des Virus nicht unerheblich sind, weil jeder, der sich auf dem Arbeitsplatz infiziert hat, das Virus auch wieder weitergeben und in die eigene Familie tragen kann.“ Ein wesentlicher Punkt, der die Pandemie wesentlich beeinflusst hat, ist die Britische Variante (B.1.1.7.), die in Deutschland um die 90 Prozent aller Infektionen ausmacht – in Fulda sogar 98 Prozent. Was Gesundheitsdezernent Frederik Schmitt hierzu sagte und was er der hier lebenden Bevölkerung außerdem rät, erfahren Sie im kompletten Video. +++ jessica auth

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1 Kommentar

  1. Seltsam ist doch bei all den Vermutungen, wo sich Leute angesteckt haben könnten die zwanghafte Ausblendung der Möglichkeit, sich eben im BUS der Rhönenergie anzustecken. Gerade Schülerinnen und Schüler sowie Berufstätige, die jeden Tag den Bus benutzen, setzen sich einem hohen Risiko aus, direkt neben jemandem zu sitzen, der bereits infiziert ist und sich so anzustecken. Da aber die Einstellung des ÖPNV für die Rhönenergie und damit die Stadt Fulda ein finanzielles Desaster bedeuten würde wird eben – und da ist Fulda nicht allein – mit Hinweis auf fragwürdige Studien so getan, als gäbe es Ansteckung im Bus gar nicht. Also gilt, was für Gastronomie, Theater und Kino gültig ist, nämlich zumachen, eben für die Busse nicht. Und auch deshalb sind und bleiben die Zahlen in Fulda hoch!

    Die Stadt Hanau hat im Übrigen erst vor Kurzem ihre Busse bzw. die Klimaanlagen mit UV-C Filtern ausgestattet. Warum wohl? Und was tut die Rhönenergie eigentlich, um ihre Buskunden vor Ansteckung zu schützen? Fragwürdige Gutachten zu zitieren reicht da sicher nicht.

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