Kreis Fulda leistet täglich mehr als 430.000 Arbeitsstunden

Rund 431.000 Arbeitsstunden leisten Beschäftigte im Landkreis Fulda nach Berechnungen des Pestel-Instituts durchschnittlich pro Tag – in Handwerk, Industrie, Handel und Dienstleistungssektor. Für die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ist das eine Zahl, die die hohe Belastung vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer widerspiegelt. „Viele schieben täglich Überstunden. Und gerade der Wechsel zwischen Früh-, Tages-, Spät- und Nachtschicht reibt viele Menschen auf“, sagte Guido Noll, Geschäftsführer der NGG Nord-Mittelhessen.

Noll kritisierte Pläne der Bundesregierung, den gesetzlichen Acht-Stunden-Tag aufzuweichen und künftig längere Arbeitszeiten zu ermöglichen. „Der Bund will den 8-Stunden-Tag kippen. Künftig sollen 12-Stunden-Schichten möglich sein. Das darf auf keinen Fall passieren“, so Noll. Die Folgen zu langer Arbeitszeiten würden die Beschäftigten „mit ihrer Gesundheit bezahlen“. Die NGG ruft ihre Mitglieder zur Beteiligung an der bundesweiten DGB-Kampagne „Mit Macht für die 8“ auf.

Die Gewerkschaft warnt vor gesundheitlichen Risiken durch „zu viel Arbeit am Stück“. Wer regelmäßig mehr als zehn Stunden pro Tag oder über 40 Stunden pro Woche arbeite, spüre das früher oder später, sagte Noll. Erste Symptome seien häufig Kopfschmerzen, Schwindel, Verdauungs- oder Schlafstörungen. Ignorierten Beschäftigte diese Warnsignale, drohten in der Folge Burnout, Depressionen, Diabetes oder ein erhöhter Alkoholkonsum.

Besonders problematisch seien unregelmäßige Arbeitszeiten und Wechselschichten. „Früh-, Spät- und Nachtschichten bringen die innere Uhr enorm durcheinander. Wenn diese noch regelmäßig wechseln, wird es schnell kritisch“, so Noll. In der Lebensmittelindustrie komme dies besonders häufig vor. Rückenschmerzen, Müdigkeit und Niedergeschlagenheit seien typische Beschwerden, rund die Hälfte der Beschäftigten klage über Schlafstörungen.

Auch aus Sicht des Arbeitsschutzes seien zu lange Arbeitstage gefährlich. Das Unfallrisiko steige nach mehr als acht Stunden deutlich an, sagte Noll. Müdigkeit nehme zu, Konzentration ab. „Ab der 12. Stunde passieren statistisch doppelt so viele Unfälle wie bei einem 8-Stunden-Tag.“ Zudem erhöhten lange Wochenarbeitszeiten laut arbeitsmedizinischen Untersuchungen das Schlaganfallrisiko: Bei 41 bis 48 Stunden pro Woche um zehn Prozent, bei 55 und mehr Stunden um 33 Prozent.

Hinzu komme die erschwerte Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Wer holt das Kind aus der Kita ab oder unterstützt pflegebedürftige Angehörige, wenn überlange und unplanbare Arbeitstage die Regel sind?“, fragte Noll.

Die NGG fordert daher ein klares Bekenntnis zum bestehenden Arbeitszeitgesetz. „Am 8-Stunden-Tag darf keiner rütteln“, betonte Noll. Eine Aufweichung der Tageshöchstgrenze würde einen zentralen Pfeiler des Arbeits- und Gesundheitsschutzes gefährden. Die Bundestagsabgeordneten aus dem Landkreis Fulda und der Region müssten dies „mit nach Berlin nehmen“. +++


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