Im Kreis Fulda leben derzeit etwa 46.800 Menschen, die das Rentenalter erreicht haben. In fünf Jahren wird diese Zahl auf rund 50.200 steigen und bis 2035 auf etwa 58.300 anwachsen – ein Anstieg von 24 Prozent gegenüber heute. Diese Prognose stammt vom Pestel-Institut im Auftrag der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Die NGG Nord-Mittelhessen warnt vor zu niedrigen Renten und fordert Maßnahmen gegen ein Abrutschen der Rente.
Andreas Kampmann, Geschäftsführer der NGG Nord-Mittelhessen, appelliert an die Beschäftigten im Landkreis Fulda, den Wahlkampf zu nutzen und den Parteien ihre Position zur Rente abzuringen: „Wer hier für den Bundestag kandidiert, muss klar Stellung beziehen.“ Die entscheidende Frage sei, wie hoch die Kandidaten das Rentenniveau ansetzen wollen.
Eine dringende Reform des Rentensystems ist nötig. Das zentrale Thema dabei ist das Rentenniveau: Je höher es liegt, desto mehr Geld bleibt Senioren übrig. Eine Haltelinie bei mindestens 48 Prozent sollte bestehen bleiben; andernfalls droht Altersarmut für viele Menschen.
Neben dem „Prozent-Check“ zur Höhe der Rente müssen auch Pläne zum Eintrittsalter hinterfragt werden: „Ab wann können Menschen ohne Abschläge in Rente gehen?“ Diese Frage sollten Beschäftigte den Kandidaten immer wieder stellen.
Parteien mit Plänen zur Erhöhung des Renteneintrittsalters betreiben laut Kampmann eine Politik fernab von der Lebensrealität vieler Arbeitnehmer. Schon jetzt sei die Rente mit 67 für viele unerreichbar – besonders für jene in körperlich belastenden Berufen wie Köche oder Produktionshelfer in der Lebensmittelindustrie.
Die NGG Nord-Mittelhessen fordert zudem einen „Rententopf für alle“. Für jeden Beruf sollte es zukünftig eine gemeinsame Kasse geben – unabhängig davon ob Rechtsanwältin oder Lebensmitteltechnikerin –, um finanzielle Stabilität zu gewährleisten und eine Aktienrente abzulehnen.
Entscheidend ist außerdem ein guter Lohn während des Arbeitslebens: Wer zum Mindestlohn arbeitet, riskiert Altersarmut. Im Landkreis Fulda verdienen rund 26.900 Personen weniger als 15 Euro pro Stunde – eine Armutsfalle fürs Alter laut Kampmanns Einschätzung.
Das Ziel muss sein, mehr tarifgebundene Jobs zu schaffen; dies steht auch bei dieser Bundestagswahl auf dem Spiel unter dem Stichwort Bundestariftreuegesetz – worauf viele Niedriglohn-Beschäftigte hoffen dürfen –, damit künftig konsequent Tariflöhne gezahlt werden bei öffentlichen Aufträgen. +++
Das könnte Sie auch interessieren
Zwischen Kooperation und Konstruktion: Der Streit um die Mehrheitsklausel in Fulda
„Stadtradeln“ in Fulda startet mit Fahrradmuseum und Tourenprogramm auf dem Uniplatz
Fulda will den Hessentag neu erzählen
Jahresempfang der Sparkasse: Zwischen Rückblick, Zuversicht und der Frage nach dem guten Leben
Christian Meier neuer Ortsvorsteher in Eichenzell

Hinterlasse jetzt einen Kommentar