Klotzsche (FDP): Sparkasse Fulda muss handeln

Fulda. Im Zusammenhang mit der Antwort des hessischen Wirtschaftsministers Tarek Al-Wazir auf eine Kleine Anfrage des FDP-Landtagsabgeordneten Jürgen Lenders (Fulda) zu den hessischen Sparkassen erklärt Mario Klotzsche, Vorsitzender der FDP Fraktion im Kreistag Fulda: „Die Sparkasse Fulda hatte im Jahr 2007 noch 50 Filialen, im nächsten Jahr werden es nur noch 34 sein. In weniger als zehn Jahren sind 16 Filialen geschlossen wurden. Auch die Zahl der Mitarbeiter ist von 863 im Jahr 2007 auf 800 Ende 2015 reduziert wurden. Ihr Bilanzsumme konnte die Sparkasse Fulda im gleichen Zeitraum von 2,87 Milliarden Euro um rund 600 Millionen Euro steigern. Die Erträge und Zinsüberschüsse stiegen von rund 86,4 Millionen Euro (2007) auf 92,7 Millionen Euro (2015), also um sieben Prozent. Das Volumen der Kundenkredite blieb dagegen bei rund 1,9 Milliarden Euro auf stabilem Niveau. Auch die Kredite an Unternehmen und Selbstständige haben sich von 2007 bis 2015 nicht erhöht, sondern liegen konstant bei rund 1,05 Milliarden Euro. Erheblich sind allerdings die Vorstandsbezüge gestiegen, nämlich von 482.000 Euro auf 882.000 Euro, ein satter Anstieg um 80 Prozent. Das ist erstaunlich, weil einige Sparkassen, zum Beispiel die Frankfurter, die Summe der Vorstandsbezüge im gleichen Zeitraum reduziert haben.“

„Die Zahlen des hessischen Wirtschaftsministeriums zeigen, dass die Sparkassen finanziell gesund sind und insgesamt über 9,3 Milliarden Euro Eigenmittel bei einer durchschnittlichen Kerrkapitalquote von 18,3 Prozent verfügen. Bei der Vergabe von Krediten an Privatkunden, Unternehmen und Selbstständig zeigt sich aber bei der Sparkasse Fulda eine deutliche Zurückhaltung. Angesichts der positiven wirtschaftlichen Entwicklung in den letzten Jahren stellt sich die Frage, warum das Volumen der Kredite an Kunden und Unternehmen seit fast zehn Jahren stagniert. Vor allem bei der Finanzierung der mittelständische Unternehmen und Gewebetreibenden in der Region muss die Sparkasse eine aktive Rolle spielen. Es bringt nichts, wenn die EZB immer mehr Geld druckt, aber bei den Firmen davon wenig ankommt. Eine Kreditklemme darf nicht entstehen“, erläuterte Klotzsche.

„Die Zahlen zeigen auch, dass es nicht wirtschaftliche Not ist, die die Sparkassen zur Schließung der Filialen treibt, sondern die Optimierung der Kostenstrukturen. Das ist grundsätzlich auch nicht falsch, aber darüber dürfen die Sparkassen ihren öffentlich-rechtlichen Auftrag nicht vergessen. Träger sind der Landkreis und die Stadt Fulda. Das Hessische Sparkassengesetz sagt, dass „die Förderung des Sparens, der Vermögensbildung, die Befriedigung des örtlichen Kreditbedarfs unter besonderer Berücksichtigung der Arbeitnehmer, des Mittelstandes, der gewerblichen Wirtschaft und der öffentlichen Hand“ Aufgabe der Sparkassen sei und sie unter Beachtung ihres öffentlichen Auftrags zu führen sind. Außerdem sei „die Erzielung von Gewinn nicht Hauptzweck des Geschäftsbetriebes“. Mit anderen Worten, als öffentlich-rechtliche Anstalten im Eigentum der Kommunen müssen Sparkassen mehr tun, als nur Geld verdienen, denn sonst bräuchte man sie nicht als staatliche Institutionen und könnte gleich auf Privatbanken setzen. Zu den Aufgaben der Sparkassen gehört es meiner Ansicht nach auch, die Versorgung der ländlichen Gemeinden sicherzustellen, wo viele ältere Bürger wohnen, die seit Jahrzehnten treu ihr Konto bei der Sparkasse führen. Deshalb muss sich die Sparkasse Gedanken machen, wie sie mit neuen Formen der Versorgung trotz der Veränderungen in der Fläche präsent bleiben kann. Es ist jedenfalls keine Lösung einfach eine Filiale nach der anderen zu schließen. Zu den Aufgaben gehört außerdem ein Serviceangebot vorzuhalten, dass nach 16 Uhr geöffnet ist. Die meisten Arbeitnehmer und Gewerbetreibende haben nicht 16 Uhr Feierabend und können auch nicht extra Urlaub nehmen, weil sie zur Sparkasse müssen. Das passt nicht in eine Zeit, in der viele Geschäfte und Supermärkte auch nach 20 Uhr geöffnet haben“, so Klotzsche. +++ (pm)


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2 Kommentare

  1. Richtig. Wenn wesentliche Infrastrukturelemente aus ländlichen Strukturen herausgestrichen werden, etwa die Sparkassenfiliale, obwohl es dafür keine tatsächliche Notwendigkeit gibt (wirtschaftliche Entwicklung), dann ist das Self-Fulfilling-Prophecy, quasi die Vorwegnahme des demografischen Wandels und seiner Entwicklungen, das ist vorauseilender Gehorsam gegenüber unserem Untergang. Herr Klotsche hat Recht, wenn er sagt, dass die Sparkasse den entgegengesetzten Auftrag hat, nämlich politisch gewollte Strukturen zu stärken statt zu schwächen.

    Was Herr Klotzsche uns nicht sagt, ist die Wahrheit über den Euro und die EZB: Super-Mario druckt das Geld nicht für den kleinen Unternehmer in der Rhön, sondern um Spanien, Portugal, Italien und vor allem Griechenland wirtschaftlich am Leben zu erhalten. Dass wir keine Zinsen mehr auf unser Sparkonto bekommen, stellt nicht nur das Geschäftsmodell von Sparkassen auf die Probe. Der massenhaft Aufkauf von Schrott-Anleihen durch die EZB (griechische Staatsanleihen…) ist eine gigantische Eigentums-Umverteilung in Richtung der ökonomisch nicht stabilen Südländer, der unsere Währung und die wirtschaftliche Sicherheit Europas massiv gefährdet. Es gibt mittlerweile Ökonomen, die vor dem Platzen des Euro in naher Zukunft warnen – das hatten wir bei der DM nicht.
    Es wäre auch die Aufgabe von Sparkassen, gegen diese Politik der EZB zu opponieren, denn wer sonst hätte noch Einfluss auf die Chaoten in dieser Glücksspielzentrale in Frankfurt? Die verzocken jetzt schon unsere Zukunft, setzen unsere wirtschaftliche Existenz auf´s Spiel. Nicht auszudenken, wenn das schiefgeht. Dagegen wäre der Euro-Austritt Griechenlands eine heilsame Veranstaltung in der Größenordnung eines Kindergeburtstags gewesen.

  2. Das ist auch einer der Gründe, warum im Vogelsberg und in manchen Gemeinden im Landkreis Fulda immer mehr Menschen wegziehen und die Gemeinden daher langsam aussterben: wenn es im Ort keine Sparkasse, keine Postfiliale, keine Ärzte, keine Apotheken, keine Lebensmittelläden und auch sonst nix mehr gibt, dann – und da gebe ich so manchem Kritiker Recht – hält es niemanden mehr dort, der noch jung genug ist, sich anderswo in einer Stadt eine neue Existenz aufzubauen. Wollen unsere Politikerinnen und Politiker das Sterben im ländlichen Raum verhindern, dann müssen sie da energisch entgegensteuern! Da hilft auch kein schnelles Internet! Leider!

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