Kliniken mahnen Länder zu mehr Einsatz bei Impfzentren

Mittelstand: Betriebsärzte stärker in Impfkampagne einbinden

Krankenhaus-Patient

Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, hat die Bundesländer angesichts der vierten Corona-Welle aufgerufen, umgehend die Impfzentren wieder zu öffnen und Krankenhäuser administrativ und organisatorisch beim Impfen zu unterstützen. „Wir brauchen ein hohes Impftempo“, sagte er der „Rheinischen Post“. Außerdem müsse der Hospitalisierungsinzidenz ohne Zeitverzug digital gemeldet werden. „Wir sind noch immer in einer Situation, in der wir ein analoges Meldeverfahren haben, das nicht überall tagesaktuelle Daten liefert. Das ist nicht länger vertretbar.“

Mittelstand: Betriebsärzte stärker in Impfkampagne einbinden

Der Mittelstand hat die Politik zu einer stärkeren Einbindung der Betriebsärzte und zur Bereitstellung von mehr Impfstoffen für die notwendigen Booster-Impfungen aufgefordert. „Die Politik muss hier eine gleichberechtigte Versorgung mit Vakzinen sicherstellen und gegebenenfalls in Corona-Hotspots eine Priorisierung der betrieblichen Impfungen ermöglichen“, sagte der Bundesgeschäftsführer des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), Markus Jerger, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Montagsausgaben). „Betriebsärzte kennen die betrieblichen Bedingungen, verfügen über die nötige Erfahrung beispielsweise durch Grippe-Impfungen und können den Mitarbeitenden ein maßgeschneidertes Impfangebot machen“, so der Chef des Mittelstandsverbandes. Das sei angesichts der explodierenden Inzidenzen wichtiger denn je, zumal viele Impfzentren geschlossen blieben und die Hausärzte oftmals überlastet seien. Angesichts des nachlassenden Impfschutzes der in Erst- und Zweitimpfungen verabreichten Impfungen gegen Covid-19 werden in den nächsten Monaten Millionen sogenannter Booster-Impfungen notwendig. Die Politik habe den Betrieben die Verantwortung für den Impfschutz der Mitarbeitenden übertragen. „Dann muss sie jetzt auch die notwendigen Voraussetzungen für den erfolgreichen Einsatz von Betriebsärzten bei den Booster-Impfungen schaffen und dabei aus Fehlern lernen“, sagte Jerger. Die Betriebsärzte seien bei den vergangenen Erst- und Zweitimpfungen zu spät eingebunden und zudem bei der Belieferung mit Impfstoff etwa gegenüber den Impfzentren benachteiligt worden seien. Der Mittelstandschef schlägt vor, dass sich kleinere Unternehmen, die über keine eigenen Betriebsärzte verfügten, sich größeren Betrieben anschließen oder Impfverbünde bilden könnten. „Ich bin sicher, dass mittelständische Unternehmen hier pragmatische, flexible Lösungen finden“, sagte Jerger. Nach Angaben des Verbandes der Betriebs- und Werksärzte könnten in Deutschland rund 10.000 Betriebs- und Werksärzte beim Boostern sowie bei weiteren Erst- und Zweitimpfungen mit einsteigen.

Deutscher Kinderschutzbund würde Erwachsenen-Impfpflicht begrüßen

Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, hat für die Einführung einer Corona-Impfpflicht für Erwachsene plädiert für den Fall, dass die Impfquote so niedrig bleibt wie jetzt. „Ich persönlich bin dafür, dass man über eine Impfpflicht für Erwachsene berät und sie im Frühjahr dann auch beschließt, wenn die Impfquote so niedrig bleibt“, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. „Das würde auch die Kinder schützen.“ Hilgers fügte hinzu: „Kinder und Jugendliche haben in dieser Pandemie sehr viel geleistet, in dem sie auf sehr vieles verzichtet haben. Es ist respektlos, wenn wir uns als Erwachsene nicht impfen lassen.“ Eine Impfpflicht für Kinder und Jugendliche lehnte er zum jetzigen Zeitpunkt ab, weil man noch nicht genug darüber wisse, wie eine Impfung auf sie wirke. „Freiheit verlangt Verantwortung. Und wenn diese Verantwortung nicht wahrgenommen wird, dann brauchen wir eine Impfpflicht“, sagte er. Alles andere sei „Hedonismus statt Liberalismus“.

Mediziner warnen vor Druck auf Kinder bei Covid-Impfungen

Wenige Tage vor der erwarteten Entscheidung über eine EU-weiten Zulassung des Biontech-Impfstoffs für die Altersgruppe der 5- bis 11-Jährigen warnen Mediziner vor wachsendem Druck auf Kinder in der Pandemie. „Wir haben kaum Kinder, die an Covid erkranken, wir haben kaum schwere Verläufe oder Todesfälle. Insofern gibt es keinen Grund, hier Tempo zu machen“, sagte der Bundessprecher des Berufsverbands Kinder- und Jugendärzte, Jakob Maske, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Es gebe „aus medizinischer Sicht keinen großen Druck, Kinder ab 5 Jahren gegen Covid-19 zu impfen“. Laut Maske wollen die deutschen Kinderärzte nach einer EU-weiten Zulassung des Impfstoffs für Kinder ab fünf zunächst eine entsprechende Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) abwarten. Dies gelte, „auch wenn sich die Politik wohl auch diesmal wieder früher für Impfungen ausspricht“, sagte Maske. Eine Stiko-Empfehlung bedeute, „dass der Nutzen der Impfung größer ist als das Risiko. Das wollen wir als Ärzte auch den Eltern sagen können. Wir wollen, dass Kinder eine sichere Impfung haben.“ Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Kinder-Impfungen dagegen auch ohne Stiko-Empfehlung ermöglichen. Maske sagte, man sollte auch bei hohen Inzidenzen in der Altersgruppe der 5- bis 11-Jährigen „ganz gelassen bleiben“. „Wir haben keine hohe Krankheitslast, bei der wir in Panik ausbrechen müssten“, sagte er. Die hohe Inzidenz hänge vor allem mit häufigen Testungen der Kinder zusammen. Dadurch würden mehr Infektionen entdeckt als bei den meisten Erwachsenen. Ziel müsse es sein, „die tatsächlich gefährdeten Gruppen zu impfen: die Älteren, die mit Impfdurchbrüchen, die Ungeimpften“. Mit Blick auf den Schulalltag fügte Maske hinzu, bevor man wegen hoher Inzidenzen bei Kindern erneut über Schulschließungen spreche, müsse man „zur Not“ auch über eine Impfpflicht sprechen. „Eine Impfpflicht ist die weniger eingreifende Maßnahme verglichen mit Schulschließungen. Sie bringt weniger Schaden für Kinder und Jugendliche wie für Erwachsene“, sagte Maske. +++

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